Pläne der Ampel-Koalition zum Kohleausstieg bis 2030 - Netzbetreiber hält Ausbau erneuerbarer Energien auf 80 Prozent für realistisch

Do 25.11.21 | 13:40 Uhr
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Windpark mit Windkraftanlagen bei Beeskow
Bild: Tony Schönberg/ rbb

Mit dem am Mittwoch präsentierten Vertrag legt die Ampel-Koalition ambitionierte Ziele im Kampf gegen den Klimawandel vor. So soll der Kohleausstieg mit massivem Energie-Ausbau möglich werden. Ein ostdeutscher Netzbetreiber hält den Ausbau dies für realistisch.

Der Chef des ostdeutschen Stromnetzbetreibers 50Hertz, Stefan Kapferer, hält die Ziele der Ampel-Koalition zum massiven Ausbau Erneuerbarer Energien für erreichbar. Der Verbund aus SPD, Grünen und FDP hat am Mittwoch ihren Koalitionsvertrag vorgelegt. Darin heißt es, dass der Kohleausstieg "idealerweise" bis 2030 erreicht werden soll - und damit bis zu acht Jahre früher als bislang geplant. Das soll über den Ausbau Erneuerbarer Energien und über den Bau moderner Gaskraftwerke gelingen. So sollen 80 Prozent der Energie in Deutschland aus erneuerbaren Quellen gewonnen werden.

Kein Mangel an investitionsbereiten Interessenten

Um die Vorgaben zu erfüllen, müsse sich jedoch einiges tun, so Kapferer gegenüber dem rbb am Donnerstag. "Es hängt davon ab, ob es gelingt, dass, was im Koalitionsvertrag festgelegt ist, nachher auch in der Realität umzusetzen. Dazu gehören Fragen, wie, schneller die Netze auszubauen oder zwei Prozent der Landesfläche für Windenergieanlagen zur Verfügung zu stellen."

Ein Mangel an Interessenten und Institutionen, die bereit wären, zu investieren, gebe es nicht, so Kapferer weiter. Problematisch seien derzeit noch langwierige Genehmigungsverfahren und die geringe Anzahl an Flächen für den erneuerbaren Ausbau. Um das zu ändern, benötige es jetzt den politischen Willen.

Als Puffer für die schwankenden erneuerbaren Energien sieht Kapferer zunächst Gas und perspektivisch auch Wasserstoff.

Energiewende mit "Klima-Check"

Nach Plänen des Koalitionsvertrages soll neben den Plänen zum Energieausbau bis 2030 bundesweit jeder dritte PKW voll elektrisch fahren. Wenig später sollen dann in Deutschland keine Fahrzeuge mit Verbrenner mehr neu zugelassen werden. Außerdem sollen moderne Gaskraftwerke entstehen, "um den im Laufe der nächsten Jahre steigenden Strom- und Energiebedarf zu wettbewerbsfähigen Preisen zu decken", heißt es im Papier. "Dafür werden wir den für im Kohleausstiegsgesetz vorgesehenen Überprüfungsschritt bis spätestens Ende 2022 analog zum Gesetz vornehmen."

"Der Kohleausstieg kann und wird gelingen, wenn man diese Maßnahmen alle zusammenpackt", sagte Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt am Donnerstag im der ARD. Sie nannte etwa einen "Klima-Check" für alles, was die Regierung mache. Jedes Ministerium soll dabei seine Gesetzentwürfe auf die Einhaltung der Klimaziele prüfen.

Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz versorge nach eigenen Angaben rund 18 Millionen Menschen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachse-Anhalt, Thüringen, Berlin und Hamburg mit Strom. Das Unternehmen ist einer von vier deutschen Betreibern von Höchstspannungsnetzen, die die Energie von den Erzeugern und Händlern zu den Käufern und Endkunden transportiert. Bereits jetzt belaufe sich der zu transportierende Anteil an erneuerbaren Energien im Jahresdurchschnitt einen Anteil von über 60 Prozent.

Sendung: Antenne Brandenburg, 25.11.2021, 11:30 Uhr

3 Kommentare

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  1. 3.

    "So sollen 80 Prozent der Energie in Deutschland aus erneuerbaren Quellen gewonnen werden."
    Was ist damit gemeint? Strom oder die Gesamtenergie? Gesamtenergie wäre sehr ambitioniert und meiner Meinung nach unrealistisch.

  2. 1.

    Das hört sich gut an und ich dachte, dass im Zuge der Verhandlungen mit Akteuren und Denkfabriken rückgekoppelt wird, was geht. Sonst wären die Ampel-Pläne auf Sand gebaut. ... Übrigens wegen der fehlenden Flächen: wie sähe es aus, die devastierten Braunkohlehalden vorerst mit PV zuzupflastern? Nicht für ewig, weil dort die Natur wieder zum Zuge kommen soll, aber als Brücke?

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