Günter de Bruyn; © dpa-Zentralbild
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Schriftsteller Günter de Bruyn wird Ehrenbürger in Oder-Spree - Görsdorf hat einen stillen Promi

Schriftsteller Grünter de Bruyn lebt seit mehr als 50 Jahren in Brandenburg. Der gebürtige Berliner hat sich in einem Dorf bei Beeskow niedergelassen. Hier schreibt er noch mit 93 Jahren Romane und Erzählungen über die Heimat und oft historisch über die Geschichte Preußens.

Günter de Bruyn, einer der bekanntesten Schriftsteller Deutschlands ist 93 Jahre alt geworden. Am Sonnabend wird er Ehrenbürger des Landkreises Oder-Spree. Diese höchste Auszeichnung des Kreises wird auf der Burg Beeskow übergeben. Vor allem für sein literarisches Schaffen, das stets eng mit der Region verbunden ist. Seit den 1960-er Jahren wohnt und arbeitet de Bruyn im Oder-Spree-Kreis. Dort im kleinen Görsdorf nahe Beeskow lebt er zurückgezogen.

Ein ganz normaler Mensch

Interviews gibt Günter de Bruyn inzwischen nur noch ungern und äußerst selten. Auch wenn es um die Ehrenbürgerwürde geht, hält sich der 93-jährige bescheiden zurück. Und genau dieses Zurücknehmen und auf dem Boden bleiben, das schätzen die Menschen in Görsdorf. Mit Günter de Bruyn kann man einfach gut plaudern, wenn er denn mal vorbei kommt, erzählt Margret Lehmann. Auf dem Bauernhof ihrer Familie kauft de Bruyn hin und wieder frische Eier. „Erst vorige Woche war er hier“, erzählt die 87-jährige. Ein Besuch, über den sie sich sehr gefreut hat, denn, dass der Schriftsteller vorbei kommt, ist selten geworden. Sie kennt de Bruyn seit er in den 60iger Jahren nach Görsdorf zog. Ihr Mann hat den Neuankömmlingen damals in der Anfangszeit beim Bauen geholfen. Da draußen, in Blabber, so nennt sich der winzige Ortsteil in dem Günter de Bruyn wohnt, da war ja nix, erinnert sich Margret Lehmann. Kein Wasser, kein Strom. Und da hat ihr Mann beim Brunnenbau geholfen. Und de Bruyn kaufte bei dem Bauern Milch, Butter und Eier.  

So sanft, rücksichtsvoll und zuvorkommend

An diese erste Zeit erinnert sich auch Ingeborg Miethe. Die 80-jährige war lange  Bürgermeisterin und Ortsvorsteherin von Görsdorf. Sie lernte Günter de Bruyn 1968 kenne, als er in das kleine Dorf zog. Das war eine Sensation, dass ein so berühmter Schriftsteller in diese Einöde zog. „Er war damals immer auf der Suche nach Handwerkern, weil er ja sein Haus in Ordnung bringen wollte“, schildert sie die ersten Begegnungen. Und weil er eben Schriftsteller war, hat sich Ingeborg Miethe auch gleich ein Buch von ihm gekauft. „Das hatte ich in einer Nacht durch“, weiß die 80jährige als wäre es gestern gewesen. Inzwischen ist sie ein echter de Bruyn-Fan. Sie liebt die Bücher des berühmten Dorfbewohners und schätzt den Menschen Günter de Bruyn. „Er hat so was Sanftes, Rücksichtsvolles, Bescheidenes und zuvorkommend ist er auch.“, schwärmt Ingeborg Miethe. Sie schätzt an Günter de Bruyn, dass er den Menschen im Dorf auf Augenhöhe begegnet und dass er sich ab und zu die Zeit nimmt, beim Rentnerkaffee vorbei zu schauen.

Ohne die Menschen und die Landschaft könnte er nicht schreiben

Wie sehr Günter de Bruyn die Landschaft des Oder-Spree-Kreises und die hier lebenden Menschen schätzt und liebt, weiß auch sein Sohn Wolfgang de Bruyn. Er wohnt seit den 80-er Jahren ebenfalls in Görsdorf. Die Verwurzelung mit der Region sei überall spürbar, erzählt er. „Ohne die Kontakte, die Beziehung zum Ort, zur Region, zu den Leuten, könnte er weder Leben noch Schreiben.“, beschreibt der Sohn die Beziehung seines Vaters zur Oder-Spree-Region. Ein Landstrich und Menschen, die ihn bis heute inspirieren. Denn Günter de Bruyn schreibt nach wie vor jeden Tag. Er hat seinen festen Tagesrhythmus an den er sich eisern hält, erzählt der Sohn. „Er hat ein großes Arbeitszimmer mit seinen Computerschreibtisch, die Bibliothek, ja, letztlich lebt er in seinem Arbeitszimmer.“

Lieblingsbücher von Günter de Bruyn

Und in diesem Arbeitszimmer sind auch all die Bücher entstanden, in denen die Oder-Spree-Region stets eine größere oder auch kleiner Rolle spielt. Am bekanntesten und eine Hommage an die Region ist „Abseits – Liebeserklärung an eine Landschaft“. In dem Buch beschreibt de Bruyn die stille, spröde und manchmal verborgene Landschaft im Oder-Spree-Kreis. Ein Buch, das heute zu den Lieblingsbüchern der Görsdorferin Ingeborg Miethe gehört. Das hat sie von Günter de Bruyn geschenkt bekommen, erzählt sie stolz, samt Widmung. Damit hat er ihr eine ganz besondere Freude gemacht. Warum es gerade dieses Buch ist, das es ihr angetan hat? „Da merkt man, wie sehr er die Landschaft liebt und das er sich in dieser wohl fühlt.“, antwortet die 80-jährige.

Ehrenbürgerwürde für de Bruyn

Und genau dafür, für diese Liebeserklärung an eine Region, für seine Bücher in denen er das Lebensgefühl der Menschen aufzeigt, für seine manchmal kritischen und auch mutigen Äußerungen gerichtet an die Gesellschaft in der er lebte und lebt und dafür, dass er diese Landschaft und die Menschen über die Kreisgrenzen hinaus bekannt gemacht hat, dafür wird Günter de Bruyn nun mit der Ehrenbürgerwürde des Oder-Spree-Kreises ausgezeichnet.

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