Archivbild: Ein Mitarbeiter der Neuen Oderwerft GmbH schleift am 03.12.2018 mit einer Flex an einem Neubau eines Wahrschaufloßes. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Audio: Antenne Brandenburg | 31.03.2021 | Guido Weiß | Bild: dpa/Patrick Pleul

Kanzlerin Angela Merkel denkt über Gesetzesinitiative nach - Test-Verpflichtung für Unternehmen nicht zielführend

Kanzlerin Merkel denkt über eine Testpflicht in Unternehmen nach, weil es nur wenige flächendeckende Corona-Test in der Wirtschaft gebe, kritisierte sie zuletzt im Ersten bei "Anne Will". Die Ostbrandenburger Wirtschaft zeigte sich irritiert, macht Bedenken gelten.

Die Brandenburger Wirtschaft hat verhalten auf den Vorstoß von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reagiert, womöglich eine Corona-Testpflicht per Gesetz in Unternehmen einführen zu wollen. "Nicht zielführend", meint die Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg (IHK). "Wir haben eine sehr heterogene Wirtschaftsstruktur in Ostbrandenburg - große Unternehmen können sich das eher leisten als kleine Unternehmen", erklärt Guido Weiß, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Ostbrandenburg. Generell unterstütze die Wirtschaft alle Maßnahmen. Dies stoße aber irgendwann an Kapazitätsgrenzen.

Weiß geht davon aus, dass wenn der Staat verpflichtet Tests durchzuführen, dass er dann auch Tests und Personal zu Verfügung stellen müsse. Wichtig sei, dass nicht der Eindruck entstehe, dass die Testungen in der Wirtschaft dafür verantwortlich seien, dass Corona erfolgreich gestoppt werden können. "Das hat viele Facetten - vor allem aber die Impfstrategie", betont Weiß.

Kanzlerin Merkel hatte sich am Sonntag in der ARD-Sendung "Anne Will" unzufrieden darüber gezeigt, wie die Selbstverpflichtung der Wirtschaft umgesetzt werde, dass jeder Mitarbeiter, der sich nicht im Homeoffice befinde, zweimal pro Woche getestet werden müsse. Sie sei zu der Auffassung gekommen, dass dies nicht flächendeckend umgesetzt werde. Daher erklärte sie, das man das Testen in den Unternehmen "wahrscheinlich" verpflichtend machen müsste. Bislang sind die kommunalen Gesundheitsämter für die Einhaltung der Maßnahmen verantwortlich, teilte das brandenburgische Gesundheitsministerium auf Anfrage von rbb|24 mit.

Unrealistischer Vorstoß der Politik

Auch der Stahlkonzern Arcelor Mittal in Eisenhüttenstadt äußerte Bedenken. Man habe zwar zwei Betriebsärzte, erklärt Arcelor-Arbeitsdirektor Michael Bach dem rbb. Diese testeten zwar auch, aber bislang nur die Mitarbeiter, die auch Symptome zeigten oder die meinten, dass sie sich anders fühlten als sonst, so Bach weiter. Ebenso würden auch Kontaktpersonen von Infizierten überprüft. Bach betonte, dass es wichtig sei, dieses Angebot vorzuhalten, da Teststationen in und um Eisenhüttenstadt nicht gerade breit gestreut seien.

Alle Beschäftige pro Woche zu testen, sei aber nicht machbar: "Wir können es nicht gewährleisten, auch wenn sich jeder Beschäftige nur einmal pro Woche testen lassen würde", betont Bach. Das wären 500 Tests in der Woche. Und so eine Überprüfung bräuchte Vor- und Nachbereitung, da das Ergebnis erst 15 Minuten später angezeigt werde.

Wirtschaft hinterfragt Umsetzung

Der Bundesverband mittelständischer Wirtschaft sieht den Merkel-Vorstoß generell kritisch. Ralf Henkler, zuständig für Ost- und Südbrandenburg im Verband sagt auf rbb Anfrage, dass die Regierung damit nur ablenken wolle, dass sie selbst bei der Test- und Impflogistik versage. Dabei seien gerade mittelständischen Betriebe sehr hinterher, die Hygiene- und Arbeitsschutzmaßnahmen auch umzusetzen, sagt Henkler. Auch hinterfragt er, wer die Kosten für die schätzungsweise 60 Millionen Tests pro Woche übernehmen solle.

Sendung: Antenne Brandenburg, 31.03.2021, 06:30 Uhr

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3 Kommentare

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  1. 3.

    Der Arcelor Direktor wird schon wissen was er macht und nicht macht. Wenn dann eben die Leute in der Produktion ausfallen, ihr Problem. Wenn aber dann noch die Leute von den Reparaturfirmen angesteckt werden, und keiner mehr reparieren kann? Arbeitsplätze mit Personal, was zusammen arbeiten muss, sind aber nun mal besonders gefährdet.

  2. 2.

    Nun versucht der Staat was er und insbesondere Brandenburg nicht auf die Reihe bekommt den Unternehmem aufzudrücken. Der Bund hat jedem Bürger einen kostenlosen Schnelltest versprochen. Der diese Kosten sogar übernimmt. Brandenburg hat es nicht geschafft dies logistisch zu organisieren, im Gegenteil man ignoriert Anweisungen vom Gesundheitsministerium. In der Verordnung steht allerdings nichts von zertifizierten Test. Es reichen auch Selbsttest.

  3. 1.

    Wieso schriebt man eine subjektive Meinung eines Lobbyverbandes so in eine Überschrift, dass daraus eine absolute Aussage wird?
    Ist doch klar, dass die das negativ sehen- sonst hätten sie ja schon längst solche Tests organisiert.

    Wie meistens, schreien mal wieder die am lautesten, die die wenigsten Einschränkungen haben. Der Einzelhandel würde sich die Finger danach lecken, wenn sie unter solchen Bedingungen arbeiten dürften.

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