Nach Abbruch des Spielbetriebes in Brandenburg - Spieler und Verantwortliche reagieren mit Unverständnis auf Lockdown im Amateur-Fußball

Do 25.11.21 | 18:10 Uhr
Maik Pruschke und Vereinsmanager Dennis Vieweg vom SV Grün-Weiß Ahrensfelde
Audio: Antenne Brandenburg | 25.11.2021 | Isabel Röder | Bild: Isabel Röder/ rbb

Keine Zuschauer mehr auf den Rängen und auch mit dem Kick auf dem Rasen ist Schluss. Der Landesverband hat einen Fußball-Lockdown beschlossen. Der gilt für den Amateurfußball ab der Brandenburg-Liga. Das sorgt für Unmut

Seit Tagen erreichen die Zahlen der Corona-Infektionen neue Höchststände. Infolgedessen reagiert die Politik mit schärferen Regeln und Absagen im öffentlichen Leben. Im Sport sind in den Profiligen Spiele mit Zuschauern bisher noch erlaubt. So darf der Fußball-Erstligist Hertha BSC am Wochenende wohl 42.000 Fans ins Olympiastadion lassen.

Doch für die unteren Fußball-Ligen wurde in Brandenburg erstmals die Reißleine gezogen. Von sofort an würden keine Spiele mehr durchgeführt, teilte der Fußball-Landesverband am Mittwoch mit. Zuvor hatte das Präsidium "in Abstimmung mit seinen Kreisen und dem Krisenstab beschlossen, mit dem Spielbetrieb in allen Altersklassen vorzeitig in die Winterpause zu gehen", hieß es.

"Wir haben damit aufgrund der explodierenden Zahlen schon gerechnet"

Damit befinden sich auch die Fußballer und Fußballerinnen des SV Grün-Weiß Ahrensfelde im Barnim seit Donnerstag in der verfrühten Winterpause. Für Maik Pruschke, Fußball-Abteilungsleiter bei Ahrensfelde, kam diese Nachricht nicht überraschend. "Wir haben damit aufgrund der explodierenden Zahlen schon gerechnet. Dass die Saison nicht durchgespielt wird, war vielen vorher schon als Vorahnung klar und die Entscheidung vorhersehbar."

Schwierigkeiten durch Saisonverschiebung

Der Fußball-Landesverband plant derweil, den Spielbetrieb im Januar oder Februar wieder zu starten - gegebenenfalls unter 2G-Regelung. Das hält Abteilungsleiter Pruschke "für absurd", wie er sagt. Die 1. Herrenmannschaft in Ahrensfelde spielt in der Landesliga und hofft diese Saison auf den Aufstieg. Für eine bessere Planbarkeit hätte sich Pruschke daher mehr Weitsicht von den Verantwortlichen gewünscht. "Wenn man sportliche Ziele hat, muss man sich ordentlich darauf vorbereiten und drei Mal die Woche Training machen. Das können wir gerade nicht machen. Das heißt, die Saison beginnt nicht im Januar oder Februar, sondern erst im März, sodass keiner mehr Spiele absagen muss. Aber so ist das kein Arbeiten."

Doch wichtiger als die Spiele sei das Training. Das gelte gerade im Jugendbereich, sagt Ahrensfeldes Vereinsmanager Dennis Vieweg. Trainiert werden darf aktuell draußen sowie drinnen unter der 2G-Regelung. "Klar ärgert man sich, dass die Spiele abgesagt wurden, deswegen, weil die Saison fortgeschritten ist und man sich schon Ziele gesteckt hat. Aber das Training ist einfach wichtig, weil der soziale, psychischen und der gesundheitliche Aspekt einfach eine große Rolle spielt."

Sport im Freien verboten, in der Halle erlaubt

Doch während der Fußball-Landesverband Spiele im Freien eingestellt hat, sind viele Hallensportarten noch mitten in der Saison. Im Volleyball sind Spiele unter der 2G-Regelung weiter erlaubt. Beim TSGL Schöneiche sei das kein Problem, sagt Trainer Rene Jerratsch.

Ganze 98 Prozent der Mitglieder seien geimpft oder genesen. Für die Einhaltung der Regeln würden die Trainingsleiter sorgen. Die Entscheidung des Fußball-Landesverbandes kann er deswegen nicht nachvollziehen. "Wenn man alle Regeln einhält und im Zweifel das, mit der 2G-Plus Regeln umgesetzt werden würde, gebe es für mich keinen vordergründigen Grund, das jetzt einzuschränken."

Bei Punktspielen vor Publikum sei es zwar theoretisch möglich, dass trotz 2G Zuschauende und Spieler aufeinandertreffen, doch versuche der Verein genau das zu verhindern. "Neben Kontaktlisten fordern wir unsere Zuschauer nach Ende des Spiels dazu auf, sofort die Halle auch zu verlassen, sodass beide Seiten getrennt sind."

Doch auch Jerratsch liegt vor allem das Training am Herzen. Eine monatelange Pause wie im letzten Jahre wäre für ihn eine mittlere Katastrophe. Gerade für die Kinder und Jugendlichen sei der Sport wichtig. Die Folgen der Pandemie könnten auch künftig noch lange spürbar bleiben. "Wir hinken jetzt schon seit zwei oder drei Jahren im Sport hinterher und merken das auch bei der Ausbildung von Jugendlichen." Zudem sei Sport in allen Formen für die gesundheitliche Abwehr von großer Bedeutung, so Jerratsch.

Sendung: Antenne Brandenburg, 25.11.2021, 16:40 Uhr

Mit Material von Isabel Röder

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