Corona-Pandemie - Immer mehr Studierende in Brandenburg suchen psychologische Beratung auf

Symbolbild: Ein Student mit Depression (Quelle: imago images/Maud Dupuy)
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Bild: imago images/Maud Dupuy

Das Hochschulleben hat sich durch die Pandemie extrem verändert und ist oft monoton und einsam. Denn vor allem die sozialen Kontakte bleiben aus. Und das schlägt bei den Studenten teils auf die Psyche. Beratungsangebote an der Uni werden stark nachgefragt.

 

Morgens die Onlinevorlesung besuchen, mittags schnell zur Lerngruppe per Videokonferenz und dann im stillen Kämmerlein für die nächste Prüfung lernen. Ihre Universität kennt Miray Koyuncu kaum. Die Kommilitonen nur vom Bildschirm. Und das, obwohl sie Recht und Politik an der Europa Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) schon im zweiten Semester studiert. Doch von Anfang an verbringt sie die Tage zu Hause statt im Hörsaal. Sie leidet unter den fehlenden sozialen Kontakten, erzählt, dass sie in ihrer Abizeit Schwierigkeiten gehabt habe, sich zu sozialisieren und auf neue Kontakte im Studium hoffte. "Das war ganz schlimm für mich. Jetzt komme ich besser damit klar."

Fehlender regelmäßiger Tagesablauf

Neben der Einsamkeit bereitet der Studentin auch die fehlende Struktur im Alltag Probleme. Ihr fehlte der Antrieb sich zu organisieren. "Ich konnte einfach nicht mehr auf den Bildschirm schauen", erzählt Koyuncu. Ich dachte es wäre am besten, das Studium abzubrechen und etwas anderes zu machen."

Diese Probleme hört Monique Zweig regelmäßig im Studentenwerk in Frankfurt (Oder). Dies gelte sowohl für die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg als auch für die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. An beiden Standorten bietet das Studentenwerk in der Pandemie psychosoziale Beratung an. Während der Corona-Pandemie hat sich die Nachfrage nach Beratungsangeboten in Eberswalde verdoppelt und ist in Cottbus um 30 Prozent gestiegen, sagt Zweig.

In den Beratungen geht es vor allem darum, den Studenten bei der Organisation des Tages zu helfen. Aber auch Zukunftsängste werden besprochen. Denn die Pandemie wirft für die Studierenden neue Fragen auf, zum Beispiel ob der in der Pandemie erworbene Abschluss etwas wert sei und ob sie sich wirklich in der Arbeitswelt behaupten können.

Ausbau für die Interaktion der Studierenden

Die Europa Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) will ihre psychosozialen Beratungen für Studenten in Zukunft weiterhin an die besonderen Ansprüche in Zeiten der Corona-Pandemie anpassen. Die Präsidentin der Europa Universität Viadrina, Prof. Dr. Julia von Blumenthal sagte gegenüber dem rbb, dass sie auch planen, eine Art Coaching einzuführen, in dem es auch um Interaktion mit anderen Studierenden gehe. Nach dem Motto: Zurück auf dem Campus, ich fühle mich wohl an meiner Uni.

Zum kommenden Wintersemester sollen wieder mehr Lehrveranstaltungen in Präsenz stattfinden. Darauf haben sich das Wissenschaftsministerium, Hochschulen, Studierendenvertretungen und Studentenwerke bereits geeinigt.

Mit Material von John-Alexander Döring

Sendung: Antenne Brandenburg, 09.06.2021, 14:10

2 Kommentare

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  1. 2.

    Das stimmt so nicht unbedingt. Abgesehen von Lockdown, für manche war Mittelschule nicht unbedingt eine Zeit mit vielen sozialen Möglichkeiten, insbesondere aufm Land wo die letzte Busverbindung um so halb 5 (geschweige denn wenn nicht gerade Spaß am Sport vermittelt wurde, womit man eher abgeneigt war bzg. Mitgliedschaft in Sportverein, bzw. nicht unbedingt so ein Taschengeld hatte um sich groß Hobby leisten zu können, u.ä.). Und wenn dann zur Uni z.B. in WG gezogen, da ist das Umfeld ziemlich anderes, wobei man im Alter von 20 üblicherweise auch etwas anders drauf ist als es mit 15 der Fall war, bzg. Interessen und so, und auch eher an Aktivitäten teilnimmt welche oft in Abendstunden, wie z.B. Tanz oder Go-Spiel in Teestube (wobei sich das zweite merkwürdig anhören mag, aber z.B. so ziemlich eines der ersten Dinge für welche ich Internet nutzte war Leute zu finden welche Go spielen, da im Umfeld niemand solcher, und dann bin da irgendwo hingereist und habe mit denen Go gespielt).

  2. 1.

    Tut mir leid für die junge Frau. Allerdings muss ich auch sagen, dass Eigeninitiative und die Grund-Motivation auch beim Studieren in der Uni notwendig sind, ganz ohne remote-Unterricht. Und wenn sie in der Schule bereits Probleme damit hatte Kontakte/Freunde zu finden, wird das an der Uni auch nicht anders sein. Sorry.

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