Symbolfoto: Ein Neugeborenes in einem Kreißsaal (Quelle: imago images/Westend 61).
Audio: Studio Frankfurt | 15.11.2019 | Uta Schleiermacher | Bild: imago images/Westend 61

Hebammen-Mangel - Eisenhüttenstadt schließt Kreißsaal übers Wochenende

Drastische Maßnahmen am Krankenhaus in Eisenhüttenstadt: weil sie nicht genug Hebammen haben, schließt die Krankenhausleitung den Kreißsaal übers Wochenende. Schwangere müssen dann längere Wege in Kauf nehmen. Von Uta Schleiermacher

Werdende Mütter können am kommenden Wochenende nicht in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) entbinden. Wie die Geschäftsleitung des Städtischen Krankenhauses am Donnerstag mitteilte, wird der Kreißsaal der Klinik von Freitag ab 22 Uhr bis Montag um 6 Uhr geschlossen. Der Grund sei, dass Hebammen fehlen.

Im Schnitt fünf bis sechs Kinder kommen pro Woche im Krankenhaus Eisenhüttenstadt auf die Welt. Tagsüber, nachts, auch am Wochenende. Doch um den Kreißsaal rund um die Uhr besetzt zu halten, dafür fehlten dem Krankenhaus akut gleich mehrere Hebammen, sagt Klinikchef Till Frohne. "Eine Kollegin ist in Elternzeit, von einer haben wir uns im Einvernehmen getrennt, eine dritte Kollegin ist erkrankt", sagt er. "Durch drei Hebammen weniger innerhalb kurzer Zeit sind wir in diese Notlage gekommen."

Hebamme muss bei jeder Geburt dabei sein

Mit weniger als sechs Hebammen könne er allein schon rechtlich die Betreuung nicht mehr sicherstellen, sagt Frohne weiter. Auch Ärzte könnten Hebammen nicht ersetzen. "Die Hebamme muss zwingend bei einer Geburt anwesend sein und sie muss auch zwingend hier in der Klinik sein", so der Klinikchef. Selbst wenn sie nur drei Häuser nebenan wohnen würde, könne das nicht durch eine Rufbereitschaft ersetzt werden. "Wenn für die Kreißenden keine Sicherheit gegeben ist, mache ich auch keine Taschenspielertricks." Dies ginge nur auf Kosten der Frauen.   

Zu wenige Hebammen? Das sei gar nicht das größte Problem, sagt Martina Schulze, Vorsitzende des Hebammenverbands Brandenburg. Vielmehr müssten sich die Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern verbessern. "Ich höre von ganz vielen angestellten Kolleginnen, dass sie Überstunden haben ohne Ende", sagte sie.

"Damit sind sie schnell ausgebrannt und können ihre Arbeit nicht so erledigen, wie sie es eigentlich gern tun wollten." Schulze wünscht sich deshalb ein Hebammenstärkungsgesetz, ähnlich dem Gesetz, mit dem der Bundesgesundheitsminister nun die Pflegekräfte unterstützen will.  

Das Krankenhaus Eisenhüttenstadt hofft kurzfristig, dass sich entweder Hebammen auf Honorar-Basis finden oder andere Krankenhäuser übergangsweise aushelfen. Langfristig hofft die Klinik, vier Hebammen aus Russland nach Eisenhüttenstadt zu holen. Konkret könnte es im März soweit sein. Die Krankenhausleitung will nun von Woche zu Woche entscheiden, ob sie den Kreißsaal auch an weiteren Wochenenden schließen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 15.11.2019, 10 Uhr

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Auf die Frage habe ich doch echt gewartet! Na dann überlegen Sie mal......

  2. 4.

    Das ist doch einfach nur noch traurig. So langsam habe ich das Gefühl, das jeden Tag so ein Stückchen Katze aus dem Sack kommt. Wird Deutschland unregierbar oder sind wir es schon???????

  3. 2.

    Das ist auch in Berlin nicht einfach eine Hebamme zu finden.
    Für alles ist Geld da, aber für wirklich wichtige Dinge scheinbar nicht.

  4. 1.

    Geht nicht, nein, das kann es auch nicht sein!! In GRÜNHEIDE geht es doch auch, angeblich sofort und einer Menge Geld! Lasst die " restlichen " Brandenburger nicht im Stich!!!!!

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