Interview | Leipa-Geschäftsführer kämpft mit Auftragsrückgang - "Papierproduktion ist ein Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung"

Do 16.06.22 | 15:40 Uhr
Ein Arbeiter beobachtet an einer Papiermaschine in der Papierfabrik des Herstellers Leipa das Papier. (Foto: Christophe Gateau/dpa)
Audio: Antenne Brandenburg | 16.06.2022| Sarah Schiwy, Peter Probst | Bild: Christophe Gateau/dpa

Embargo-bedingt steigen Energie- und Rohstoffkosten. Die Inflation grassiert. Hierunter hat die Wirtschaft wie der Schwedter Papierproduzent Leipa zu leiden. Bislang konnte Leipa-Geschäftsführer Peter Probst die gestiegenen Kosten abfedern.

rbb24: Papierherstellung ist ein sehr energieintensiver Prozess. Wie sehr steht Leipa in der aktuellen Situation wirtschaftlich unter Druck?

Peter Probst: Nachdem wir in den ersten vier Monaten eine Hochphase hatten, da war es noch so, dass die Wirtschaft noch ein Stückweit floriert, ist es seit Ostern so, dass sich die Marktlage deutlich beruhigt hat. Das betrifft nur in Deutschland, sondern das ist auf Europa bezogen, das heißt, dass der Auftragsvorlauf deutlich zurückgegangen ist. Über Ostern und Pfingsten sind wir mit einigen Kapazitäten rausgegangen, weil uns dann auch entsprechende Aufträge gefehlt haben. Also Papierproduktion ist – so glaube ich - ein Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung, dass wir heute aus sehr subjektiver Sicht in einer Rezession sind.

Rezession in Europa, sie haben es ausgeführt. In Sachen Energieversorgung braucht es ein Umdenken, eine Transformation in Lichtgeschwindigkeit. Schwedt muss sich getrieben durch die Auswirkungen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine auf den Weg machen und von russischen Rohstoffen abkoppeln. Ist da etwas versäumt worden?

Nicht nur hervorgerufen durch die Krise müssen wir in Transformationsprozessen denken. Wir brauchen Lösungen als Gesellschaft, als Stadt Schwedt, als Landkreis Uckermark, für den Großraum Berlin und auch für Westpolen. Das gilt auch für das PCK Schwedt. Aber das ist für mich der erste Schritt einer Stabilitätssicherung.

Dass wir darüber hinaus über Veränderungsprozesse in unserem wirtschaftlichen Dasein nachdenken müssen - wie Klimaneutralität, CO2-Fußabdruck und ähnliche Themen, ist klar. Wir hätten aber ehestmöglich in einen technologischen Transformationsprozess eintreten müssen. Ich glaube, es hat die Situation der letzten Monate noch ein Stückweit mehr verdeutlicht.

Der Umstieg von fossilen, klimaschädlichen Rohstoffen und deren Verarbeitung auf klimafreundliche nachhaltige Energie und Folgeprodukte kommt spät, ist aber alternativlos. Oder?

Ja sicher: Aber das kann aber nur als gemeinsamer Prozess gesehen werden und gilt für Schwedt, das PCK und natürlich Leipa. Gleichzeitig sind auch Gesundheitsökonomie, nachhaltige Landwirtschaft, sanfter Tourismus und die vielen Gewerbebetriebe, die wir hier haben, gefragt. Ich glaube, dass wir nur gemeinsam an einem tragfähigen, akzeptierten Gesellschaftsmodell der Zukunft arbeiten können. Und da muss sich jeder - das gilt nicht nur für die Unternehmen, sondern auch für Bürgerinnen und Bürger, die hier leben, einbringen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Mit Peter Probst sprach Riccardo Wittig für Antenne Brandenburg. Dieser Artikel ist eine gekürzte und redigierte Version.

Das Familienunternehmen Leipa erwirtschaftet mit mehr als 1.700 Mitarbeitern ein Geschäftsvolumen von 850 Millionen Euro. Eigenen Angaben zufolge ist Leipa europäischer Marktführer und stellt aus mehr als 1,5 Millionen Tonnen Altpapier neue Papier- und Verpackungs- lösungen her.

Sendung: Antenne Brandenburg, 16.06.2022, 14:10 Uhr

Nächster Artikel

Bild in groß
Bildunterschrift