Blick auf das Stadtzentrum mit der Marienkirche (r), dem Rathaus (M) sowie der Stadtbrücke über den Grenzfluss Oder ins polnische Slubice (Hintergrund) (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Audio: Inforadio | 05.08.2019 | Michael Lietz | Bild: dpa/Patrick Pleul

Gemeinsame Bewerbung geplant - Frankfurt und Slubice wollen Kulturhauptstadt 2029 werden

Die beiden Oder-Städte Frankfurt und Slubice wollen gemeinsam Kulturhauptstadt Europas werden. Vier Jahre haben die Städte nun Zeit, ein Konzept zu erarbeiten. Brandenburgs Ministerpräsident Woidke sagte bereits Unterstützung des Landes zu.

Frankfurt (Oder) und die polnische Stadt Slubice wollen gemeinsam Kulturhauptstadt Europas werden. Die beiden Städte seien Leuchttürme, deshalb sei es sinnvoll sich zu bewerben, sagte Oberbürgermeister René Wilke (Linke) am Rande eines Treffens mit Bundesaußenminister Heiko Maas und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (beide SPD) am Montag.

Man erhoffe sich Unterstützung von Bund und Land, so Wilke. Maas und Woidke signalisierten Bereitschaft für das Projekt Kulturhauptstadt im Jahr 2029. Vier Jahre haben Frankfurt (Oder) und die polnische Stadt Slubice Zeit, ein Konzept für die Kulturstadt Europas zu erstellen. Dieses Jahr teilen sich die Städte Plovdiv in Bulgarien und Matera in Italien den Titel.

Heiko Maas (l-r, SPD), Außenminister, Dietmar Woidke (SPD), Brandenburgs Ministerpräsident, Mariusz Olejniczak, Bürgermeister von Slubice und René Wilke (Die Linke), Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt (Oder), gehen am 05.08.2019 über die Stadtbrücke (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Unterwegs auf der Stadtbrücke: Außenminister Heiko Maas (l-r, SPD) und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) waren am Montag zu Besuch in Frankfurt (Oder) und Slubice | Bild: dpa/Patrick Pleul

Maas: Ein ermutigendes Stück Europa

Bundesaußenminister Maas hat die Doppelstadt Frankfurt (Oder)/Slubice als ein Stück Europa bezeichnet, das außerordentlich ermutigend sei. Bei einem Besuch am Karl-Liebknecht-Gymnasium in Frankfurt (Oder) sagte Maas vor deutschen und polnischen Schülern, auf seinen Reisen versuche er immer Beispiele für ein zusammenwachsendes Europa zu finden. Das sei gar nicht so einfach. "Aber hier ist es einfach", sagte er mit Blick auf die Städte auf beiden Seiten der Oder. Das finde er großartig. An dem Gymnasium werden seit 1992 deutsche und polnische Schülerinnen und Schüler von der 10. Stufe an in gemeinsamen Klassen und Kursen unterrichtet.

"Wichtige Motoren für das Zusammenwachsen Europas"

Zuvor hatten Maas und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) in Slubice Gespräche mit den Stadtoberhäuptern beider Städte, Oberbürgermeister Wilke und Bürgermeister Mariusz Olejniczak, geführt. Woidke bezeichnete die Doppelstädte an der deutsch-polnischen Grenze als wichtige Motoren für das Zusammenwachsen Europas.

Von 2020 bis 2030 sind in Frankfurt (Oder) und Slubice den Angaben zufolge weitere Vorhaben unter anderem zur nachhaltigen grenzüberschreitenden Stadtentwicklung geplant. Woidke ist auch Polen-Beauftragter der Bundesregierung.

Europäische Kulturhauptstädte

Die Kulturhauptstädte Europas werden jährlich seit 1985 von der Europäischen Union benannt. Bei der Vergabe spielen sechs Hauptkriterien eine Rolle: Langzeitstrategie, europäische Dimension, kulturelle und künstlerische Inhalte, Umsetzungsfähigkeit, Einbindung der Gesellschaft und Verwaltung.

In diesem Jahr teilen sich Plovdiv (Bulgarien) und Matera (Italien) den Titel.

Ausblick:

• 2020: Rijeka (Kroatien) und Galway (Irland)

• 2021: Timișoara (Rumänien), Elefsina (Griechenland) und Novi Sad (Serbien, Kandidatenland)

• 2022: Kaunas (Litauen) und Esch (Luxemburg)

Deutsche Kulturhauptstädte waren bisher: West-Berlin (1988), Weimar (1999) und Essen zusammen mit dem Ruhrgebiet (2010). Seit 2001 teilen sich meist zwei Städte den Titel, was seit 2007 zur Regel wurde.

Deutschland kann für 2025 zum nächsten Mal eine Stadt nominieren. Um den Titel bewerben sich Nürnberg, Zittau, Chemnitz, Dresden, Magdeburg, Gera, Hannover und Hildesheim. Wer den Zuschlag erhält, wird im nächsten jahr entschieden.

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3 Kommentare

  1. 3.

    Eine grandiose Idee, die hervorragend belegen würde, dass eine aus einem Kern gewachsene Stadt unteilbar ist. Gleich, wer nationalstaatlich die Ansprüche über Teile von ihr erhebt. Das war in Berlin so gekommen, in Jerusalem wird dieser Gedanke aus deutscher Sicht beibehalten und so war es auch mit der seinerzeit leider icht zum Zuge gekommenen Bewerbung von Görlitz und Zgorzelec.

    Ich trage die Hoffnung in mir, dass die seinerzeit recht kleinkrämerische und vorurteilsbeladene Sicht der Mehrheit der Frankfurter bald der Vergangenheit angehört, als es um das gemeinsame Straßenbahnprojekt ging. Ortschaften, die per Asphalt miteinander verbunden sind, gibt es überall. Auch im "hinterletzten Dorf", Verzeihung für diese Bemerkung. Eine Stadt, die sichtbar im Straßenraum per Schiene und Oberleitung verbunden ist, wird schon eher als Ganzes wahrgenommen.

    Viel Glück. Ich drück die Daumen!

  2. 2.

    Mir fehlt eine Aussage der polnischen Regierung. Die Idee ist gut, nur müsste man die vor der Öffentlichkeit informieren. Wenn es dafür genügend Geld von der EU gibt, wird die aber bestimmt dafür sein.

  3. 1.

    Das nenne ich mal eine gute Idee. Bitte unbedingt weiterverfolgen und nicht von den Was-das-wieder-kostet-Rufern beirren lassen.

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