Zweiflügler aus der Unterordnung der Mücken. (Quelle: imago images/Stephen Dalton)
Audio: Antenne Brandenburg | 17.07.2020 | Doreen Werner | Bild: imago images/Stephen Dalton

Wochenlange Plage erwartet - Stechmücken piesacken Menschen in der Oderregion

Menschen an der Oder leiden unter einer lange nicht erlebten Mückenplage. Und diese wird einer Forscherin zufolge auch noch einige Wochen bestehen. Der Insektenforschung bietet die Situation allerdings reichlich Material. Von Fred Pilarski

In der odernahen Landschaft südlich von Frankfurt wimmelt es von Stechmücken. In den vergangenen Tagen zog eine Hochwasserwelle den Fluss herunter. Zurück blieben feuchte Auwälder und Wiesen – ein ideales Mückenbrutgebiet. Für die Insektenforscherin Doreen Werner vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung Müncheberg (ZALF) in Märkisch-Oderland ist das gerade die richtige Gegend, um an diesem Wochenende ihre Fallen aufzustellen. "Wir wollen herausfinden, welche Mücken bei welchem Pegelstand zu erwarten sind, welche Anflugintensität herrscht", sagt sie.

Vor allem für die Frankfurter wären solche Informationen interessant. Die Stadtbewohner leiden gerade besonders unter der Mückenplage.

Mücken leben vier bis sechs Wochen

Wie die Wissenschaftlerin berichtet, siedeln sich spezielle Überflutungsarten an, die ihre Eier in diesen Bereichen ablegen und dort auch ohne weiteres mehrere trockene Jahre überleben können. Nun ist das Hochwasser allerdings schon seit einer Weile auf dem Rückzug, die ersten Auwiesen sind wieder trocken. Dort finden die Mückenlarven keine Nahrung mehr. Dennoch kann die Entomologin (so die lateinische Bezeichnung für Insektenforscherinnen) keine schnelle Entwarnung geben: "Eine Mücke lebt vier bis sechs Wochen. Selbst wenn jetzt kein neuer Mückennachschub kommt, haben wir noch zwei bis vier lustige Wochen vor uns."

"Jeder kann uns Mücken schicken"

Die Arbeit an der Oder fließt in den wichtigsten Forschungsgegenstand ein, der die Biologin seit Jahren beschäftigt: die Frage, inwieweit Klimawandel und Globalisierung dazu beitragen, dass sich invasive Mückenarten aus tropischen Gefilden in Deutschland ausbreiten. Seit 2012 werden diese Forschungen durch den Mückenatlas [mueckenatlas.com] unterstützt, ein Bürger-Forschungsprojekt, getragen vom ZALF und dem Friedrich-Löffler-Institut für Tiergesundheit auf der Ostseeinsel Riems.

"Jeder ist herzlich eingeladen, uns seine gefangenen Mücken zu schicken", sagt Doreen Werner. Fast 2.600 Mücken aus ganz Deutschland sind bei den Forschern eingegangen. Sie helfen den Forschern, ein gutes Bild zu gewinnen über die Verteilung einheimischer Mücken und den Vormarsch fremder Arten. "Für uns ist diese Mitwirkung sehr wertvoll. Wir können ja gar nicht überall sein."

Asiatische Tigermücke rückt näher

Eine der gefürchtetsten invasiven Arten ist die Asiatische Tigermücke, die gefährliche Krankheiten übertragen kann. "Für Brandenburg kann ich da zunächst Entwarnung geben", sagt Doreen Werner. Im Moment gebe es etablierte Populationen in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen. Die Ausbreitung verlaufe jedoch immer weiter nach Norden. "Wir wollen die in Brandenburg nicht haben", sagt die Forscherin.

Deshalb sei auch die Arbeit mit dem Mückenatlas so wichtig. Jeder kleine Hinweis sei bedeutsam, um gegebenenfalls sofort reagieren zu können. Und das sei durchaus möglich: "Die Tigermücke hat nur einen kleinen Flugradius. Man kann also gut an die Brutstätte herankommen. Wenn man zielgerichtet dort dafür sorgt, dass sich potentielle Brutgefäße nicht mit Wasser fülllen, kann man die Ausbreitung gut verhindern."

Sendung: Antenne Brandenburg, 17.07.2020, 16:30

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10 Kommentare

  1. 10.

    heute sind es die Mücken, vor mehr als 200 Jahren waren die Oderkrebse eine Plage , man konnte sie von den Bäumen schütteln , so ändern sich die zeiten...

  2. 9.

    Ja haben Sie. Es war kein Megahochwasser, darum wohl auch kaum in den Medien, aber die Oderwiesen waren weitläufig überflutet und bildeten so die idealen Feuchtbiotope für die Plagegeister.

  3. 8.

    Dann kommen Sie besser in den nächsten Wochen nicht in die Oderregionen. Wir hatten für heute einen Grillabend geplant, es ging einfach nicht, da sofort die Mücken in Schwärmen da waren.

  4. 7.

    Sicherlich haben Sie damit recht. Aber ich wäre vorsichtig damit die Tigermücke als überhypt darzustellen. Nicht alle Menschen reagieren ähnlich auf Mückenstiche.

  5. 5.

    Die Forscherin heißt WALTHER nicht Werner.

  6. 4.

    Mücken sind eine der wichtigsten Nahrungsquellen für Vögel, Amphibien und Fische. Und von den zig Mückenfamilien in Deutschland stechen gerade mal VIER - und auch hier nur die Weibchen. Um mal ein paar Positivaspekte zu nennen.
    Ich denke das Thema Tigermücke wird auch etwas überhypt.

  7. 3.

    Zuerst war das Geschrei nach viel Regen in den Regionen groß. Nun müßte ihr auch mit den Folgen klarkommen. Ich habe noch nicht eine Mücke in diesem Sommer zu Gesicht gekriegt.

  8. 2.

    Wie, was....Hochwasserwelle....habe ich diesen Sommer was verpasst?

  9. 1.

    Nicht nur mücken sind eine plage. In diesem jahr sind auch die ameisen sehr extrem geworden.

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