Johanna König mit Sohn Lorenz.
Video: Brandenburg aktuell | 28.07.2020 | | Bild: rbb/ Larissa Mass

Kita-Hygieneplan - Wenn ein Schnupfen nicht mehr einfach nur ein Schnupfen ist

Laut aktuellem Hygieneplan des Brandenburger Ministeriums müssen Kita-Kinder schon bei leichten Erkältungssymptomen an die Eltern übergeben werden. Für Eltern ist das nicht immer leicht, zeigt auch ein Fall aus Eichwalde. Von Larissa Mass

Johanna König musste ihren dreijährigen Sohn Lorenz in den vergangenen Wochen öfter aus der Kita "Die kleinen Strolche" in Eichwalde (Dahme-Spreewald) abholen. Der Grund: Schnupfen. Erst wenn Lorenz 24 Stunden symptomfrei ist, darf er zurück in die Kita.

Ein Schnupfen, das kommt bei Kita-Kindern ziemlich häufig vor und kann auch gerne mal zwei Wochen andauern. Laut Hygieneplan des Brandenburger Gesundheitsministeriums liegt es im Ermessen der Kitaleiter, wann sie die Eltern kontaktieren. Das führt dazu, dass Eltern regelmäßig mit ihren Kinder daheim bleiben müssen, kritisieren Elternvertreter.

Urlaubs- und Krankheitstage verbraucht

Johanna Königs Sohn Lorenz musste eine komplette Woche wegen Schnupfens zu Hause bleiben. Ihre Tochter daraufhin auch, da alle Geschwisterkinder auch in der Folge Kita-Verbot haben. "Das war sehr massiv in unserer Gruppe – viele Eltern mussten zu Hause bleiben und sie hatten komplett gesunde Kinder daheim!" Die Eltern sind aufgebracht, da sie auch keine Urlaubs- und Krankheitstage mehr haben nach den letzten Corona-Monaten. Erst recht für Alleinerziehende wird das zum Problem.

Suche nach Unterstützung

Deswegen sucht Johanna König und der Elternvertreter Roberto Lisker das Gespräch mit der Kita-Leitung und der Kommune. Der Bürgermeister von Eichwalde, Jörg Jenoch (Wähler Initiative Eichwalde), betont jedoch, dass das Abholen bei Krankheit ein normales Verfahren sei, auch schon vor Corona: "Wir müssen unsere Kinder und unsere Erzieher schützen."

Er verstehe, dass das für viele Eltern aktuell eine Belastung sei – aber er verweist auf den Hygienplan des Ministeriums. Darin heißt es, dass Kinder auch mit nur leichten Symptomen zur Abklärung den Eltern übergeben werden sollen.

Fehlende Lösungsansätze

Die stellvertretende Kita-Leitung Jitka Zell setzt sich mit den teilweise verständnislosen Eltern auseinander, sie erklärt, dass sie sich an die Anweisung halten muss: "Natürlich ist Schnupfen bei Kindern normal. Aber in der Covid-19-Zeit ist es so, dass wir nicht einschätzen können, ob ein Schnupfen mehr bedeutet. Wir sind keine Mediziner."

Eine konkrete Änderung des Hygieneplans ist zurzeit nicht in Aussicht. Für Johanna König und die anderen Eltern der Eichwalder Kita ist das nicht zufriedenstellend. Sie wünschen sich mehr Toleranz von dem Kita-Träger oder mehr alternative Betreuungsmöglichkeiten. Vor allem befürchten sie, dass mit dem Herbst die Schnupfenzeit kommt und sich die Situation bei der Kinderbetreuung vermutlich noch verschärfen wird.

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