Audio: Antenne Brandenburg | 11.07.2018 | Eva Kirchner | Foto: Eva Kirchner
Audio: Antenne Brandenburg | 11.07.2018 | Eva Kirchner | Foto: Eva Kirchner

Wo Flüchtlinge zu Akrobaten werden - Hula-Hoop-Reifen und Trapez - im Zirkuscamp von Reichenow

Hula-Reifen schwingen, am Trapez turnen, Seiltanzen - 60 Jugendliche aus neun Nationen üben sich gerade in einem Zirkuscamp. Schauplatz ist das kleine Dörfchen Reichenow in der Märkischen Schweiz. Zu den Artisten auf Zeit gehören auch vielen Flüchtlinge. 

Es ist ein Sprachmischmasch aus Polnisch, Englisch, Russisch, ein paar Fetzen Arabisch und Deutsch, das einem entgegen kommt. In der großen Trainingshalle auf dem Gutshof in Reichenow trainieren über 60 Jugendliche aus neun Nationen für eine Zirkusvorstellung. Da werden Bälle jongliert, der Hula-Hoop-Reifen geschwungen, getanzt, am Trapez und am Vertikalseil akrobatische Tricks einstudiert. Das Trainerteam ist international. Die Anweisungen nehmen sprachliche Umwege: Der Trainer spricht polnisch, wird von einem der polnischen Jugendlichen ins Deutsche übersetzt - für den 15jährigen Adam, einem russischsprachigen Tschetschenen.

Adam aus Tschetschenien übt am Vertikalseil. Foto: Eva Kirchner
Adam aus Tschetschenien übt am Vertikalseil. Foto: Eva Kirchner

"Hier unterscheidet keiner, woher Du kommst"

Der 15jährige hört aufmerksam zu, klettert an einem weißen Tuch nach ganz oben bis unter die Decke. Akrobatik am Vertikalseil - das habe er noch nie gemacht, erzählt er stolz. Es sei toll, so etwas Neues zu lernen.

Sprachbarrieren gibt es beim internationalen Zirkuscamp nicht. Wer mit Worten nicht weiter kommt, benutzt Hände und Füße. Überhaupt, steht hier das Miteinander an oberster Stelle und es ist völlig egal, wo wer herkommt, erzählt Adam. Seit drei Jahren lebt er in einer Flüchtlingsunterkunft im 10 km entfernten Kunersdorf. Dass er hier, dank Spenden, dabei sein kann, ist für ihn ein ganz besonderes Erlebnis: "Hier unterscheidet keiner, woher Du kommst, alle sind gleich hier".

Zirkuscamp in Reichenow. 60 Jugendliche aus neun Ländern trainieren hier. Foto: Eva Kirchner
Zirkuscamp in Reichenow. 60 Jugendliche aus neun Ländern trainieren hier. Foto: Eva Kirchner

"Genau darum geht es", erzählt Projektleiterin Christine Kölbel. Gemeinsam sprachliche und kulturelle Grenzen überwinden, das sei das Ziel des Internationalen Zirkuscamps. "Weil jetzt die Situation entsteht, mit Flüchtlingen wirklich in das konkrete Zusammenleben zu kommen."

Die Zirkuscamps gibt es seit 17 Jahren, veranstaltet werden sie vom gemeinnützigen Berliner "Circus Schatzinsel" aus Kreuzberg und dem polnischen "Circus Heca" aus den Masuren. Zunächst waren die Camps als deutsch-polnische Begegnungsprojekte für die Grenzregion konzipiert und fanden abwechselnd dies- und jenseits der Oder statt.  Seit zwei Jahren sind nun auch Flüchtlinge aus den nahegelegenen Unterkünften Kunersdorf und Bliesdorf dabei.

Trainiert wird noch bis Ende nächster Woche. Dann folgen zwei öffentliche Vorstellungen – eine in Reichenow und eine in Buckow in der märkischen Schweiz.   

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