Medizinische Versorgung - Auch Hautärzte fehlen in Ostbrandenburg

Mo 25.09.23 | 14:29 Uhr
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Eine Untersuchung bei einem hatarzt. (Foto: dpa)
Audio: Antenne Brandenburg | 25.09.2023 | Christian Wehry | Bild: dpa

Einen Spezialistentermin im ländlichen Raum zu bekommen, ist schwierig. Fast unmöglich ist es vor allem, bei einem Hautarzt an die Reihe zu kommen. Dadurch können viele Vorsorgeuntersuchungen nicht durchgeführt werden - das zeigt sich auch in Ostbrandenburg.

In Brandenburg fehlen Fachärzte – besonders Hautärzte. Viele Hautkrebsvorsorge-Untersuchungen können nicht regelmäßig durchgeführt werden. Das Problem ist auch nicht auf Ostbrandenburg beschränkt. "Man kann eigentlich davon sprechen, dass Hautärzte bei uns in ganz Brandenburg und deutschlandweit in der Fläche sowas wie Goldstaub sind", sagte Christian Wehry, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB), dem rbb.

Es gebe immer weniger junge Medizinerinnen und Mediziner, die in die Dermatologie wollten, so Wehry. "Für Brandenburg haben wir das Problem, dass auch immer weniger Hautärzte in Kliniken ihre Facharztausbildung machen können." Es gebe fast im gesamten Land, in allen Landkreisen, in allen Regionen Niederlassungsmöglichkeiten. "Wir würden gerne viel, viel mehr Hautärzte zulassen. Uns fehlen schlichtweg die Bewerber", klagte Wehry.

Schlechte Stimmung in der Ärzteschaft

So scheint es nicht verwunderlich, dass die Versorgung durch Hautärzte nicht mehr überall in Ostbrandenburg gewährleistet werden kann. In Hoppegarten in Märkisch-Oderland beispielsweise hat eine Ärztin zum September ihre Kassenzulassung zurückgegeben und behandelt nur noch Privatpatienten. In Frankfurt (Oder) musste eine neue Hautärztin einen Sicherheitsdienst einschalten, um den Patientenansturm zu regeln.

"Ich arbeite seit rund zehn Jahren für die Ärzte in Brandenburg und ich muss sagen: So schlecht wie jetzt war die Stimmung in der Ärzteschaft noch nie. Und da gibt es ganz, ganz viele Gründe", erklärte Wehry. Die Rahmenbedingungen hätten sich in den vergangenen Jahren zusehens verschlechtert. "Ärzte werden für die Arbeit nicht komplett finanziert, die sie tagtäglich leisten. Gerade auch die wichtige Arbeit, die die medizinischen Fachangestellten, die Schwestern in den Praxen verrichten, werden in den Honoraren, die von den Krankenkassen bezahlt werden, überhaupt nicht abgebildet", so der KVBB-Sprecher weiter.

Finanzielle Hilfen sind nicht alles

Und die Aussichten, dass sich beispielsweise die Versorgung der in der Fläche in Zukunft verbessert, sind alles andere als rosig. So werden ganz Deutschland zu wenige Hautärzte ausgebildet. "Natürlich gibt es viele Konzepte. Beispielsweise setzen wir als Kassenärztliche Vereinigung auch finanzielle Anreize. In verschiedenen Regionen zahlen wir bis zu 55.000 Euro Zuschuss, wenn sich dort ein Hautarzt findet, der sich niederlässt oder eine Praxis übernimmt", sagte Wehry.

Leider sei Geld aber nicht alles. "Da müssen auch die Rahmenbedingungen stimmen. Dann müssen auch Fragen beantwortet werden, wie, ob die Partnerinnen oder Partner der Mediziner Jobs finden, ob die Kinderbetreuung funktioniert. Aber grundsätzlich gesprochen, gibt es schlichtweg zu wenig Hautärzte auf dem Markt", klagte Wehry.

Viele Ärzte wechseln demnächst in den Ruhestand

Und die Lage wird sich Fachgebiet übergreifend sogar noch verschärfen. Bereits heute liegt die Zahl der Einwohner je Vertragsarzt in der Mark bei 726 und damit um 5,8 Prozent über dem Bundesdurchschnitt von 686 Einwohnern, wie das Potsdamer Gesundheitsministerium im Juni mitteilte.

Bereits jetzt sind auffallend viele Ärzte im Rentenalter berufstätig. Bei den Hausärzten waren es Ende 2022 den Angaben des Ministeriums zufolge gut 14 Prozent, bei Augenärzten, Urologen und Gynäkologen 11 Prozent und bei Neurologen sogar knapp 25 Prozent.

Laut Kassenärztlicher Vereinigung Brandenburg (KVBB) liegt das Durchschnittsalter der meisten Fachrichtungen niedergelassener Ärzte deutlich über 50 Jahren. Nur die Kinder- und Jugend-Psychotherapeuten liegen im Schnitt mit 49,3 Jahren knapp darunter.

Bei der Vertragsarztdichte schneiden nur Rheinland-Pfalz mit 731 und Baden-Württemberg mit 735 Einwohner je Arzt noch schlechter ab als Brandenburg. Wegen der Überalterung der Hausärzte gelten in der Mark bereits heute mehr als 20 Städte als bedrohlich unterversorgt.

Sendung: Antenne Brandenburg, 25.09.2023, 13:30 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Naja. Wäre ich Hautarzt wäre Brandenburg der letzte Ort an dem ich mich niederlassen würde. In einem anderen Bericht hier heute über eine Familie aus dem Münsterland die sich hier niedergelassen hat wurde diese auch nur mit Häme überzogen. Willkommen ist man in Brandenburg nicht. Dazu fehlende Kitaplätze, absolut schlechte Schulen - alls in der Umgebung überhaupt vorhanden und wie gesagt pöbelnde Einheimische- wer braucht als hochqualifizierte Fachkraft den so etwas?

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