Tierschutz-Kontrolle im Oderland - "Dann steht man auch erstmal sprachlos davor"

Mi 11.05.22 | 15:22 Uhr | Von Marie Stumpf und Tony Schönberg
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Symbolbild: Schweinemasthaltung (Quelle: dpa/Bernd Wüstneck)
Audio: Antenne Brandenburg | 10.05.2022 | Marie Stumpf | Bild: dpa/Bernd Wüstneck

Verstöße gegen das Tierwohl haben in Märkisch-Oderland in der Vergangenheit immer wieder für Aufsehen gesorgt. Der Kreis hat reagiert und vor wenigen Monaten eine neue Tierärztin angestellt. Doch eine vollständige Kontrolle ist kaum möglich.

Vor knapp eineinhalb Jahren haben die Zustände in einer Schweinemastanlage im Rehfelder Ortsteil Zinndorf bei Strausberg (Märkisch-Oderland) für Empörung gesorgt. Hunderte Schweine mussten teilweise blutend und verletzt in ihrem eigenen Mist vor sich hinvegetieren.

Der Kreis griff erst nach Hinweisen von Tierschützern ein. Inzwischen ist der Betrieb geschlossen. Um umfangreichere Kontrollen zu ermöglichen, hat sich Märkisch-Oderland personell verstärkt. Seit vergangenem Oktober ist eine Tierärztin aus Petershagen speziell für den Tierschutz im Kreis zuständig.

Tierärztin: Manche Fälle machen sprachlos

Julia Hause ist Anfang der Woche auf dem Weg zu einer Kontrolle. In einer privaten Tierhaltung im Osten von Märkisch-Oderland soll es immer wieder zu Verstößen gekommen sein. Der genaue Standort muss aus Datenschutzgründen ungenannt bleiben, und auch die Besitzerin will sich gegenüber dem rbb nicht äußern. Sie lässt nur die Tierärztin auf das Grundstück. Bis dato habe es keinen genauen Überblick gegeben, wie viele Tiere auf dem Grundstück betroffen sein sollen.

Nach einer guten dreiviertel Stunde ist die Kontrolle vorbei. Es habe erneut Beanstandungen gegeben und nun müsse gehandelt werden, sagt Hause ernüchtert: "Wir planen jetzt den Tierbestand aufzulösen. Die Tierhalterin hat jetzt die Möglichkeit die Tiere zu veräußern, weil es so in dem Rahmen nicht geht. Der Hof ist sehr stark mit den Exkrementen der Tiere verdreckt und es liegen Verletzungs-trächtige Strukturen im Auslauf drin, wo man dann auch erst einmal sprachlos davorsteht."

Tierschutz nur in Grenzen

Kontrollen wie diese gehören zur Routine der Tierärztin. In den meisten Fällen muss aufgrund von Hinweisen die Haltung überprüft werden. Rund zehn davon erreichen Julia Hause pro Tag. In zehn Fällen musste sie bereits auch Tiere von ihren Besitzern fortnehmen. Doch das sei nur bei akuter Gefährdung des Tierwohls oder als letztes Mittel möglich.

Dort komme der Tierschutz oft an seine Grenzen, erklärt Hause. "Der Tierhalter wird nicht zugeben, dass er seinen Hund schlägt. Man kann natürlich versuchen einzuschätzen, wie sich der Hund gegenüber seinem Halter verhält. Aber letztendlich brauchen wir natürlich auch Beweise, wie Videos und Fotos mit Datum, Uhrzeit und Zeugen."

Arbeitsteilung für mehr Kontrollen

Seit Oktober sind im Veterinäramt in Märkisch-Oderland mit Julia Hause nun zwei Tierärzte speziell für den Tierschutz im Kreis zuständig. Sie selbst ist meistens bei den privaten Kleintierbesitzern unterwegs. Als nächstes müsse sie etwa einen mutmaßlich nicht artgerechten Welpenhandel überprüfen.

Ihr Kollege kontrolliert Betriebe wie Mastanlagen oder das vor kurzem in die Schlagzeilen geratene Tierheim Wesendahl bei Altlandsberg. "Man kann jetzt definitiv mehr leisten, einfach weil man zu zweit ist, um hinterher zu sein. Wenn man immer nur anordnet und anordnet, und nichts passiert, dann ist das natürlich auch frustrierend."

Doch trotz erweiterter Ressourcen musste das Veterinäramt auch in Wesendahl Versäumnisse einräumen. Grund dafür waren in der Vergangenheit unter anderem die Herausforderungen durch die Afrikanische Schweinepest. Dadurch hätten sich Prioritäten verschoben. Dass Kontrollen in der Massentierhaltung aber grundsätzliche Probleme nicht lösen, kritisierte die Tierschutzorganisation "Animal Rights Watch" schon im Zuge des Falles in Zinndorf.

Dies seien keine Einzelvorkommnisse, erklärte im vergangenen Jahr Sprecherin Sandra Franz. "Das sind keine schwarzen Schafe, sondern dieses Leid der Tiere gehört zum System dazu." Dies könne nicht beendet werden, in dem mehr Kontrollen oder sowas gefordert würde, "sondern wir müssen dieses ganze System beenden".

Sendung: Antenne Brandenburg, 10.05.2022, 16:40 Uhr

4 Kommentare

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  1. 4.

    Vegan für Klima, Gesundheit und die Tiere!

  2. 3.

    Tiere fühlen und leiden!
    Tierschutz steht als Staatsziel im Grundgesetz!
    Daher ist eine höhere Kontrolldichte, mehr Veterinäre nötig!

    Auch die „Tierschutz“-Nutztierhaltungsverordnung muss endlich den Bedürfnissen der Tiere angepasst werden!

  3. 2.

    Bei angemessen saftigen Strafen für solche zum Himmel schreienden Missstände sollte es sich doch eigentlich rechnen, das für flächendeckende Kontrollen nötige Personal einzustellen, möchte man meinen …

  4. 1.

    2 Tierärzte für den Tierschutz im gesamten Kreis? Das ist ein Armutszeugnis und damit in keinster Weise mit Art. 20a Grundgesetz vereinbar. Dafür müssten noch mindestens 2 weitere Tierärzte eingestellt werden!

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