Wildschweinrotte stirbt an Schweinepest, Quelle: rbb
Video: rbb|24 | 11.10.2020 | Material: Brandenburg aktuell | Bild: rbb

Afrikanische Schweinepest in Ostbrandenburg - Tiere müssen auf Oderinsel bleiben und verenden

Die Afrikanische Schweinepest ist mittlerweile in drei Brandenburger Landkreisen festgestellt worden. Dort laufen die Maßnahmen im Kampf gegen die Tierseuche auf Hochtouren. Andere Kreise bereiten sich unterdessen darauf vor.

In den Brandenburger Landkreisen Spree-Neiße, Oder-Spree und Märkisch-Oderland wurde bei mittlerweile 65 Tieren die Afrikanische Schweinepest festgestellt.

Wie viele von den 30 am vergangenen Wochenende auf der Oderinsel bei Küstrin-Kiez gefundenen Wildschweinen erkrankt sind, ließ sich noch nicht feststellen. Das Betreten des munitionsbelasteten Gebiets ist nicht möglich.

Oderinsel wird isoliert

Fest steht, die Tiere müssen auf der Insel bleiben bis sie verenden, ließ die Verwaltung von Märkisch-Oderland am Montag verlauten. Die Tiere könnten nicht erschossen werden, weil das andere Wildschweine auf der Insel aufschrecken würde. Gleichzeitig soll jetzt ein Zaun um die Insel gebaut werden, damit die Wildschweine möglichst auf der Insel bleiben. Wie am Dienstag bekannt gegeben wurde, soll der Zaunbau vermutlich am Donnerstag beginnen.

Unterdessen überwachen Jäger die Oderinsel für den Fall, dass Schweine versuchen sollten diese zu verlassen.

Uckermark beginnt mit Zaunbau

Auch der Landkreis Uckermark hat am Dienstag bei einer Krisensitzung beschlossen, einen festen Zaun an der Grenze zu Polen bauen zu wollen. Der Beigeordnete Karsten Stornowski (SPD) sagte auf Anfrage: "Wir haben uns entschieden, einen Zaun entlang der Oder vom Barnim bis zur Grenze von Mecklenburg-Vorpommern zu errichten. Der soll eine Länge von 70 Kilometer haben. Dabei sind 60 Kilometer Oder- und zehn Kilometer landseitig zu realisieren."

Es werde allerdings noch gute vier Wochen dauern, bis der Bau beginnen kann, da ja das Material erst beschafft werden müsse. Bis zum Wintereinbruch Ende November soll der Zaun stehen. Gleichzeitig baue auch der Barnim dann einen Zaun.

Suche in Oder-Spree fast abgeschlossen

In der Kernzone bei Neuzelle (Oder-Spree), wo einige der ersten infizierten Tiere gefunden worden waren, schreitet die Errichtung der sogenannten Weißen Zone zügig voran. Dort stehen Dominik Lenz, dem Pressesprecher des Brandenburger Gesundheitsministeriums, zufolge, bereits 13 Kilometer Zaun, im Landkreis Spree-Neiße wurden schon 14 Kilometer verbaut. Gleichzeitig wurde die gesamte Zone mittlerweile fast komplett nach Wildschweinkadavern abgesucht. Vier Spezialhunde sind noch im Einsatz und die Suche fast abgeschlossen.

Verdacht in Frankfurt (Oder) nicht bestätigt

Der Verdacht auf Afrikanische Schweinepest bei einem toten Wildschwein in Frankfurt (Oder) hat sich indes nicht bestätigt. Das gab die Pressestelle der Stadtverwaltung am Dienstag bekannt. Das tote Tier aus den Oderwiesen war vom nationalen Friedrich-Löffler-Institut auf die Schweinepest hin getestet worden.

Weitere Kadaver-Funde im Kreis Frankfurt gibt es laut Stadtverwaltung bislang nicht. Damit bleibt Frankfurt vorerst seuchenfrei.

Trotzdem verstärkt die Stadt die Suche nach Fallwild. Am Dienstag sei ein größerer Suchtrupp von Jägern gestartet, die das Waldgebiet Biegener Hellen nach Wildschweinkadavern durchforsten. Unterstützt werden sie von Kräften der Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Insgesamt zwölf Helfer sind unterwegs.

Sendung: Antenne Brandenburg, 13.10.2020, 16:40 Uhr

6 Kommentare

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  1. 5.

    Der schicke kleine Elektrozaun, der mitten in der Landschaft steht und an der Straße endet, um auf der anderen Seite weiter zu laufen, hat den Sturm nicht überstanden.
    Etliche Meter liegen flach auf dem Boden, sodass sich die Wildschweine in ihre Haxen lachen werden.
    Gerade gesehen zwischen Genschmar und Gorgast

  2. 4.

    Kühler Kopf und Sachverstand; ja, so ist Dänemark. Aber nun wird ja hier auch vieles anders; die Klöckner ist an der Oder gewesen und hat sich erzählen lassen was hier los ist. Immer mit der Ruhe; wie bei Glyphosat. Auf der Oderinsel erledigt sich das Problem möglicherweise von selbst; wir erwarten Oderhochwasser nach Starkregen. Dann landen die Schweinekadaver in der Ostsee.

  3. 3.

    hallo liebe Tierheger die Oder bekommt Hochwasser dann werden die Schweine fortgespült. Das wird eine Sauerei.

  4. 2.

    wie baut man einen Zaun, wenn die Insel nicht betreten werden kann? Es ist zum Heulen. Ich kann die Bilder kaum ansehen. Schrecklich. Wenn ich da an die süße, chaotische Rotte denke, die immer bei uns rumläuft... so schlaue, aufmerksame Tiere. Ja, ich bin Wildschweinfreund. Wir werden uns nächstens wieder freuen, überhaupt noch eines zu sehen, im Freien... ein lebendes!

  5. 1.

    Merkt eigentlich noch irgendeiner die Absurdität dieser Situation. Vor genau einem Jahr, im Herbst 2019 hat das noch viele Kilometer entfernte Land Dänemark einen Zaun gegen die Wildschweine aus östlicher Himmelsrichtung gebaut. Damals wurden die dortigen Entscheider von deutschen Politikern und Medien ausgelacht und verhöhnt. Dabei haben die wahrscheinlich damals schon damit gerechnet, dass Deutschland einen effektiven Schutz nicht auf die Reihe kriegt. Jetzt ein Jahr später fangen deutsche und nun auch die am dichtesten angrenzenden Brandenburger Politiker an, über einen Zaunbau gegen die Schweinepest nachzudenken. Und jetzt gibt es Probleme beim Bestellen von Material - alles nachdem die Schweinepest nicht mehr nur vor der Tür steht, sondern im Land angekommen ist. Wie "weitsichtig" und zukunftsorientiert. Das macht doch echt "Hoffnung" auf die Fähigkeit, vorausschauend zu planen, auch bei anderen Themen. Peinlich!

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