Motorradkontrollen Werbellinsee Polizei
Audio: Antenne Brandenburg | 29.03.2021 | Georg-Stefan Russew | Bild: rbb/ Georg-Stefan Russew

Kontrollen am Werbellinsee - Polizei will "Biker-Rennstrecke" beruhigen

Regelmäßig verunglücken Motorradfahrer auf der Westseite des Werbellinsees, immer wieder kommen dort Fahrer sogar ums Leben. Ursache für die Unfälle: nicht angepasste Geschwindigkeit. Die Polizei will mit mehr Kontrollen die Lage beruhigen. Von Georg-Stefan Russew

Die L220 im Barnim zwischen Eichhorst und Joachimsthal zählt bei Bikern zu den beliebtesten Ausfahrstrecken in Berlin-Brandenburg. Doch die Straße hat es in sich mit ihren Kurven, Hügeln und bewaldeten Abschnitten. Daher warnt die Polizei immer wieder vor Unfällen. Zuletzt kam Ende Oktober 2020 ein Motorradfahrer ums Leben, als er aus einer Gruppe heraus einen Wagen überholte, den Halt verlor und in den Gegenverkehr stürzte. Dort war die Kollision mit einem entgegenkommenden Auto nicht mehr zu verhindern.

Dieser Unfall kann - so tragisch er endete - exemplarisch für viele ähnlicher Verkehrsunfälle auf der Strecke stehen. Daher will die Polizei gerade zum Start der Motorradsaison nicht tatenlos zusehen und hat dort eine Reihe von Kontrollen angekündigt.

Motorradkontrollen Werbellinsee Polizei
Die westliche Seite des Werbelilinsees ist eine beliebte Motorrad-Strecke. | Bild: rbb/ Georg-Stefan Russew

Gasgriff nicht zu weit aufreißen

"Wir sind heute hier, um Flagge zu zeigen", sagt der Erste Polizeihauptkommissar Frank Lehm. Zusammen mit Kollegen von der Bereitschafts- und Verkehrspolizei ist er am Sonntag am Werbellinsee im Einsatz, um Biker zu kontrollieren und ihnen ins Gewissen zu reden, den Gasgriff bei der Ausfahrt nicht zu weit aufzureißen.

"Hauptunfallursache ist die nicht angepasste Geschwindigkeit hier in diesem Streckenverlauf", erklärt Lehm. Gerade in den Kurvenbereichen sei festzustellen, dass die Motorradfahrer dort teilweise in den Gegenverkehr geraten, mit entgegenkommenden Verkehrsteilnehmern zusammenstoßen oder von der Fahrbahn abkommen und gegen einen der vielen Straßenbäume prallen.

Strecke mit landschaftlichem Reiz

"Der Reiz für viele Biker ist hier das ländliche Gebiet. Viele der Motorradfahrer kommen aus Berlin, die sich da nicht so entsprechend ausleben können", versucht Polizeihauptkommissar Frank Linke die Beliebtheit der L220 zu erklären. Das Fatale sei aus seiner Sicht, dass manch hochmotorisierter Biker seine Maschine technisch nicht wirklich gut beherrsche. "Die Folge ist, dass sich manch einer überschätzt und entsprechend in den Kurven durch die hohe Geschwindigkeit die Kontrolle verliert und es zu den oft tragischen Ausgängen kommt", erklärt Linke.

Motorradkontrollen Werbellinsee Polizei
Verkehrszeichen weisen auf die gefährliche Strecke hin. | Bild: rbb/ Georg-Stefan Russew

Liegende Biker mit mehr als 100 km/H

Auch Dauercamper Lutz Spring, der ein kleines Refugium unweit der L220 hat, weiß davon ein Lied zu singen: "Wir haben hier schon ganz gruselige Erfahrungen mit Motorradfahrern gemacht", klagt er. "Es gibt Biker, die hier wie die Verrückten fahren." Obwohl die Behörden bereits reagiert und Sperrbarken in die Fahrbahn eingezogen hätten, würden die Biker eben in die Mitte ziehen.

Da seien Spring schon Motorradfahrer auf einem Reifen brausend entgegengekommen. "Wir haben wirklich schon extreme Sachen gehabt, wie liegende Biker mit weit mehr als 100 Stundenkilometer auf dem Tacho auf einer 60-km/H-Strecke." Auch Rettungshubschrauber-Einsätze nach Unfällen habe er im Sommer schon öfter beobachtet. "Daher kann ich es nur begrüßen, wenn die Polizei an der L220 mehr Kontrollen durchführen will", sagt Spring.

Geschwindigkeitsverstöße bei Autofahrern

Solche Erfahrungen machen die Beamten bei ihrer Kontrolle am Sonntag nicht, obwohl sie solche Aktionen nach eigener Aussage zur Genüge kennen. Es seien eher ältere Biker unterwegs gewesen, die sich an die Vorschriften hielten, wie der Berliner Christian Richter auf seiner betagten BMW: "Nein, Nein! Man macht langsam. 3.000 bis 4.000 Touren nur", sagt er. "Hier ist ein Tempolimit von 60 Stundenkilometern. Ich bin schon gesetzten Alters, 63. Da ist man nicht mehr wie ein 25-Jähriger unterwegs."

Übrigens: Zu schnell wurden am Sonntag ausschließlich Autofahrer gemessen. Bei den eher älteren Motorradfahrern waren zumeist fehlende Papiere zu beanstanden. Die Beamten hätten es zumeist bei Belehrungen belassen. Und die nächste Kontrolle ist laut Lehm schon in Vorbereitung. "Wirklich zum Selbstschutz für Motorradfahrer! Runter vom Gas! Das rettet leben", betont sein Kollege Linke.

 

Sendung: Antenne Brandenburg, 29.03.2021, 15:40 Uhr

3 Kommentare

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  1. 3.

    Ich finde sie sollten auch unnötig laute Bikes aus dem Verkehr ziehen. Die lauter sind als der Stand der Technik es erfordert.

  2. 2.

    Das sehe ich auch so. Leider ist es in allen Bereichen so. Wenn dann wirklich Verbote oder in diesem Fall Sperrungen kämen müssten wieder alle leiden. Hoffentlich bringen die jetzigen Maßnahmen was.

  3. 1.

    Sehr lobenswert von der Brandenburger Polizei, dass wegen einzelner Krawallbiker nicht über Streckensperrungen nachgedacht wird. Ich zähle mich auch zu den "gesetzten" Motorradfahrern (nicht Bikern!) und distanziere mich von den Bikern mit ihren Krawalltüten. Der Schaden, den diese Minderheit der Mehrheit der vernünftigen Motorradfahrern, anderen Verkehrsteilnehmern und Anwohnern bereitet, ist immens und sollte mit drastischen Strafen belegt werden!

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