Archivbild: Friseurmeisterin Brita Meißner in ihrem Salon in der Innenstadt. Brandenburger Friseure, die wochenlang wegen der Corona-Auswirkungen ihre Salons schließen mussten, können ihre Kundinnen und Kunden bedienen. (Quelle: dpa/S. Stache)
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Audio: Antenne Brandenburg | 13.10.2020 | Sarah Schiwy | Bild: dpa/S. Stache

Interview | Handwerkskammer Frankfurt (Oder) - "Das Handwerk hat immer noch goldenen Boden"

Noch reicht der Auftragsvorlauf im Handwerk durchschnittlich für drei Monate. Doch Corona zerrt merklich an der Kraft des Handwerks. Uwe Hoppe, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Frankfurt (Oder), über die derzeitige Situation in Ostbrandenburg.

rbb|24: Herr Hoppe, wie gut kommt Ost-Brandenburg durch das Corona-Jahr 2020?

Uwe Hoppe: Man kann sagen, dass das Ostbrandenburger Handwerk relativ gut durch die Krise gekommen ist. Die Aussichten sind etwas eingetrübt. Wir haben in den verschiedenen Gewerken immer noch einen Auftragsvorlauf und Zugänge.

Sie sprechen für eine sehr große Gruppe an Betrieben, vom Bäcker über den Friseur, der zum Teil lange schließen musste, bis zum Maurer, der weiterarbeiten durfte. Können Sie das auf die Gewerke konkretisieren?

Es ist bekannt, dass Friseure und Bäcker sechs beziehungsweise sieben Wochen schließen mussten und auch jetzt noch Maßnahmen haben, wie zum Beispiel, dass nur jeder zweite Stuhl im Salon bearbeitet werden darf. Es muss mit Maske gearbeitet werden. Aber man hat die Öffnungszeiten verändert, und die Haare wachsen ständig. Wir haben kaum Klagen von Friseuren und Kosmetikern.

Von den Bauhaupt- und Nebengewerken muss man sagen, dass sie wirklich auch gut gefüllte Auftragsbücher haben. In der Regel also durchschnittlich einen Auftragsvorlauf von zwölf Wochen. Und das merkt natürlich sowohl der Private, wenn er einen Handwerker bestellt, als eben auch die Kommunen, dass hier ein langer Vorlauf notwendig ist.

Uwe Hoppe, Hauptgeschäftsführer Handwerkskammer Frankfurt (Oder)Uwe Hoppe, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Frankfurt (Oder)

Was haben die Firmen, die Sie befragt haben, angegeben: Welche Wünsche, Hoffnungen und Ängste haben sie?

Wir gehen davon aus, dass es keinen zweiten Lockdown geben wird, weil die Wirtschaft den nicht vertragen würde. Wenn ich an andere Industriezweige denke, die jetzt noch Kurzarbeit machen, haben wir im Handwerk nur ganz wenige Unternehmen, die noch in Kurzarbeit sind. Die Messebauer hat es getroffen. Aber ansonsten ist das Ostbrandenburger Handwerk relativ gut durch die Krise gekommen. Auch haben wir nicht so export-orientiertes Handwerk wie Bayern oder Baden-Württemberg.

Wie sieht es denn bei den Auszubildenen aus?

Die Kammer ist zufrieden. Wir haben am 30. September elf Ausbildungsverträge mehr als im Jahr zuvor. Die Maurer haben sich von 22 auf 33 verbessert und auch die Kfz-ler haben 160 Lehrlinge eingestellt. Leider gibt es auch Verlierer. Bäcker sind von 15 auf fünf zurückgegangen, und Friseure von 44 auf 22. Hier muss noch nachjustiert werden.

Trotz der guten Zahlen haben wir noch 170 Ausbildungsplätze frei. Das Fenster für die Anmeldung und den Vertragsabschluss ist bis zum 31. Oktober offen. Und ich kann Jugendliche, die noch nicht versorgt sind, nur auffordern, sich in der Nähe umzugucken. Handwerksbetriebe sind bereit sie auszubilden. Handwerk hat immer noch goldenen Boden.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Sarah Schiwy für Antenne Brandenburg. Dieser Text ist eine redigierte und gekürzte Version des Gesprächs.

Sendung: Antenne Brandenburg, 13.10.2020, 15:10 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Die Golden Zeiten sind lange lange vorbei ! Angefangen mit Wegfall des Meistertitels in mehreren Branchen , die Billiglöhner aus dem Ostblock usw usw !
    Ich arbeite im Handwerk und ich rate jedem der ins Handwerk möchte lasst die Finger davon !
    Solange die Ostblocker hier arbeiten dürfen und die Preise drücken bis in den Keller wird das nichts mehr mit Goldenen Zeiten im Handwerk!

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