Polnische Schülerinnen und Schüler des Karl-Liebknecht-Gymnasiums kommen zum Abitur nach Frankfurt (Oder)
Audio: Antenne Brandenburg | Marie Stumpf | 13.05.2020 | Bild: rbb / Michel Nowak

Brandenburger Schulen - Positives Fazit beim Abitur - Lehrermangel beim MSA

Die meisten Brandenburger Abiturienten haben ihre Klausuren hinter sich. Die MSA-Prüflinge müssen noch Prüfungen schreiben und dabei viele Corona-Maßnahmen einhalten. Wie haben die Schulen die Prüfungen organisiert? Von Marie Stumpf

Die meisten Brandenburger Abiturienten sind mit den Prüfungen fast fertig. Aber an der Docemus-Privatschule in Grünheide (Oder-Spree) ging das Abitur erst am Mittwoch los. Die Schule setzt nämlich in allen Fächern auf die Nachschreibtermine. "Wir sind davon ausgegangen, dass es den Schüler ein bisschen mehr Zeit für die individuelle Prüfungsvorbereitung bietet", erklärt Schulleiterin Petra Katz.

Aber die Entscheidung bringt auch Probleme: Jetzt überschneiden sich die Abitur-Prüfungen mit denen des Mittleren Schulabschlusses (MSA) für die zehnten Klassen. Insgesamt 130 Prüflinge müssen untergebracht werden, immer unter Beachtung der Abstandsregeln. Deswegen musste die Schule den Präsenzunterricht für die anderen Schülerinnen und Schüler einschränken. "Wir brauchen wir einfach die Räume", erklärt Schulleiterin Petra Katz, die die Entscheidung dennoch für richtig hält.

Nachschreibtermine wegen polnischer Abiturienten

Auch das städtische Karl-Liebknecht-Gymnasium in Frankfurt (Oder) setzt in einigen Fächern auf die Nachschreibtermine. Dahinter steht ein besonderer Grund: Einige der Abiturienten der Schule leben in Polen und lange war nicht klar, ob die polnischen Schülerinnen und Schüler wegen der Grenzkontrollen zu den Prüfungsterminen kommen können. "Als die Schulen im März plötzlich geschlossen wurden, war für uns überhaupt nicht absehbar, wie die polnischen Schüler an den Prüfungstagen nach Deutschland kommen", sagt Schulleiter Thorsten Kleefeld,

Durch die Verschiebung einiger Prüfungen auf die Nachschreibtermine konnte die Schule das Abitur auch für ihre polnischen Schüler ermöglichen. In der nächsten Woche sollen die verpassten Prüfungen nachgeholt werden. Anders als an der Grünheider Docemus-Privatschule überschneiden sich diese Nachschreibetermine hier aber nicht mit den MSA-Prüfungen.

Abitur in der Turnhalle

Aber durch die Corona-Krise ergaben sich an dem Frankfurter Gymnasium noch weitere Probleme. So können normalerweise in der Schulaula fast 100 Abiturientinnen und Abiturienten gleichzeitig Prüfungen schreiben. "Das ging in diesem Jahr aber nicht: Unsere Aula ist jetzt nur noch für 34 Prüflinge freigegeben", erklärt Schulleiter Kleefeld. Deswegen musste er die übrigen Prüflinge auf Klassenräume und Turnhallen aufteilen – mit der Folge, dass der Präsenzunterricht für die anderen Jahrgänge an diesen Tagen komplett ausfiel.

Auch an kleineren Schulen, wie dem Bundtstift-Gymnasium mit 20 Abiturienten, war die Organisation des Abiturs aufwendig: "Wann kommt welcher Schüler wo an, wann geht er sich wo seine Hände waschen. Das war alles extrem durchgeplant", erzählt Linda Krannich, Leiterin des privaten Gymnasiums in Strausberg (Märkisch-Oderland). In der Praxis habe es dann aber gut funktioniert.

Unterschiede bei Schutzausrüstung

Auffällig ist der Unterschied zwischen staatlichen und privaten Schulen bei der Ausstattung mit Schutzausrüstung. Im Gymnasium des privaten Katholischen Schulzentrums Bernhadinum in Fürstenwalde (Oder-Spree) stand laut Schulleiter Markus Mollitor jedem Prüfling auf seinem Platz eine kleine Flasche mit Desinfektionsmittel zur Verfügung. Am städtischen Karl-Liebknecht-Gymnasium in Frankfurt (Oder) gab es dagegen nur eine große Flasche pro Raum.

Positives Fazit beim Abitur

Die Abiturprüfungen sind inzwischen bis auf Nachschreibklausuren und mündliche Prüfungen abgeschlossen und viele Schulen ziehen eine positive Bilanz. Die Schüler seien außerordentlich diszipliniert gewesen, sagt etwa Markus Mollitor vom Bernhadinum in Fürstenwalde (Oder-Spree). "Sie waren natürlich aufgeregt, aber wir hatten alle den Eindruck, dass das keine Corona-Aufgeregtheit war, sondern das ganz normale Prüfungs-Bauchkribbeln."

Von allen fünf vom rbb befragten Schulen hieß es auch, die Schüler seien gut auf das Abitur vorbereitet gewesen. "Ich hab mich überhaupt nicht eingeschränkt gefühlt", sagt auch Julian Kurth, Abiturient am Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium in Frankfurt (Oder), "Wenn ich Fragen an den Lehrer hatte, konnte ich sie stellen. Und ansonsten waren wir mit dem Unterrichtsstoff ja schon fertig." Kurth findet sogar etwas Positives an dem Abitur unter Corona-Bedingungen: "Ich fand es entspannter, in kleineren Gruppen zu schreiben", sagt er, "Man fühlt weniger Druck, wenn schon jemand früher abgegeben hat. Und man konnte sich besser konzentrieren."

Räume knapp bei MSA-Prüfungen

Die MSA-Prüfungen sind derweil noch in vollem Gange. Auch hierfür fehlen oft die Räume. Markus Mollitor vom Bernhadinum-Gymnasium hat deshalb ein Schichtsystem eingeführt, wonach manche Schulklassen vorübergehend zuhause unterrichtet werden und andere zum Unterricht in die Schule kommen. Später wird gewechselt. 

Auch Lehrer fehlen

Aber Mollitor sieht noch ein weiteres Problem: Da die MSA-Prüflinge auf mehr Räume verteilt werden müssten, brauche es insgesamt mehr Lehrer für die Aufsicht. Die fehlten dann wiederum für den Präsenzunterricht. Weil viele seiner Lehrer zur Risikogruppe gehören, kann Mollitor derzeit nur etwa die Hälfte einsetzen.

Ähnlich sieht es beim Karl-Liebknecht-Gymnasium aus. 159 Schüler schreiben hier in diesem Jahr ihren MSA, verteilt auf zwei Turnhallen, Aulen und mehrere Klassenräume. Auch hier fehlen die Lehrer für den Präsenzunterricht, weswegen die Schüler aus den anderen Jahrgängen an den Prüfungstagen zuhause bleiben. Das sei nochmal eine deutliche Steigerung zum Abitur, sagt Schulleiter Kleefeld.

Zehntklässler ausreichend vorbereitet?

Zum Raum- und Personalproblem kommt das der Vorbereitung auf die Prüfungen. Im Vorfeld hatten mehrere Brandenburger Schüler, meist von städtischen Schulen, beklagt, sie hätten wegen Corona zu wenig Unterricht gehabt und seien nicht gut genug auf die MSA-Prüfungen vorbereitet. Thorsten Kleefeld vom Frankfurter Karl-Liebknecht Gymnasium hält dagegen: "Traditionell gehört es nach zehn Schuljahren einfach dazu, in bestimmten Bereichen sein Wissen und Können unter Beweis zu stellen, um einen Abschluss zu erwerben." Aber der Schulleiter hat auch Verständnis für die Kritik. Deswegen hat er dafür gesorgt, dass die Zehntklässler besonders viel Unterricht für das erste Prüfungsfach Deutsch bekamen, nachdem der Unterricht Ende April wieder losgegangen war.

Fast alle Zehntklässler nehmen an Prüfung teil

Doch es gibt auch andere Meinungen: "Ich denke, dass die Schüler in der Vorbereitung beeinträchtigt sind, weil sie sich nicht unter den gewohnten Umständen und dem gewohnten engen Kontakt mit Lehrern vorbereiten konnten", sagt Michael Wolf, Leiter des Pankethal Gymnasiums im Barnim. Er wäre dafür gewesen, die MSA-Prüfungen in diesem Jahr ausfallen zu lassen. Doch das Bildungsministerium hatte anders entschieden und sieht sich bestätigt: Fast 20.000 Schüler seien am Mittwoch zu der MSA-Prüfung Deutsch erschienen, teilte das Ministerium mit. Das seien mehr als 98 Prozent.

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