Razzia durch LKA - Betreiber soll in Beeskow illegal Müll gelagert und nach Polen exportiert haben

Auf der Müllhalde in Beeskow fand eine Razzia statt.
rbb / Marie Stumpf
Audio: Antenne Brandenburg | 08.06.2021 | LKA-Sprecher Joachim Lemmel | Bild: rbb / Marie Stumpf

Das illegale Lagern von Abfällen auf Müllhalden ist in Brandenburg ein großes Problem. Das LKA hat nun eine Abfalldeponie in Beeskow durchsucht. Der Betreiber steht unter Verdacht illegale Abfälle gelagert und diese auch über die Grenze nach Polen geschafft zu haben.

 

 

Der Betreiber einer Abfalldeponie soll illegal Abfälle lagern. Das Landeskriminalamt Brandenburg hat deshalb am Dienstag in Beeskow ein Betriebsgelände und Geschäftsräume durchsucht.

Auf der Abfalldeponie sollen nach ersten Erkenntnissen auch asbestähnliche Materialien, Kunststoffe und Straßenabbrüche, lagern, ohne dass eine entsprechende Genehmigung vorliegt. Umweltämter hatten entsprechende Hinweise an die Ermittler weitergeleitet. Eine Gefahr für das Grundwasser und den Boden kann deshalb nicht ausgeschlossen werden.

Mögliche Gifttransporte nach Polen

Die Abfalldeponie wird auch von der Berliner Abfallwirtschaft angefahren. Vor Jahren wurde hier eine Pilotanlage der Brandenburgisch Technischen Universität errichtet, um Abfälle wieder sinnvoll aufzubereiten.

Neben der illegalen Lagerung liegen den zuständigen Umweltbehörden auch Erkenntnisse über den ungenehmigten Export von Abfällen nach Polen vor. LKA-Sprecher Joachim Lemmel sagte gegenüber dem rbb: "Für den Export ins Ausland braucht man in vielen Fällen eine Genehmigung, insbesondere, wenn es sich um giftige Abfälle handelt und das scheint hier nicht erfolgt zu sein." Der Umfang sei nach den bisherigen Ermittlungen beträchtlich. Die Polizei geht derzeit von mehreren Lkw-Ladungen pro Tag aus. Mit den polnischen Behörden würde eng zusammengearbeitet, so Lemmel.

Unternehmer wehrt sich gegen Abfall-Vorwürfe

Im Rahmen der Durchsuchungen entnahmen die Ermittler zahlreiche Proben, die nun genauer analysiert werden müssen. Außerdem stellten sie Geschäftsunterlagen sicher, welche Aufschluss über die Lagerung und den Transport der Abfälle geben sollen. Mit den Ergebnissen der Untersuchung wird in den nächsten Wochen gerechnet.

Der 52-jährige Bauunternehmer, der in Beeskow eine Firma mit mehr als 150 Angestellten betreibt, wehrte sich gegen die Vorwürfe gegenüber dem rbb und spricht bei den Transporten nach Polen von "Produkten" und nicht von "Abfall". Auch eine illegale Entsorgung von giftigen Stoffen sei laut dem Unternehmer nie erfolgt. Die Analyse der nun sicher gestellten Unterlagen soll laut LKA mehrere Wochen dauern.

Eigener Bearbeitungsbereich gegen Umweltkriminalität

Zur besseren Bekämpfung von Umweltkriminalität in Brandenburg wurde bei der Staatsanwaltschaft Potsdam im vergangenen Jahr ein eigener Bearbeitungsbereich eingerichtet. Dort sollen besonders komplexe und umfangreiche Verfahren der Umweltkriminalität bearbeitet werden, etwa schwerwiegende Verstöße gegen das Bundesnaturschutzgesetz, das Tierschutzgesetz oder auch Verfahren wegen großangelegter illegaler Abfallentsorgung.

2019 wurden laut BUND Brandenburg 500 Tonnen mehr illegal abgeladener Müll im Land entsorgt als im Jahr davor - insgesamt waren es 6.000 Tonnen. Landesweite Zahlen für 2020 hat der Umweltverband noch nicht. Ganze Lkw-Ladungen vor allem gefährlicher Abfälle wie asbestbehafteter Bauschutt und teerbelastete Dachpappe landen meist nachts in der Natur. Die kommunalen Entsorgungsunternehmen müssen die herrenlosen Abfälle entsorgen, die Kosten tragen die Gebührenzahler.

Die Corona-Krise hat das Problem nach Angaben einiger Kommunen im Bundesland noch verschärft.

Mit Material von Marie Stumpf

Sendung: Antenne Brandenburg, 08.06.2021, 15:30

4 Kommentare

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  1. 4.

    Wohin mit Rigips und Mineralwolle, wenn etwas umgebaut u.a. wird? Es ist nicht zu recyceln, liegt dann Jahrhunderte auf Halde und verrottet nie. Mineralwolle fördert übrigens die Schimmelbildung am Bau. Mineralwolle bis 1999 war lungengängig und somit krebserregend. Wer sagt denn, dass die neuen Materialien besser sind? In den 90 igern gab's schon den Umweltengel, Asbest wurde verboten und alle glaubten Glaswolle ist neu und ab jetzt wird gründlich geforscht und kontrolliert..

  2. 3.

    Es muss einfach höhere Strafandrohungen für Umweltdelikte geben. Regelmässig nicht unter 10 Jahren Freiheitsstrafe!

  3. 2.

    Schädliche Materialien:
    Rigips ist überwiegend ein Abprodukt der Braunkohleverbrennung (insofern Zustimmung), ansonsten unbedenklich.
    Mineralwolle ist rein mineralisch (Sand und oder Naturstein), auch nicht so dramatisch.

    Styropor ist leider das große Übel der Bauwirtschaft.
    Und das Übel beginnt erst noch mit all den eingebauten Problembaustoffen der letzten Jahrzehnte, die z.T. jetzt wieder rückgebaut und entsorgt werden müssen. Damit sollte sich die Bundenregierung besser beschäftigen als mit irrsinnigen Forderungen nach "Solaranlagen" auf neuen Dächern (Aluminium, Kunststoffe usw...)

    Aber unabhängig davon gilt auch bei obigem Thema: Mit Abfall ist richtig gut Geld zu verdienen!

  4. 1.

    Wie wäre es, wenn die Polizei und Staatsanwaltschaft kontrolliert und bestraft bevor schädliche, nicht verrottbare Materialien hergestellt werden? Ich denke an Rigips, Mineralwolle, Styropor, verschiedenste Lacke, Dispersionsfarbe...es gibt auch: Lehm, Hanf, Öl und Pigment, Kalk..aber das haben wir ja mal wieder vergessen..wie so vieles..

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