Der Dirketor des Zoos im brandenburgischen Eberswalde (Barnim), Bernd Hensch, zeigt zwei kleine Sibirische Tigerbabys. Quelle: dpa/Patrick Pleul
Audio: Antenne Brandenburg | 10.08.2019 | Bernd Hensch im Gespräch mit Dorett Kirmse | Bild: dpa/Patrick Pleul

90 Jahre Zoo Eberswalde - "Ich bin hier das älteste Lebewesen"

Seit 90 Jahren ist der Zoo in Eberswalde nicht nur ein Aushängeschild der Waldstadt, sondern auch ein Tourismusmagnet. Zum Geburtstag spricht Direktor Bernd Hensch im rbb-Interview über die Zukunft des Zoos - und die große Jubiläumsfeier am Samstag.

Die Party zum 90-jährigen Bestehen steigt offiziell am Samstag, den 10. August mit einem Feuerwerk, das es so noch nicht im Eberswalder Zoo  gegeben hat, verspricht Zoodirektor Bernd Hensch. Von 13 bis 21 Uhr bietet der Zoo ein Programm auf mehreren Bühnen - im Zoo gibt es am Samstag aber noch mehr zu erleben.

rbb|24: Herr Hensch, wer bekommt am Samstag die Geburtstagstorte, Sie oder die Tiere?

Bernd Hensch: (lacht) Also wir schneiden pünktlich um 15 Uhr die Geburtstagstorte an und die ist für alle Bürger. Wir haben dort eine alte Dame, die ist im neunzigsten Jahr, Frau Dietrich, die uns auch wieder einen größeren Geldbetrag spendet. Sie darf gemeinsam mit der Entertainerin Dagmar Frederic und unserem Landrat diese Torte anschneiden und jeder der möchte bekommt natürlich ein Stück von dieser riesigen Torte ab.
 

Sie haben die Entertainerin Dagmar Frederic nicht ohne Grund erwähnt, richtig?

Ich sitze hier gerade in meinem Büro und hier in diesem Haus, das 1957 gebaut wurde, ist Dagmar Frederic aufgewachsen. Also hier in meinem Büro war damals ihr Wohnzimmer und ihr Vater, Günther Schulz war mein Vorgänger und der Gründer des damaligen Wildparks Eberswalde war ihr Opa Bruno Schulz.

vier Menschen, zwei von ihnen halten einen Serval auf dem Arm
| Bild: Nancy Kersten (Presse Eberswalde)

Sie selbst sind ja schon lange im Zoo Eberswalde, wenn Sie zurückblicken, wie hat sich der Zoo verändert in den 90 Jahren?

Ich kann auf 39 Jahre zurückblicken (lacht), fast die Hälfte der 90 Jahre. Also der Bruno Schulz hatte mal eine Gaststätte gepachtet, hier im Jahr 1929, hatte Interesse an Tieren, war also ein Tierliebhaber, ein Tiernarr und hatte sich einige Tiere angeschafft, tja und damit war der Startschuss für so einen kleinen Tierpark gegeben und der entwickelte sich dann immer weiter an diesem Standort

Dann kam leider der Krieg und im Jahr 1945 ist von fliehenden Waffen-SS-Verbänden dieser schöne Tierpark inklusive dieser tollen großen Ausflugsgaststätte in Brand geschossen worden, brannte komplett ab und 1957 begannen dann über NAW, das nationale Aufbauwerk, die Bürger von Eberswalde ihren kleinen Tierpark, Heimattierpark und jetzt Zoo aufzubauen und dann hat er sich stetig weiterentwickelt. Und heute zählt er, denke ich mal, zu einer der bekanntesten europäischen großen Zoos und Tierparks.

Unweit von Eberswalde, in Berlin, gibt es ja auch Zoo und Tierpark, wie unterscheiden Sie sich von denen?

Also wir haben den wunderschönen Zoo Berlin in der Nähe, der ist 175 Jahre alt und unseren herrlichen Tierpark, in dem ich als Kind also dutzende Male war, und jeder hat seinen anderen Charakter, wir natürlich auch: Wir liegen hier mitten im Naturschutzgebiet Nonnenfließ-Schwärzetal und wir haben keine Elefanten oder Menschenaffen, aber ich versuche Wert auf kleine Sachen zu legen, darauf, dass man die Natur integriert, dass man die Natur nutzt: Hier leben Affenarten völlig frei in den Bäumen, man kann zu den Kängurus rein, man kann zum Damwild rein, wir haben die größte Tigeranlage Europas, einen wunderschön gestalteten Park mit neun schönen Spielplätzen, die sind alle in den herrlichen Park integriert, mit Naturstein und Holz. Also wir versuchen unseren eigenen Weg zu gehen und uns natürlich von den wunderschönen Zoos in Berlin zu unterscheiden.

Eingang des Tierparks Eberswalde (Quelle: imago)

Wo sind Sie in Ihrem Zoo am liebsten? Was ist Ihr Lieblingstier?

(lacht) Ich habe also hier im Zoo kein spektakuläres Lieblingstier, ich habe meinen grauen Ganter Hugo, der wurde vor vielen Jahren von einer Familie gebracht, die wollten den Weihnachten schlachten, also war richtig so eine Weihnachtsgansgeschichte und den konnten wir retten.
Ich habe der Familie damals versprochen ihren Hugo zu erhalten und immer wenn ich durch den Zoo gehe und sage "Guten Morgen Hugo", dann grüßt er ganz freundlich, nur im Frühjahr, wenn er seine tollen Mädels um sich gescharrt hat dann ist er gnatzig, dann will er mir ab und zu Mal in die Hose beißen.
Ja, also ein ganz unspektakulärer Haus Ganter Hugo ist mein bester Freund im Tierpark.

Hätte der nicht auch zum Wahrzeichen des Eberswalde Zoos werden können?

Ja, der hätte auch zum Wahrzeichen werden können, aber ich meine interessanter und wichtiger muss ich sagen, ist aber unser Wahrzeichen, der sibirische Tiger. Stellen Sie sich mal vor, vor rund 80 Jahren gab es noch 100.000 Tiger und wir als Menschen haben es geschafft in nur 80 Jahren 97 Prozent dieser herrlichen Tiere auszurotten.
Und darum hat dieser Tiger natürlich einen besonders hohen Schutzstatus und ich möchte also mit diesem Symbol-Tier des Artenschutzes also auch dazu aufrufen die Natur, die Landschaft und uns natürlich auch zu schützen. Das ist, denke ich mal, wichtiger als Ganter Hugo.

Stichwort Artenschutz, Sie haben den sibirischen Tiger erwähnt, gibt es noch andere Tierarten, wo der Zoo Eberswalde mitgeholfen hat ooder mithilft, die Art möglicherweise zu erhalten?

Ja, wir sind in 21 europäischen Artenschutzprogrammen integriert, dazu gehören also unter anderem noch die Schopfgibbons, die sehr selten sind oder die Humboldtpinguine, Chinaleoparden, Servale, also viele Arten, die vom Aussterben bedroht sind und schlimm ist, dass die Liste dieser Tiere immer länger wird, ohne das wird uns neue Tiere anschaffen.
Also, wie Einstein gesagt hat, muss ich wirklich mal wiederholen, "Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat sich selbst zu beherrschen", und das wird immer schlimmer und vor allen Dingen, wir haben es in meinem Alter nicht geschafft die Tierarten zu schützen und darum ist für uns besonders die Zooschule wichtig mit unseren festangestellten Leuten.

Wir haben also täglich Themen, die sich mit diesem Aussterben, mit diesen Problemen der Natur beschäftigen, die Probleme, die wir als größtes Raubtier der Natur bereiten; und damit hat sich also auch die Aufgabe eines Zoos, auch unseres Zoos, komplett gewandelt. Wir müssen heute auf Probleme hinweisen, wir müssen den Finger in die Wunde legen und müssen die Leute raufrütteln.

Das "Erlebnis Zoo" ist heute also eine ganz anderes als vor 50 oder 90 Jahren?

Richtig, das Erlebnis Zoo ist heute komplett anders. Vor 50 Jahren war es noch Ruhe und Entspannung, die Leute sollten sich erholen, heute natürlich auch. Wir brauchen einen Ort, wo man die Seele baumeln lassen kann, aber heute sind Natur und Artenschutz, Arterhaltung, Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Forschungsstätten besonders wichtig, um die Natur auch weiter zu erhalten.

Wir sind mal als Wildpark gestartet über die Stationen Heimattierpark, Tierpark, Zoo. Vielleicht sind wir in ein paar Jahren ein Naturschutzzentrum. Ich würde mir das wünschen und ich denke die Entwicklung geht auch dahin, weil es nicht viele Einrichtungen gibt, die bereit sind und auch das Potenzial haben, diese wilden Tierarten zu schützen.

Herr Hensch, Sie sind seit 39 Jahren mit dabei. Sind Sie das älteste Lebewesen im Zoo?

(lacht lange) Alos ich muss jetzt wirklich mal überlegen. Ich bin schon oft gefargt worden, welches das älteste Tier ist, aber (lacht) wenn man vom Lebewesen im Zoo Eberswalde ausgeht, haben Sie tatsächlich recht, dann bin ich mit 39 Jahren Dienstzeit im Zoo das Älteste. Die Bäume sind mit Sicherheit älter, aber von der Fauna bin ich wohl der mit den längsten Jahren im Zoo Eberswalde hintereinander. Also das hätte ich gar nicht gedacht, dass so etwas möglich ist, danach hat mich auch noch nie einer gefragt, aber Sie mögen Recht haben.  

Wie sieht die Zukunft des Zoo Eberswalde aus, gibt es konkrete Pläne?

Wir sind gerade dabei und bauen über eine Förderung der Pommerania, also mit Polen zusammen, einen Eiszeiterlebnispfad, auch über die Wölfe, über die Bären mit tollen Spielpunkten, zum Beispiel mit einer Erdkugel zum Klettern und mit Informationen zu Natur und Artenschutz. Wir bauen einen Indoorspielplatz mit mehrere Ebenen im obereren Bereich der Gaststätte, der wird komplett verglast, nach Außen hin gibt es eine Rutsche, so dass Kinder sich im Zoo bewegen können, nicht nur die Tiere anschauen, sondern auch immer wieder Dampf ablassen können, nicht nur auf den bereits neun existierenden Spielplätzen. Da Urwaldhaus wird gerade saniert und allen Beteiligten im Zoo und auch mir macht die Arbeit immer noch viel Spaß.  

Das Gespräch mit Bernd Hensch führte Dorett Kirmse für Antenne Brandenburg

Sendung: Antenne Brandenburg, 09.08.2019, 15:10 Uhr

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8 Kommentare

  1. 8.

    Es geht um den Geburtstag des Zoos und nicht um Tierschutz und Haltung.Lesen Sie den Artikel.....Zu einem anderen Thema wären Ihre Äußerungen vielleicht angebracht.

  2. 5.

    Große Worte vom Artensterben überall auf den Wegen und in der Restauration Plaste-Einweg-Geschirr und Junk-Food. Nein danke. Früher gern. Heute nicht mehr.

  3. 3.

    Liebes rbb24-Team, ich wünsche mir mehr kritische Distanz zum Thema Zoo.
    "Artenschutz" ist ein gerne vorgeschobenes Argument zur Legitimierung von Zoo.
    Fakt ist: Diese Tiere kann man so wie so kaum auswildern, damit sind sie für die Populationen wertlos.
    Zootiere bleiben immer Zootiere. Bitte schaut Euch die zahlreichen Verhaltensstörungen an oder das
    tierschutzwidrige Kupieren der Flügel. Dieser Artikel liest sich wie so ein gesponsorter Werbeartikel
    in der "Berliner Woche."

  4. 2.

    Ein wunderbarer kleiner Zoo, ich bin schon mehrmals extra von Berlin aus hingefahren und es hat sich jedesmal gelohnt!

  5. 1.

    Auch hier gilt mein Dank dem rbb24 für dieses interessante Interview zum Geburtstag des Zoos von Eberswalde. Es lohnt sich immer wieder diesem Zoo einen Besuch abzustatten.

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