Kleingärten in Bernau - "Gartensuchende sagen, mir ist es egal, ich zahl jeden Preis"

Mi 11.05.22 | 16:51 Uhr | Von Eva Kirchner-Rätsch
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Ein Kleingärtner beim Ausbringen von Samen in seinem Garten (Quelle: dpa/Philipp Schulze)
Audio: Antenne Brandenburg | 11.05.2022 | Eva Kircher-Rätsch | Bild: dpa

Die Nachfrage nach Kleingärten steigt seit Jahren. Pachtpreise sind gesetzlich geregelt, wer aber eine Parzelle kaufen will, muss mitunter tief in die Tasche greifen. Das bekommen auch Kleingärtner in Bernau zu spüren. Von Eva Kirchner-Rätsch

In der Kleingartenanlage "Birkenhöhe", einem Ortsteil von Bernau (Barnim), grünt und blüht es gerade. Es duftet nach Flieder und frisch gemähtem Rasen. Gerade jetzt im Mai ist viel mit der Pflege des Gartens zu tun, erzählt Klaus Bolt über den Gartenzaun. Seit zwei Jahren bewirtschaftet der aus Rügen stammende Kleingärtner seine 375 Quadratmeter große Parzelle. Etwas über 10.000 Euro hat er dafür bei der Übernahme bezahlt. Ein durchaus gängiger Preis. Aber viel mehr hätte es nicht sein dürfen.

Eigentümer legen Preis für Parzelle selbst fest

Übernahmesummen von 20.000 oder 30.000 Euro sind noch nicht die Regel. Aber es gibt sie, weiß Thomas Müller, Vorsitzender des Bezirksverbandes der Kleingärtner in und um Bernau. Obwohl vor jeder Übergabe, der Garten mit Häuschen und Anpflanzungen unabhängig bewertet wird, können die Besitzer:innen für ihr Eigentum den Preis bestimmen beziehungsweise das nehmen, was sie angeboten bekommen, so Müller: "Gartensuchende sagen, mir ist es egal, ich bezahl jeden Preis. Wir wissen es auch teilweise aus der Praxis, dass dann Ablösesummen gezahlt werden, die haben nichts mehr mit dem zu tun, was auf dieser Parzelle steht."

Hohe Nachfrage, lange Wartezeiten

Grund für den Sturm auf die Kleingärten ist auch die Corona-Pandemie. Immer öfter sind Familien auf der Suche nach dem kleinen Grün in Brandenburg. Das spürt auch Burkhard Poweleit, Vereinsvorsitzender in der Anlage "Birkenhöhe": "Ich bekomme jede Woche zwei Anfragen, ob ich einen Garten hier frei habe. Das ist schon enorm geworden."

Im Moment sind die 158 Parzellen in Birkenhöhe belegt. Auf der Warteliste stehen an die 20 Interessenten, sie müssen mit Wartezeiten von bis zu fünf Jahren rechnen.

Interessierte sind bereit, mehr Geld zu zahlen

Viele Interessenten, die so lange auf ihren Garten warten, sind auch bereit, mehr Geld als üblich zu bezahlen. Eine Entwicklung, die Thomas Müller nicht gern sieht, denn für den Vorsitzenden der Bernauer Kleingärtner ist vor allem eines wichtig: "Es ist ein Eckpunkt des Kleingartens, dass jeder sich so einen Garten leisten kann und wir kämpfen auch dafür, dass wir das erhalten können."

Großen Einfluss auf die Preisentwicklung haben die Kleingartenvereine und -verbände aber nicht. Einzig bei der Auswahl neuer Gartenpächter haben sie ein Wörtchen mitzureden.

 

Sendung: Antenne Brandenburg, 11.05.2022, 16:10 Uhr

12 Kommentare

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  1. 12.

    Das freut auch die privaten Verpächter:innen sehr. Eine monatliche Preissteigerung von 800%, ja achthundert, bei Neuverpachtung lehnten wir undankbar ab. Sicherlich wird sie dennoch freudige Nachnutzer finden. Naja, wir hatten viele schöne Jahrzehnte auf der Datsche.

  2. 10.

    Ich liege in meinem Kleingarten gerne 6-7 Stunden auf der faulen Haut. Die eine Stunde Arbeit am Tag verfliegt da wie nix.

  3. 9.

    Die Begeisterung wird schnell verfliegen, wenn der Vorstand auf die Einhaltung der 100 Jahre alten Kleingärtnerordnung besteht und dies per Auflagen durchsetzen will.Der Kleingarten soll KEIN Erholungsgarten sein! Und jede noch so kleine Veränderung muss beantragt werden. Zum Faulenzen jedenfalls ist ein Kleingarten nicht da, zum Arbeiten an der frischen Luft (was ja gesund ist) auf alle Fälle.

  4. 8.

    Ist das nicht vergleichbar mit der Vergabe von Wohnraum/Wohnungen?
    Nicht erst seit 2022 werden scheinbar Gehälter generiert, wo man sich sehr wohl hochpreisige Mieten leisten kann. Oder bei Studenten, wo irgendwer aus der Familie zahlen kann. Gerade in Innenstädten kommt es so zur Verdrängung.
    Somit wird das Preisgefälle immer deutlicher.
    Hast du was, bist du was, kannst du was.

  5. 7.

    Verstehe nicht, wieso mein Kommentar geblockt wurde:

    In Eberswalde darf der Verkaufspreis eines Kleingartens nicht die Summe überschreiten, die im Schätzungsprotokoll genannt wurde. Das zu überprüfen obliegt den Vorständen und Kaufenden.
    Das Inventar ist davon nicht betroffen. Hier kann die Summe frei gewählt werden.

    Ich kann jeder Gartenanlage nur herzlich empfehlen, neue Pächter aus der Region zu wählen und niemanden, der sich nur am Wochenende um den Garten kümmern kann. Die Preise spiegeln letztlich nur den Hausmarkt wieder.

  6. 6.

    Auch ich habe 22000€ für meinen Garten bezahlt, allerdings mit Topausstattung. Trotzdem habe ich weitere 7000€ investieren müssen um Auflagen zu erfüllen. Anschaffungen für Gartengeräte, Pflanzen und Reparaturen nicht eingerechnet. Aber, das muss ich sagen, das hat sich allemal gelohnt, habe mit meiner Frau viel Spaß und Freude gehabt und viel mit Freunden gefeiert. Es ist ein blühendes Paradies. Übrigens den Garten habe ich seit fast 30 Jahren.

  7. 5.

    "Gartensuchende" werden nach erfolgreicher Suche wahrscheinlich Kleingartenbesitzende und eventuell Rosenzüchtende...

  8. 4.

    Kann den mangel an gärten nicht verstehen. In meiner stadt verwildern gärten, weil keiner sie haben will. Nicht einmal geschenkt!!!!!

  9. 3.

    DDR? Das ist Kapitalismus in Reinform. Ihr wolltet es so, wir Kinder und Kindeskinder müssen es nun ausbaden.
    Zu DDR-Zeiten bedurfte es Kontakten. Nicht Geld. Mit den richtigen Kontakten bekam man alles. Auch nicht geil.

  10. 2.

    Mit sozialer Marktwirtschaft hat das wenig zu tun, weil das kaum sozial ist, wenn sich nur noch Besserverdiener eine Holzhütte mit etwas Garten drumherum leisten können.
    Wir nähern uns immer mehr den Zuständen der DDR.
    Das ganze erinnert irgendwie an den Schwarzmarkt wo Gebrauchtautos zu überteuerten Preisen verhökert wurden weil es zu wenig Neuwagen gab.

  11. 1.

    rbb24 - und was will uns nun der Artikel sagen?
    Das der Preis durch Angebot und Nachfrage geregelt wird? Soll so auch in der sozialen Marktwirtschaft üblich sein.
    Kommt jetzt der Ruf nach "bezahlbaren" Schrebergärten oder soll man sich an die Parzelle kleben?

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