Geflüchtete zwischen Polen und Belarus - "Es sind nicht mehr so viele, es gibt aber immer noch Menschen, die es versuchen"

Mo 07.02.22 | 14:47 Uhr | Von Dorett Kirmse und Tony Schönberg
Hilfverein "Wir packen's an" übergibt Spenden an Geflüchtete an Grenze zwischen Polen und Belarus
Audio: Antenne Brandenburg | 07.02.2022 | Miriam Tödter von "Wir packen's an" | Bild: Wir packen's an

Trotz sinkender Zahlen ist die Situation der Menschen im Grenzgebiet zu Belarus angespannt. Ein Verein aus Bad Freienwalde macht auf die Situation in den Wäldern und Lagern aufmerksam, und liefert nun Sachspenden im eigenen LKW.

Seit Ende des vergangenen Jahres sind laut Bundespolizei deutlich weniger Geflüchtete über Belarus und Polen nach Deutschland eingereist. Im Januar waren es 361 Fälle mit weiterhin deutlich fallender Tendenz. Grund dafür sei neben kälteren Temperaturen auch die Abschottung an den Außengrenzen der Europäischen Union. Das berichtete am Montag der Verein "Wir packen's an" zur Hilfe von Geflüchteten mit Sitz in Bad Freienwalde (Märkisch-Oderland) dem rbb.

Außerdem erschwere die im Bau befindliche dauerhafte Grenzbefestigung eine Weiterreise zusätzlich. Medienberichten zufolge, hat Polen vor Kurzem mit den Arbeiten begonnen. Die neue Anglage mit einer Höhe von bis zu 5,50 Meter soll die bisherige Barriere ersetzen.

Den Vereinsvorsitzenden zufolge befinden sich nach wie vor hunderte Menschen in den Wäldern an der polnisch-belarusischen Grenze in prekären Verhältnissen. Sprecherin Miriam Tödter sagte: "Es sind nicht mehr so viele wie vor zwei Monaten, es gibt aber immer noch Menschen, die es versuchen." Tödter berichtet etwa von einem Fall, in der kürzlich eine Gruppe von Geflüchteten mit Hilfe einer Leiter den Grenzzaun überwinden konnten. "Je höher die Zäune oder Mauern werden, desto waghalsigere Überquerungs-Manöver müssen die Menschen machen. Das führt aber nicht dazu, dass sie aufhören zu kommen."

Die höheren Grenzanlagen sorgten eher für eine Selektion, bei der vor allem Älteren und Kindern der Weg nach Europa versperrt würde, so Tödter weiter. Darüber hinaus bedrohe der Zaun die sensible Tierwelt im Bialowiza Urwald im Osten des Landes. Einige dieser seltenen Tiere seien bereits im Stacheldraht verendet.

Warme Kleidung zur Hilfe in den Wintermonaten

Um die Geflüchteten im Grenzgebiet zu unterstützen, setze die Organisation auch ihre Hilfslieferungen fort. Erst am vergangenen Wochenende hätten die Mitglieder den mittlerweile sechsten Transport mit Sachspenden aus Berlin und Brandenburg zu verschiedenen Basisstationen gebracht. Mit dabei waren unter anderem Kisten mit warmer und wasserfester Kleidung sowie Wärmedecken. Von den Sammelpunkten aus würden diese an Bedürftige verteilt. Für die Lieferungen käme nun ein eigener LKW von "Wir packen’s an" zum Einsatz.

Helferinnen und Helfer dürften jedoch noch immer nicht direkt in das Sperrgebiet auf polnischer Seite. "Das ist eine Menschenrechts-widrige Zone, in der sich weder Hilfsorganisationen, wie etwa das Rote Kreuz, oder JournalistInnen frei bewegen dürfen", sagt Sprecherin Miriam Tödter.

Andere Spenden erreichten die Auffangeinrichtungen, die sogenannten Detention Center, in Polen. Dort seien laut Schätzungen des Vereins zwischen 2.000 und 10.000 Menschen ebenfalls unter ungenügenden Bedingungen untergebracht. Die Freienwalder teilten dazu in einer Erklärung mit: "Dabei sind bis zu 25 Menschen in winzigen Baracken untergebracht, es fehlt an adäquater Nahrung, Kleidung und medizinischer Betreuung. Berichte über Gewalt in den Lagern häufen sich."

Die Hilfsgüter sollen jetzt besonders erkrankten und geschwächten Flüchtenden zugutekommen. Weitere Lieferungen sind geplant und sollen mit dem neuen Fahrzeug künftig schneller und flexibler die Brennpunkte erreichen. Dies könne schon bald wieder der Fall sein, da in Polen die Temperaturen fallen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 07.02.2022, 11:30 Uhr

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