Geflüchtete an Polnisch-belarussischen Grenze - Verein aus Bad Freienwalde übergibt Spenden

Di 02.11.21 | 12:52 Uhr
Hilfverein "Wir packen's an" übergibt Spenden an Geflüchtete an Grenze zwischen Polen und Belarus
Bild: Wir packen's an

Ein Hilfsverein aus Bad Freienwalde hat in Berlin und Brandenburg in einer Sammelaktion Spenden für Geflüchtete an der polnisch-belarussischen Grenze zusammengetragen. Diese wurden am Wochenende von den Mitgliedern vor Ort verteilt.

Der Hilfsverein "Wir packen’s an" aus Bad Freienwalde (Märkisch-Oderland) hat an der polnisch-belarussischen Grenze Hilfsgüter im Wert von 14.000 Euro übergeben. Am Freitag erreichten die Ehrenamtlichen aus Brandenburg in einem bis übers Dach beladenen Transporter die polnische Grenzstadt Białystok. Die Hilfsgüter wurden an lokale Gruppen übergeben, die vor Ort die Geflüchteten versorgen.

Winterschlafsäcke und Thermodecken, aber auch Powerbanks hatten die Ehrenamtlichen aus Bad Freienwalde im Gepäck. "Damit die Geflüchteten mal zu Hause anrufen und sagen können, dass sie noch leben", erzählt Axel Grafmanns, der Vorsitzende des Vereins, am Telefon.

Grafsmanns: Situation an der Grenze ist dramatisch

Allerdings verweigert die polnische Regierung Hilfsorganisationen den Zugang zu den Menschen an der Grenze. Auch Ärzte werden nicht zugelassen, obwohl duzende Flüchtende nach Angaben der polnischen Organisation "Mediziner an der Grenze" medizinische Hilfe benötigen. Demnach habe es bereits mehrere Todesfälle gegeben.

Auch Grafmanns beschreibt die Situation im Grenzgebiet als dramatisch. "Es gibt einerseits eine große Hilfsbereitschaft von der lokalen Bevölkerung. Es gibt tolle Aktivisten und Aktivistinnen, die hier tätig sind, um das Notwendigste zu machen, was eigentlich Aufgabe der europäischen Union wäre." Doch für die Geflüchteten vor Ort sei die Lage katastrophal. "Sie werden völkerrechtswidrig nach Belarus zurückgetrieben, sie werden misshandelt. Da ist alles eine riesige humanitäre Katastrophe, die wir hier vorfinden."

Hilfverein "Wir packen's an" übergibt Spenden an Geflüchtete an Grenze zwischen Polen und BelarusSpenden aus Berlin und Brandenburg sind in Polen angekommen

Grafmanns konnte nach eigenen Angaben einen Teil der Spenden vor Ort an ein Zentrallager von polnischen Hilfsorganisationen übergeben. Den übrigen Teil habe er am Rand der Sperrzone zur belarussischen Grenze direkt verteilt.

Laut Medienberichten haben polnische Grenzschützer Migranten illegal nach Belarus zurückgedrängt. Geflüchtete, die an eine Grenze kommen, sei es auf dem Seeweg oder an einer Landesgrenze, haben laut Internationalem Flüchtlingsrecht ein Recht darauf, Asyl zu beantragen und damit eigentlich das Recht, das Land zu betreten, damit ihr Asylgesuch untersucht werden kann. Axel Grafmanns befürchtet, dass sich die Situation der Geflüchteten nun aufgrund des nahenden Winters weiter verschlechtern könnte. "Wenn er schneit, wird es im Wald tote Kinder geben."

EU unter Druck

Seit Juni lässt Belarus' Machthaber Alexander Lukaschenko Menschen aus dem Irak, Jemen und anderen Ländern nach Minsk einfliegen, um sie dann an die EU-Außengrenze von Polen und Litauen bringen zu lassen. Im September wurden bereits 1.200 dieser Geflüchteten in Brandenburg registriert. Seit Anfang Oktober kommen im Schnitt täglich 100 bis 150 Menschen über die deutsch-polnische Grenze dazu. Viele von ihnen landen im Erstaufnahmezentrum Eisenhüttenstadt (Oder-Spree). Die EU beschuldigt Lukaschenko, in organisierter Form Flüchtlinge aus Krisenregionen an die EU-Außengrenze zu bringen.

Der Verein "Wir packen’s an" ist seit vergangenem Jahr aktiv. Die rund 120 Mitglieder kommen aus Berlin und Brandenburg und haben bisher hauptsächlich Spenden für Geflüchtete auf den griechischen Inseln sowie dem Balkan gesammelt. Aktuell stehe man weiterhin mit polnischen Partnerorganisationen in Kontakt. Ob es weitere Spendenaktionen für Geflüchtete in Polen geben soll, werde derzeit diskutiert.

Sendung: Antenne Brandenburg, 27.10.2021

Nächster Artikel

Bild in groß
Bildunterschrift