Die Regenbogenfahne weht am Christopher Street Day (CSD) vor der Siegessäule in Berlin. Quelle: dpa/Wolfgang Kumm
Antenne Brandenburg | 26.07.2019 16:40 Uhr | Interview mit Alexander Lehmann | Bild: dpa/Wolfgang Kumm

Interview | Homosexualität auf dem Land - "Der CSD ist nicht nur Berlin, sondern auch Brandenburg"

Alexander Lehmann musste Seelow verlassen, weil er wegen seiner sexuellen Identität online gemobbt wurde. Am Freitag beim CSD schmückt er den Wagen der brandenburgischen Gay Community. Im Interview spricht über sein politisches Engagement auf dem Land.

rbb: Herr Lehmann, Sie wurden Opfer von Cybermobbing wegen Ihrer Homosexualität. Die Polizei hat vor drei Jahren in Ihrem Fall ermittelt. Ist ein Täter gefunden worden?

Alexander Lehmann: Ein Täter wurde gefunden. Wer das genau ist, kann niemand sagen. Das ist auch gut so. Persönlich habe ich von dem Fall in den vergangenen Jahren nichts mehr gehört. Da kam keinerlei Rückmeldung. Es gab auch keine Gerichtsverhandlung oder Vernehmung meiner Person.

Sie leben jetzt in Frankfurt. Auch Ihre Familie war von den Attacken betroffen. Wer hat Ihnen damals geholfen?

Das war tatsächlich vor allem die Familie, die hinter mir stand. Klar gab es auch durch meine Tätigkeit in der Gesellschaft Fürsprache, aber zuerst war die Familie.

Im Mai haben Sie an der Seite des Landrates von Märkisch-Oderland die Regenbogenflagge vor dem Landratsamt gehisst. Was muss passieren, damit Menschen mit queerer Lebensweise auf dem Land wie alle, nämlich frei von  Mobbing, leben können?

Da muss eine ganze Menge passieren. Wir haben uns in den letzten Jahren ganz klar verändert. Wir sind viele Schritte weitergegangen, nur fehlen ganz klar die Strukturen im ländlichen Gebiet. Wenn ich nur mal an meine Heimat, das Oderland, denke - da gibt es keine Anlaufstellen, die man aufsuchen kann, wenn man als junger Mensch im Coming-Out steckt. Oder das ganze Thema wird einfach totgeschwiegen. Die älteren Leute sind teilweise sehr tolerant, aber es gibt nach wie vor einige, die daran festhalten, dass das unnormal ist. Und da muss man Aufklärung betreiben.

Sie sind politisch sehr aktiv, am Samstag ist Christopher Street Day in Berlin. Die Teilnehmer demonstrieren für ihre Rechte, gegen Ausgrenzung und Diskriminierung. Was für ein besonderes Anliegen haben Sie als Brandenburger Teilnehmer?

Ich persönlich möchte zeigen, dass der CSD eben nicht nur Berlin ist, sondern auch Brandenburg. Berlin liegt mitten in Brandenburg. Es sind viele Brandenburger da und Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet. Das ist eine der größten CSD-Paraden in Deutschland. Ich will zeigen, dass das nicht nur auf Berlin bezogen ist, sondern da ist eben auch der ländliche Raum, den wir nicht vergessen dürfen, wo die Uhren noch ein bisschen anders laufen.

Am Freitag wird der Paradewagen für Samstag geschmückt. Dekorieren Sie einen Brandenburger Wagen für die Berliner Parade?

Unser Wagen ist jetzt nicht der Brandenburg-Wagen an sich. Das ist ein Berliner Verein, mit dem wir das machen. Heute schmücken wir mit zehn bis zwölf Menschen unseren Wagen. Aus Brandenburg beteiligen sich fünf oder sechs Leute. Wir fahren gemeinsam hin und machen mit.

Sie haben auch wieder Spaß am Feiern und wollen Aufmerksamkeit erregen. Was ist Ihr ganz persönliches Credo für den CSD in Berlin?

Der CSD steht dieses Jahr schon unter einem besonderen Motto. Vor 50 Jahren war in New York der Stonewall-Aufstand. Daher das Motto: Jeder Aufstand beginnt mit deiner Stimme. Und dieses Motto kann ich für mich persönlich auch mitnehmen. Natürlich muss auch gefeiert werden. Wir zeigen mit dem CSD, dass man Spaß am Leben haben kann und sollte. Das ist einfach wunderbar und ich finde das sehr schön.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Bärbel Lampe, rbb Studio Frankfurt

Sendung: Antenne Brandenburg | 26.07.2019 | 16:40 Uhr

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8 Kommentare

  1. 8.

    Ihnen ist doch sicherlich auch klar, das manche hier vieles von sich geben, was nicht immer der Wahrheit entspricht. Der CSD ist zuersteinmal eine „politische Demonstration“. Das ist Fakt. Das können Sie als Nichtbetroffene gar nicht verstehen. All Ihre Kommentare hierzu sprechen ein ganz anderes Bild. Sie und andere hier tun es ab als kein Karnevals oder Loveparade Umzug. Zu dieser Veranstaltung verkleiden sich viele Schwule sehr gerne im „Fummel“ wie wir es nennen oder gar im „Fetischoutfit“.Und das kommt bei vielen Zuschauern eben gut an. Da werden Selfis gemacht und es wird gestaunt über diese Vielfalt. Das ist aber nur die eine Seite bei dieser Demonstration. Der Ernst, der dahintersteht wird leider von vielen, auch hier im Forum, gar nicht erst erkannt und wahrgenommen.

  2. 7.

    Musikalisch war der CSD in Berlin noch vor 10 Jahren besser. Es wurden von den Trucks viel mehr guter Techno gespielt und erinnerte somit an die Loveparade. Heute erinnert es mehr an Karneval oder Kirmisparty mit Dischingiskan Moskau und so. Anspruchsvoll sieht anders aus. Grüße an die DJs.

  3. 6.

    Der CSD ist nicht Berlin. Sondern nur aus einer Ex-Demo eine Veranstaltung. Und die Mehrheit wurde nicht einmal gefragt.

  4. 4.

    Die Selbstgerechtigkeit mancher Leute ist kaum zu übertreffen. Ich finde es sehr schön, wenn kein Mann einen Heiligenschein hat, weil er eine Frau sein eigen nennt und keine Frau mehr die Größte ist, weil sie einen Mann hat und keine "Sitzengebliebene" ist. Was erwarten Sie denn für Ihre Ehe? Ein Bundesverdienstkreuz?

  5. 3.

    Herr Lehmann ist leider nur eins der vielen Symptome für die Gefährdung unserer demokratischen Grundordnung und auch Verlust der Achtung gegenüber allen Menschen, egal wie sie leben oder woher sie kommen, die in unserem Grundgesetz freiheitliche Rechte sind. Die Verletzungen dieser Rechte kommen aus allen politischen Ecken. Ein zunehmende Verlust der Dialogbefähigung gefährdet die politischen und vor allem wirtschaftlichen Grundlagen unseres Landes. Ja und die CSD Umzüge in Berlin und anderen Großstädten erzeugen im mehrheitlich kleinstädtisch und ländlich geprägten Deutschland mehr Vorurteile als Toleranz. Ich lebe mit meinem Mann seit 20 Jahren in eben diesem Teil Deutschlands und muss jedes mal nach einer TV-Übertragung immer korrigieren, dass CSD nur ein Mix aus Love-Parade, Fasching und Lebensfreude ist. Der CSD Umzug in Berlin ist keine politische Demo! Schwule laufen im Alltag nicht in Strings, rosa Tüll, Sado-Maso, grell geschminkt und sich gegenseitig ableckend rum!

  6. 2.

    Eigentlich wollte ich auf solch einen verschwurbelten Kommentar nicht antworten, Aber schon die Ansage“ Die sollen mal Ihren ( Ihren statt Ihre) Karnevalsveranstaltung in Berlin machen“, spricht Bände über ihre Wut und Einstellung Schwulen und Lesben gegenüber. Als ob sich irgendein Schwuler oder Lesbe ausgerechnet am Nollendorfplatz genötigt sieht, Sie oder Ihre Frau wegen Ihrer Heterosexuallität verbal anzumachen. Geht’s auch ne Nr. kleiner?

  7. 1.

    Die Überschrift stimmt überhaupt nicht. Die sollen mal ihren Karnevalsveranstaltung in Berlin machen .
    Tolleranz wird genug entgegengebracht aber irgendwie sollte es auch mal gut sein lassen.
    Bei uns laufen die Uhren schon noch normal. Herr Lehmann sollte mal darüber nachdenken warum so vieles schief läuft.
    Ganz einfach , es kann ja wohl nicht sein das man sich den anforderungen zu mehr Tolleranz unterwerfen muss. Ich bin normal seit 45 Jahren mit meiner Frau verheirazez das traut man sich ja Nollendorfplatz garnicht zu sagen.

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