Literatur - Mae Schwinghammer aus Wien wird Burgschreiber:in in Beeskow

Fr 14.01.22 | 16:35 Uhr
Mae Schwinghammer (Quelle: Michèle Yves Pauty)
Audio: Antenne Brandenburg | 14.1.2022 | Eva Kirchner | Bild: Michèle Pauty

Zum 29. Mal wird in Beeskow jemand das Burgschreiberamt übernehmen. Mae Schwinghammer soll fünf Monate lang auf der Burg leben und literarische Werke schaffen. Am Samstag findet die Antrittslesung statt.

Am kommenden Samstag wird Mae Schwinghammer aus Österreich in das Burgschreiberamt in Beeskow (Oder-Spree) eingeführt. Um 19 Uhr wird eine Antrittslesung auf der Burg stattfindet. Schwinghammer ist damit die 29. Person, die auf der Burg residieren und dort eigene literarische Vorhaben umsetzen wird.

Mae Schwinghammer kommt aus Wien und ist 28 Jahre alt. Schwinghammer studiert in der österreichischen Hauptstadt Sprachkunst und bezeichnet sich selbst als nicht-binären Menschen – also weder männlich noch weiblich. Vorweisen kann Schwinghammer diverse Veröffentlichungen in Zeitschriften und Textsammlungen, dazu noch Theaterstücke und Hörspiele. "Die Liebe zum Schreiben war immer schon da", sagte Schwinghammer dem rbb. "Ein Tag, an dem ich nicht schreibe, ist eigentlich unmöglich."

Schwinghammer bleibt fünf Monate in Beeskow

Seit etwas mehr als einer Woche wohnt Mae Schwinghammer bereits in einer kleinen Wohnung im einstigen Vorsteherhaus auf Burg Beeskow. "Es ist ein schöner Unterschied zur Großstadt, weil alles überschaulich ist und auch beschaulich. Die Marienkirche ist hübsch, die Burg selbst ist hübsch und natürlich die Spree, auf die ich einen Blick habe aus meinem Fenster."

Als Burgschreiber:in wird Schwinghammer und ein Stipendium von monatlich 1.000 Euro bekommen und fünf Monate lang in einer Wohnung auf der Burg Beeskow wohnen. Zeit, um ungestört literarische Werke zu schreiben und sich in der Region einzubringen. Das Burgschreiberamt wird seit 1993 jährlich vergeben. In diesem Jahr hatten sich laut angaben der Burg mehr als 30 Autorinnen und Autoren aller Altersklassen um das Amt beworben.

Archivbild. Die Burg Beeskow im Herbst 2012 (Bild: imago images)

Geschlechtsidentität und Klassenunterschiede als Themen

In den Werken von Schwinghammer spielen Identität, Gender und Gesellschaft immer wieder eine Rolle. Die nicht-binäre Bezeichnung "Burgschreiber:in" spricht Schwinghammer mit einer kurzen Pause dazwischen. "Und als Pronomen verwende ich hen. Das ist aus dem schwedischen entliehen, wird aber auch schon im deutschsprachigen Raum verwendet. Das ist um die Pronomen er und sie nicht nutzen zu müssen", so Schwinghammer.

Doch die Texte von Mae Schwinghammer seien keine reine Genderliteratur und sollen es auch nicht sein: Politische Verhältnisse, alltägliche Banalitäten und auch Klassenunterschiede werden thematisiert. Schwinghammer selbst stammt aus einer Arbeiterfamilie und legte als erstes Familienmitglied die Matura – also das Abitur – ab. "Neben der Geschlechtsidentität ist das einer der Punkte ist, die mich einfach als Person ausmachen und das auch nicht ganz ausgeblendet werden kann, wenn man schreibt oder Literatur oder Kunst macht", sagte Schwinghammer dem rbb.

Literarische Burgminiaturen sind geplant

Im Rahmen der Antrittslesung am Samstag sollen sowohl ältere als auch neue – bereits auf Burg Beeskow entstandene Texte - zu Gehör kommen. Auf der Burg möchte Mae Schwinghammer dann weiter an einem ersten Roman arbeiten. Doch es wird auch Texte über Beeskow geben, sagte Schwinghammer. "Ich werde auch Texte über die Burg schreiben, es wird Burgminiaturen geben. Es gibt das Kursbuch, das von der Burg herausgegeben wird, da kann es auch sein das ein Text von mir erscheinen wird. Also es wird auf jeden Fall etwas von mir zurückbleiben."

Sendung: Antenne Brandenburg, 14.1.2022, 14:30 Uhr

Nächster Artikel

Bild in groß
Bildunterschrift