Kohlwanzen vermehren sich in häuslicher Umgebung.
Audio: Antenne Brandenburg | 21.07.2020 | Autorin: Marie Stumpf | Bild: rbb / Marie Stumpf

Kohlwanzen-Plage in Oder-Spree - "Egal, wo man hingeht und wo man sitzt, krabbelt es"

Tausende Wanzen auf Hauswänden, an den Fenstern und in der Wohnung: In Oder-Spree leiden die Anwohner aktuell unter einer Kohlwanzen-Plage. Inzwischen ist das Gesundheitsamt eingeschritten. Von Marie Stumpf

Gottfried Johne und seine Frau Waltraud aus dem Friedländer Ortsteil Weichensdorf (Oder-Spree) fühlten sich in der vergangenen Woche wie in einem Horrorfilm. Tausende Wanzen saßen an den Fenstern, Türen, Wänden und an den Vorhängen.

Seit 50 Jahren lebt das Ehepaar Johne in dem Haus in der Weichensdorfer Dorfstraße. So eine Plage wie jetzt haben sie aber noch nie erlebt. "Für mich war diese Erfahrung richtig gruselig", erzählt Waltraud Johne, "Egal, wo man hingeht und wo man sitzt, krabbelt es!"

Begonnen hatte die "Invasion" - wie Gottfried Johne die Plage nennt - in der vergangenen Woche. Seit das Ehepaar auf eigene Faust Pestizide versprüht hat, ist es etwas besser geworden. Die meisten Wanzen sind tot. Doch manche krabbeln noch immer munter über die Hauswände. Die sechs bis acht Millimeter großen Kohlwanzen kommen von einem Rapsfeld der Agrargenossenschaft Günthersdorf, das direkt gegenüber vom Haus der Johnes liegt. Zwischen Mai und Juli siedeln sich die Wanzen dort an, normalerweise aber nicht in diesen Massen.

Ratlosigkeit in den Behörden

Kai-Uwe Socha vom Landesamt für Landwirtschaft in Frankfurt (Oder) kann lediglich auf den milden Winter als Grund für die hohe Population tippen. Doch wenn es um die Bekämpfung geht, herrscht Ratlosigkeit in den Behörden. Da die Kohlwanzen nicht als Schädlinge gelten, ist das Gesundheitsamt eigentlich nicht zuständig. Da sich aber immer mehr Anwohner beschwerten, schickte das Amt schließlich doch einen Schädlingsbekämpfer für die besonders stark betroffenen Häuser vorbei – auf Kosten des Gesundheitsamtes. Das sei aber eine absolute Ausnahme. Vom Referenten des Landrates, Christian Stauch, heißt es außerdem, man wolle sich nun beraten, wie mit solchen Plagen künftig umgegangen werden könnte.

Boden pflügen ist keine Option

Zusätzlich hat der Leiter der Agrargenossenschaft Günthersdorf, Dennis Radlow, das Rapsfeld gemäht. Der Erfolg ist allerdings nur mäßig, denn die Tierchen sitzen immer noch in Scharen auf den Stängeln. Um sie wirklich zu vertreiben, müsste man den Boden pflügen, sagt Doris Kuntzke vom Pflanzenschutzdienst Waldsieversdorf. Doch das sei wiederrum nicht gut für den Raps, der durch das Pflügen nicht mehr keimen kann. Die Ernte für das nächste Jahr wäre somit verloren.

Gefährlich sind die Kohlwanzen nicht. An manchen Gemüsesorten wie beispielsweise Kohl können sie aber massive Schäden verursachen. Sie saugen sich an den Stängeln fest, die dann verwelken. Laut Landesamt für Ländliche Entwicklung in Frankfurt (Oder) werden die Tiere aber spätestens im August in ihr Winterquartier fliegen. Gottfried und Waldtraud Johne hoffen nun, dass die Wanzen in ihrem Garten keine Eier gelegt haben. "Denn dann haben wir die zweite Welle", befürchtet Gottfried.

Sendung: Antenne Brandenburg, 21.07.2020,16:30

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1 Kommentar

  1. 1.

    Wenn auf dem Acker in diesem Jahr Raps steht, welcher grad geerntet wird, wieso hat die Agragenossenschaft Angst um die Ernte im nächsten Jahr? Raps ist einjährig und wird nichtzweimal hintereinander angebaut.... irgendwas haut da nicht hin mit der Information.

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