Hannoveraner Brauer streiken am Konzernsitz in Frankfurt (Quelle: rbb)
Audio: Antenne Brandenburg | 03.12.2019 | Markus Woller | Bild: rbb

Getränke-Konzern hat Sitz in Frankfurt (Oder) - Hannoveraner Brauer streiken in Frankfurt für Tarifvertrag

Seit Ende 2015 gehört die Hannoveraner Gilde-Brauerei zur TCB-Beteiligungsgesellschaft in Frankfurt (Oder). Jetzt gibt es Streik. Es geht um einen einen Tarifvertrag. Die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten wirft dem Frankfurter Unternehmen Tarifflucht vor. Von Bärbel Lampe

Die TCB- Beteiligungsgesellschaft ist privat geführt. Deren Geschäftsführer Karsten Uhlmann und Mike Gärtner haben innerhalb weniger Jahre von Frankfurt (Oder) aus ein Brau - Imperium aufgebaut. Die Gilde-Brauerei Hannover gehört seit Ende 2015 dazu. Laut Geschäftsführung ist die Bierproduktion in der niedersächsischen Hauptstadt seitdem versechsfacht worden.

Seit Monaten kämpfen die Hannoveraner mit Warnstreiks für einen neuen Tarifvertrag. Am Dienstag fand die erste auswärtige Aktion der Gilde-Beschäftigten am Konzernsitz in Frankfurt (Oder) statt. Nach Informationen der Gewerkschaft NGG soll "...die Geschäftsführung der Gilde-Brauerei am 29. November, um 4 Uhr, in einer Nacht- und Nebelaktion die geplante Umstrukturierung- die Aufspaltung der Gilde-Brauerei in vier Firmen- umgesetzt haben".

Hannoveraner Brauer streiken am Konzernsitz Frankfurt (Quelle: rbb)
Bild: rbb

Lärm vor der Konzernzentrale in Frankfurt

52 Bierbrauer der Hannoveraner Brauerei machten vor der Frankfurter Konzernzentrale mächtig Lärm. Streikleiterin der Gewerkschaft NGG, Lena Melcher, erklärt die Streiksituation. Sie sagt, dass ein Teil der Belegschaft tarifliche Ansprüche hat und der andere Teil eben keine. Der Unterschied zwischen beiden Beschäftigtengruppen bei gleicher Tätigkeit beträgt etwa 15.000 Euro pro Jahr. 

Der Gehaltsunterschied bestehe zwischen langjährigen Mitarbeitern der Gildebrauerei und denen, die seit der Übernahme durch die Frankfurter Beteiligungsgesellschaft dazu gekommen sind.

In einschlägigen Presse-Veröffentlichungen werden Gärtner und Uhlmann als dynamische Wirtschaftskapitäne und geschäftstüchtige Visionäre beschrieben, die Brauereien in Brandenburg und Lothringen (Frankreich) vor dem Untergang bewahrt haben. Ihr Bier geht in über 20 Länder. Nur zwei deutsche Bierkonzerne sollen noch größer sein.

Malz zur Bierherstellung (Bild: imago/blickwinkel)
Bild: imago stock&people

Tradition versus Konkurrenzdruck

Die Gilde-Brauerei ist mit über 450 Jahre alter Brautradition Hannovers ältestes Unternehmen. Im vorigen Jahr soll die Produktion auf rund 850 000 Hektoliter Bier angestiegen sein.

Die Gehaltsunterschiede bestätigt dem rbb am Dienstag auch der Geschäftsführer der Frankfurter Brauhaus GMbH Karsten Uhlmann in einem Gespräch. Er sagt, die niedrigeren Löhne seien nötig, um die stark defizitäre Brauerei wieder auf Kurs zu bringen. Den Gewerkschaftern hält er einen unnötigen verbalen Eskalationskurs und die Verbreitung von Falschinformationen vor.

Hausinterne Tarifverträge

An mehreren Standorten der Beteiligungsgesellschaft TCB gäbe es Tarifverträge. Die seien hausintern, lägen aber weit unter Flächentarifverträgen, so Gewerkschafter Uwe Ledwig von der NGG. So sei das Tarifniveau am Brauerei-Standort in Frankfurt (Oder) etwa 500 Euro unter dem Flächentarifniveau von Berlin-Brandenburg. Ledwig sieht darin einen erheblichen Wettbewerbsvorteil für die Brauereigesellschaft.

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