Eine Altenpflegerin unterstützt einen hilfsbedürftigen Mann in einem Altenheim © imago/Westend61
Audio: Antenne Brandenburg | 12.03.2020 | Bild: imago/Westend61

Stimmungsbild in Frankfurt (Oder) - Altenheime stehen vor großen Herausforderungen

Besonders Senioren und Pflegebedürftige müssen sich vor dem Coronavirus in Acht nehmen. Das stellt die Pflegeeinrichtungen vor schwierige Aufgaben. Hygiene spielt die größte Rolle - neben dem Personal, das nicht überall ausreichend vorhanden ist. Von Franziska Hoppen und Tony Schönberg

Die Weltgesundheitsorganisation hat die Ausbreitung des Coronavirus am Mittwoch zur Pandemie erklärt. Das Ausmaß der neuen Erkrankungen und der neuen Todesfälle seien dafür der Grund. Schon seit langem ist klar: Vor allem für Menschen mit Vorerkrankungen und für Senioren ist das Virus besonders gefährlich. In Pflege- und Altenheimen der Region rund um Frankfurt (Oder) muss darum auch die Risikogruppe besonders sensibel betreut werden.

Desinfektion in der Altenpflege

Für die Pflege der Einwohner ist der Einsatz von Desinfektionsmitteln dabei unabdingbar, bestätigt Fachkraft Ivo Gerold aus einem Seniorenheim in Frankfurt (Oder). Besonders vor und nach der Körperpflege müsse auf strenge Hygiene geachtet werden. Bei den pflegerischen Tätigkeiten komme es auch zu Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Urin und Exkrementen. Ausschließlich mit Waschen können nicht alle Rückstände beseitigt werden. "Es bleibt viel auf den Händen, unter den Fingernägeln und in den Falten. Wir verschleppen einfach Keime. Egal, ob es ein Virus oder Bakterien sind, wir würden die Keime von einem Bewohner zum anderen schleppen", so Gerold.

Laut Einrichtungsleiter Klaus-Dieter Schepler hilft den Pflegekräften im Umgang mit hoch infektiösen Krankheiten eine gewisse Routine. Immerhin hätten sie permanent mit hygienischen Maßnahmen zu tun. "In der Regel werden die Erreger von außen hereingetragen. Sei es Noro, MASA, sei es Grippe oder Corona. Insofern hat sich auch innerhalb der Einrichtung keine Panik oder Hektik entwickelt", so Schepler. Natürlich werde aber bei Bewohnern und Pflegern das Thema oft diskutiert.

Nur bei Gummihandschuhen sieht es besser aus

Durch die Ausbreitung des Coronavirus komme es derzeit mancherorts zu Engpässen mit Desinfektionsmitteln, bestätigt Pflegedienstleiterin Ricarda Krauter-Borchert. Bei dem Verbrauch in ihrer Einrichtung reichten die Reserven noch etwa zwei Wochen. Nachschub sei derzeit nicht in Sicht. Auch der geforderte Mundschutz ist momentan nicht lieferbar. Bei Gummihandschuhen sieht es besser aus.

Etwas positiver verläuft die Versorgung nach Angaben der Betreiber in den kommunalen Pflegeeinrichtungen des Landkreises Oder-Spree. In den großen Häusern in Fürstenwalde, Beeskow und Müllrose gibt derzeit keine Probleme, und auch die Heime der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Frankfurt seien gut ausgerüstet. Die Lieferung der medizinischen Bedarfe laufe, jedoch komme es teilweise zu Zeitverzögerungen bei den Bestellungen.

Besucher müssen bewusst mit Hygiene umgehen

Laut Brigitte Freund, Geschäftsführerin der Heime im Landkreis Oder-Spree, ist die Nachfrage gerade allgemein sehr hoch. Wenn von den Herstellern seltener geliefert werde, fielen die Bestellungen größer aus. Für die nächsten Wochen seien dort erst einmal keine Engpässe abzusehen.

Einen Lieferstopp kann Brigitte Freud aber nicht ausschließen. Falls dies geschehe, hoffe man auf Unterstützung durch die Gesundheitsämter und Landesbehörden. Allerdings brauche momentan niemand in Panik verfallen. In Altenheimen sei die Infektionsgefahr wesentlich geringer als in Krankhäusern, da die Anwohner außer zu normalen Spaziergängen an der frischen Luft selten die Einrichtungen verließen.

Solange das Virus keine übermäßige Bedrohung für Leib und Leben darstelle, bleiben die kommunalen Heime auch für Besucher uneingeschränkt geöffnet. Der Kontakt zu Angehörigen und Freunden gehöre schließlich zur Lebensqualität der alten Menschen. Nur wird bei Besuchern auf einen bewussten Umgang mit Hygiene und Gesundheit appelliert.  

Risiko: Personalmangel

Ein Problem könnten jedoch in Zukunft die Personalausfälle durch Krankheit, öffentliche Einschränkungen oder Quarantänemaßnahmen werden. Als Lösung sieht Brigitta Freund in ihren Einrichtungen nur die Priorisierung und Umorganisation der Arbeit sowie der Schichten. Schließlich müsse die Versorgung der Bewohner unter allen Umständen gesichert werden.

Für Frank Ploß, Verdi-Gewerkschaftssekretär im Bezirk Nord-Ostbrandenburg, ist die psychische und physische Arbeitsbelastung für das Personal in der häusliche Alten- und Krankenpflege schon allgemein sehr hoch. Das zeige auch die Krankenquote. Der allgemeine Durchschnitt in Brandenburg liege zwischen vier und fünf, bei Pflegern dagegen bei acht bis zehn Prozent. Nach jetzigen Erkenntnissen geht der Gewerkschafter zukünftig von höheren Arbeitsbelastungen infolge des Coronavirus aus. Ploß verweist auf die Fürsorgepflicht der Arbeitgeber zum Schutz seiner Mitarbeiter.

In der häuslichen Krankenpflege sei das Risiko einer Infektion noch höher. Im Gegensatz zum Heimbetrieb, könne Maßnahmen wie Isolierung und Besucherverkehr dort nicht reglementieren. So seien bei den mobilen Diensten die Drittkontakte der Patienten unüberblickbar.

Kreative Lösungen sind gefragt

Um die Arbeitsfähigkeit in ihren Einrichtungen sicher zu stellen, stellt Brigitte Freund Angebote in Aussicht. In Fällen von Schul- und Kitaschließungen sollen die Mitarbeiter beispielsweise ihre Kinder mit zur Arbeit bringen können. Die Geschäftsleiterin denkt auch über einen Fahrdienst für das Personal nach, sollte der Transport mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht machbar sein.  

Sendung: Antenne Brandenburg, 12.03.2020, 14:40 Uhr.

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