Archivbild: Das Asklepios Klinikum Uckermark in Schwedt (Brandenburg) aufgenommen am 02.12.2015. (Quelle: dpa/Bernd Settnik)
Audio: Antenne Brandenburg | 11.02.2020 | Torsten Sydow | Bild: dpa/Bernd Settnik

Polnischer Absolvent in Schwedt - Warum ein studierter Mediziner nicht als Arzt arbeiten darf

In vielen Orten Brandenburgs werden Ärzte dringend gesucht. Auch darum schütteln viele Menschen in der Uckermark die Köpfe darüber, das deutschen Medizin-Absolventen der Uni im polnischen Stettin in Deutschland die Zulassung als Arzt verweigert wird. 

Der 29-jährige Vincent Grotkopp lächelt im Flur des Asklepios-Klinikums Schwedt. Aber im Grunde genommen ist Vincent enttäuscht und traurig, denn eigentlich darf er gar nichts alleine machen an und mit den Patienten.

Obwohl Vincent Grotkopp im Sommer vorigen Jahres sein sechsjähriges Medizin-Studium an der Pommern-Universiät in Stettin abschlossen hat ist er kein Arzt - sondern kann nur als Hospitant im Schwedter Klinikum für Erkrankte da sein. Arbeiten also unter ärztlicher Aufsicht. Tätigkeiten wie Blut abnehmen, Flexülen legen oder auch nur mit Patienten sprechen, all dies darf er nur in Anwesenheit eines approbierten, also zugelassenen Arztes tun.

Umstrittene EU-Richtlinie

Der Grund, warum Grotkopp und andere keine Approbation, also keine Zulassung als Arzt in Deutschland erhalten, liegt in der von Polen im Frühjahr vorigen Jahres veränderten EU-Berufsanerkennungsrichtlinie. Darin wird nun von den Absolventen eines Medizinstudiums an polnischen Unis zusätzlich eine mündliche Prüfung in Medizinrecht und ein "Staz" genanntes 13-monatiges Praktikum gefordert.

Die Leitungen des Klinikums Schwedt und der Uni in Stettin, die seit 2013 bei der Medizinerausbildung kooperieren, stehen demgegenüber auf dem Standpunkt, Studenten die in Deutschland den Arztberuf ausüben wollen, benötigen die zwei neuen Prüfungen nicht.

Deutsch-Polnische Kooperation vor dem Aus

Rüdiger Heicapell, der ärztliche Direktor des Klinikums Uckermark, sieht die Kooperation mit der Stettiner Uni vor dem Aus. Die Politik in Warschau, Potsdam und Berlin müsse den Schwebezustand für die Studenten beenden, fordert Heicapell. Die Behörden würden sich nur gegenseitig die Schuld zu schieben, aber den gordischen Knoten nicht zerschlagen. Die Politik mache schließlich die rechtlichen Vorgaben und müsse deshalb nun Führungsverantwortung übernehmen und so ermöglichen, dass die Approbationen erteilt werden können.

Uniabsolvent Vincent Grotkopp am Asklepios Klinikum-Schwedt
| Bild: rbb|Torsten Sydow

Landtag soll es richten

Auch Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat Mitte Januar in Warschau eine Problemlösung angesprochen. Ebenso Bundes-Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Passiert ist bisher nichts. Vincent Grotkopp wird wohl noch weiterhin Geduld brauchen, bis Polen die EU-Berufsanerkennungs-Richtlinie verbindlich ändert. Er kann sich, wie er sagt, jedenfalls vorstellen in Brandenburg zu bleiben. Er fühle sich wohl hier und wolle später auch eine eigene Landarzt-Praxis eröffnen.

Am Mittwoch ist der Zulassungsstreit von Medizinabsolventen von der Uni Stettin Thema im Gesundheitsausschuss des Brandenburger Landtages. Ministerin Ursula Nonnemacher (Grüne() sagte vorab, sie wolle eine verlässliche Regelung mit Polen - denn Ärzte werden dringend benötigt in Brandenburg.

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