Erinnerung an NS-Opfer - In Fürstenwalde erinnern jetzt 75 Stolpersteine an jüdische Schicksale

Do 19.05.22 | 14:27 Uhr
Stolpersteine, aufgenommen in der Ossenreyerstraße in der Altstadt von Stralsund (Bild: dpa)
Audio: Antenne Brandenburg | 19.05.2022 | Guido Strohfeldt | Bild: dpa

Stolpersteine erinnern weltweit an Opfer der Nationalsozialisten. Der Künstler Gunter Demnig, Initiator der Gedenkaktion, verlegt in Fürstenwalde neue Stolpersteine. Dabei geht es um die Schicksale von drei jüdischen Familien aus der Stadt.

In Fürstenwalde hat der Künstler Gunter Demnig am Donnerstag 15 weitere Stolpersteine verlegt. Damit wird an jüdische Personen erinnert, die von Nationalsozialisten verfolgt wurden. Damit gibt es in Fürstenwalde nun 75 Stolpersteine.

Die neuen Stolpersteine erinnern an drei jüdische Familien der Stadt, erklärte der Direktor des Museums Fürstenwalde, Guido Strohfeldt. Es handele sich um die Familien Cohn, Behrendt/Brandt und Fürst. "Drei jüdische Familien, die glücklicherweise Deutschland noch verlassen konnten, aber eigentlich in Fürstenwalde ein Leben geführt hätten, wenn die NS-Zeit sie nicht aus dem Land gedrängt hätte", sagte Strohfeldt im Gespräch mit dem rbb.

Weltweit zehntausende Steine verlegt

Die Verlegung der Stolpersteine in Fürstenwalde wurde auch durch einen Livestream [youtu.be] begleitet. Damit konnten auch Angehörige in Australien, Neuseeland, England, Wales und Israel virtuell an der Zeremonie teilnehmen.

Der Künstler Gunter Demnig verlegte den ersten Stolperstein 1996 in Berlin-Kreuzberg. Der Berliner hat mit seiner Stiftung mittlerweile weltweit Zehntausende dieser kleinen Gedenktafeln aus Messing im Boden verlegt. Jeder Stolperstein erinnert an das Schicksal eines einzelnen Menschen, den die Nazis verfolgten oder ermordeten. Dies sei eine gute Möglichkeit, "aus der Verallgemeinerung herauszukommen", sagte Strohfeldt.

"Enormer Druck" auf jüdische Familien

So auch bei den neu verlegten Stolpersteinen. "Richard Behrendt war Betriebsdirektor hier in Fürstenwalde und hat die berühmte Pumpen- und Pulsometerfabrik Henry Hall geleitet", erklärte Museumsdirektor Strohfeldt. 1933 sei Herr Behrendt verhaftet worden. "Die Familie hat dadurch sehr früh einen enormen Druck erfahren, der sie dazu brachte, das Land rechtzeitig zu verlassen."

Bei der Verlegung waren Angehörige einer weiteren Familie - Familie Fürst - dabei . Am Marktplatz wurde der Familie gedacht, die nach Australien zog, wie Guido Strohfeldt sagt. "Unsere Recherche hat tatsächlich dazu geführt, dass einige Familienmitglieder erst jetzt durch die Stolpersteinverlegung wieder treffen, wieder zueinander finden."

Nach der Verlegung der Stolpersteine am Donnerstag war im St. Marien Dom eine Gesprächsrunde mit Schülern des Katholischen Gymnsiums Bernhardinum geplant. Premiere hat ein Film mit Nachfahren ehemaliger jüdischer Fürstenwalder Familien.

Sendung: Antenne Brandenburg, 19.05.2022, 16 Uhr

Mit Material von Isabel Röder

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