Zukunft Oderbruchzoo Altreetz
Audio: Antenne Brandenburg | 08.01.2021 | Michael Lietz | Bild: Michael Lietz/rbb

Stiftungskonzept von Arbeitsamt noch nicht gebilligt - Zukunft des Oderbruchzoos weiter offen

Noch immer hängt die Zukunft des Oderbruchzoos in Altreetz (Märkisch-Oderland) in der Schwebe. Eigentlich wollte die Stephanus-Stiftung den Zoo in eine Behinderten-Werkstatt umwandeln. Aktuell kommt das Projekt nicht wirklich voran. Von Michael Lietz

Der Oderbruchzoo ist in der Region eine Institution. Unvergessen: die Rettungsaktion im Oderhochwasser 1997. Über Nacht mussten damals die Tiere aus der Gefahrenzone gebracht werden. Gründer des Zoos und jahrzehntelanger Einzelkämpfer war Peter Wilberg. Er ist im vergangenen Jahr gestorben. Ein Jahr zuvor, also 2019, verabschiedete er sich in den Ruhestand. Und es kam damals, wie es kommen musste: Der Zoo geriet in wirtschaftliche Schieflage.

Nur befristete Verträge

Tierpflegerin Sabine Klein ist eine von drei langjährigen Mitarbeitern im Zoo. Einen unbefristeten Arbeitsvertrag hat die Tochter des Zoogründers Peter Wilberg aber bis heute nicht. “Das war vor anderthalb Jahren nicht klar, ob das hier überhaupt weitergeht. Klar ist das doof, aber immerhin geht es immer ein paar Monate weiter.” Die Stephanus-Stiftung würde Sabine Klein zwar einen unbefristeten Vertrag geben, kann sie aber nicht. Es ist nach wie vor ist unklar, wie es in Altreetz weitergeht.

Oftmals Hochqualifizierte mit psychischer Beeinträchtigung bei Stiftung

Die Stephanus-Stiftung will den Zoo zu einer eigenständigen Werkstatt umbauen, in dem, abseits der üblichen Behinderten-Werkstätten, vor allem Menschen mit psychischen Problemen Arbeit finden, sagt Roman Bourwieg, Leiter der gemeinnützigen Stephanus-Werkstätten Bad Freienwalde. "Bei der Klientel, die wir ansprechen, gibt es oft eine Schwellenangst bei einer üblichen Werkstatt-Landschaft", betont er. Diese Menschen seien durch eine psychische Beeinträchtigung aus ihrem Leben herausgerissen worden. "Es sind oftmals hochqualifizierte Fachkräfte, die natürlich sagen, ich möchte nicht in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung arbeiten, weil ich nicht behindert bin", unterstrich Bourwieg.

Arbeitsamt will keine Stiftungs-Integration

Bourwieg hat bei der Agentur für Arbeit einen Antrag gestellt, den Zoo in die Stephanus-Stiftung zu integrieren. Doch das Arbeitsamt wiegelt ab. Zoos seien dafür ungeeignet. Eine neue Gesetzeslage, an der man nicht vorbeikomme. Schriftlich hat Roman Bourwieg zwar die Ablehnung noch nicht, einen Plan B hat er dennoch schon in der Tasche. Wenn keine Werkstatt der Stephanus-Stiftung, dann eben ein eigenständiger Inklusionsbetrieb. Also ein Betrieb, in dem Menschen mit psychischen Problemen wieder an den ersten Arbeitsmarkt herangeführt werden.

Ende März soll finale Entscheidung fallen

Der Nachteil ist, dass die Kosten langfristig höher sind, sagt Bourwieg. Das würde eine Menge Zeit und noch einmal Aufwand kosten. "Wir sind überzeugt von dem Konzept, was wir eingereicht haben und sind auch überzeugt davon, dass wir in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit einen Weg finden, hier die entsprechende Anerkennung doch noch zu erreichen", unterstreicht Bourwieg. Ende März, sagt er, soll entschieden werden, welcher Weg eingeschlagen wird. Zurückziehen werde sich die Stephanus-Stiftung jedenfalls nicht. Für Tierpflegerin Sabine Klein wäre es das Ende der Ungewissheit und endlich der unbefristete Arbeitsvertrag.

3 Kommentare

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  1. 3.

    Diese Argentur für Arbeit ist der letzte Drecksverein. Hier könnte man mal etwas vernünftiges schaffen.
    Die einzigen Arbeitsplätze die dieser Verein schaffen will , sind mir als Unternehmer irgendwelche Langzeitvollidioten mit Förderung anzubieten. Einfach erbärmlich.

  2. 2.

    Das wäre doch ein Segen, so einen Zoo in die Stiftung zu integrieren. Eine Frage als Laie hätte ich da: wieso ist gerade die Agentur f.Arbeit für das zustandekommen zuständig? Habe ich im Artikel was übersehen?

  3. 1.

    Die Agentur FÜR Arbeit offenbart das wahre Gesicht. Ich schäme mich, für diesen Verein zu arbeiten. Ist man als kritischer mitarbeitender Mensch bei den "Führungskräften" eh ein Nestbeschmutzer. Wird Zeit, diesem verlogenen Verein den Rücken zu kehren.

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