Gedenktafel in Eberswalde für Amadeu Antonio "Opfer der rassistischen Gewalt"
Video: Brandenburg Aktuell | 25.11.2019 | Maximilian Horn | Bild: rbb

Eberswalde - Tödlicher Angriff auf Amadeu Antonio jährt sich zum 29. Mal

29 Jahre ist es her, dass Amadeu Antonio von Neonazis in Eberswalde verprügelt wurde und kurz darauf starb. Die Tat beschäftigt die Stadt bis heute. Im vergangenen Jahr wurde eine Studentin rassistisch bedroht, aber inzwischen regt sich auch die Zivilgesellschaft.

Es ist nicht einfach herauszubekommen, wie es dieser Tage um Rassismus in Eberwalde steht. Laut der Polizeiinspektion Barnim werden Zahlen dazu nicht extra erfasst. Aber Bürgermeister Friedhelm Boginski sagt: "Ich denke, dass sich die Polarisierung in Eberswalde gerade in den letzten Jahren verstärkt hat." Dafür spricht auch ein düsterer Vorfall aus dem vergangenen Jahr.

Staatsschutz ermittelt in mutmaßlich rassistischem Vorfall

Im August 2018 kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen Ellen, einer aus Brasilien stammenden Studentin der Hochschule für nachhaltige Entwicklung, und einem Autofahrer. Der Mann stieß die Brasilianerin, die ihren Nachnamen nicht veröffentlichen möchte, auf eine befahrene Straße. "Der hat geschrien, dass wir alle wegsollen aus Deutschland und dass es ok wäre, wenn wir sonst nicht weiterleben", erzählt Ellen in gebrochenem Deutsch. "Und er hat gesagt, dass er sich mein Gesicht merkt und dass man sich in Eberswalde wiedertrifft." Der Staatsschutz ermittelt in dem Fall, hat den Täter aber bisher nicht gefasst.

Zivilgesellschaftliches Engagement

Aber gleichzeitig engagieren sich in den vergangenen Jahren immer mehr Bürgerinnen und Bürger gegen Rassismus. Ellens Hochschule hat nach der Tat eine Antidiskriminierungsbeauftragte eingesetzt. Auch Bürgermeister Boginski fordert "Netzwerke, die klarmachen, dass Eberswalde eine weltoffene, tolerante Stadt ist". Die Freiwilligenagentur einer lokalen Bürgerstiftung versucht sich daran: Im Cafe der Agentur treffen sich immer Donnerstags Deutsche und Ausländer, für Ratschläge, Hilfe, oder einfach nur zum Quatschen. Dabei soll möglichst Deutsch gesprochen und gelernt werden.

Eine weltoffenere Stadt

Dorothea Martin kommt regelmäßig zu den Treffen im Cafe. "Sicher gibt es unterschwellig in Eberswalde weiterhin Rassismus, aber so offensichtlich wie in den 90er Jahren ist es nicht mehr", sagt Martin, die sich noch an die Neonazis erinnert, die im ersten Nachwendejahrzehnt mit Knüppeln durch die Straßen zogen. "Insgesamt ist die Stadt viel weltoffener geworden, es ist aber auch noch einiges zu tun."

Das Café der Freiwilligenagentur ist im Bürgerbildungszentrum von Eberswalde untergebracht. Auch dessen Name zeigt das antirassistische Engagement der Stadt. Es ist nach dem angolanischen Vertragsarbeiter benannt, der vor 29 Jahren Opfer rassistischer Gewalt wurde: Amadeu Antonio.

Sendung: Antenne Brandenburg, 25.11.2019, 14:40 Uhr

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