Circusdompteur Manuel Wille hält seinen Kamelen eine Möhre zu Fressen hin. Der Zirkus ist im Winterquartier in Müncheberg in Not geraten und hat kaum noch Futter für die Tiere.
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Audio: Antenne Brandenburg | 24.03.2020 | Autor: Fred Pilarski | Bild: rbb/Fred Pilarski

Einschränkungen wegen Corona - Gestrandete Wanderzirkusse geraten in Not

Auch Zirkusse leiden unter der Corona-Pandemie. Einnahmen brechen weg, die Mitarbeiter machen sich Sorgen um ihre Tiere. Ein Großzirkus mit Raubkatzen sitzt wegen der Einschränkungen in Müncheberg fest, ein weiterer in Friedland. Von Fred Pilarski und Stefan Kunze

Was Sie jetzt wissen müssen

Fünf Tiger, drei Löwen - und fast nichts mehr zu fressen. Circus William, einer der ältesten und letzten Großzirkusse in Deutschland, verdient gerade keinen Cent. Mit ihren Tieren sitzen die Mitarbeiter fest im Winterquartier in Müncheberg (Märkisch-Oderland).  

Dompteur ist verzweifelt

Aber Dompteur Manuel Wille kann seine Raubkatzen nicht mit Streicheleinheiten füttern. Seit Tagen verhandelt er verzweifelt wegen eines Zuschusses mit den Behörden. "Das ist unser Lebenswerk, wir führen den Zirkus in siebter Generation", sagt Wille. "Mein Opa hat den Krieg überstanden, schwere Zeiten hat jeder. Aber das wir gar nicht vorwärtskommen und gar nicht mehr reisen können, daran denken wir gar nicht. Denn das ist unser Leben - sonst hängen wir uns an den nächsten Baum zum Trocknen."

Kamelen droht der Hunger

Der Zirkus hilft sich noch mit Futterspenden. Doch ein paar Stiegen Brot und Möhren sind für die 30 Kamele nur ein Häppchen. Das Zirkus-Problem sei in der Kreisverwaltung Märksch-Oderland angekommen. Man arbeite an einer Lösung, heißt es dort vage.

Wanderzirkus "Sensationell" ist in Groß Muckrow gestrandet.
Ein Jongleur übt jonglieren mit Keulen vor dem Zirkuszelt vom Wanderzirkus "Sensationell" - gestandet in Groß Muckrow. | Bild: rbb/Brandenburg Aktuell

Wanderzirkus gestrandet

In Groß Muckrow, einem Ortsteil von Friedland (Oder-Spree), ließ Corona den kleinen Wanderzirkus "Sensationell" stranden: mit den Ponys Max und Moritz, mit Kaninchen und Ziegen. Offiziell kommt die Zirkusfamile aus der Nähe von Treuenbrietzen, sagt Virginia Renz vom Zirkus. "Da haben wir nur einen Briefkasten und kein richtig festes Winterquartier", sagt sie. Wir möchten schon gern eines haben, aber das kostet einen Haufen Geld. Das haben wir leider nicht."

Wanderzirkus "Sensationell" ist in Groß Muckrow gestrandet.
Zwei Zwergponys vom Wanderzirkus "Sensationell" - der ist gestrandet in Groß Muckrow. | Bild: rbb/Brandenburg Aktuell

Überleben dank Futterspenden

Das Ordnungsamt verlangte dennoch, den Platz zu räumen. Der Ortsvorsteher protestierte. Friedlands Bürgermeister Thomas Hähle lenkte jetzt ein. "Wenn ich den jetzt losschicke, schicke ich den in die Obdachlosigkeit und das machen wir nicht", sagte er am Montag.

Bislang kümmern sich die Anwohnerinnen und Anwohner in Groß Muckrow mit Futter- und Geldspenden um ihre gestrandeten Gäste. So kommen sie erst einmal über die Runden.  

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3 Kommentare

  1. 3.

    Für ein Pony sicherlich ok. Bei Löwen und Tiger wirds da wohl schon schwieriger. Ich darf doch davon ausgehen, dass der Staat hier einspringt. Genug Geld, sind wir mal ehrlich, ist auch dafür da.

  2. 2.

    Gibt es Nachbarn/Tierfreunde, die die Tiere kostenlos beherbergen und füttern würden, soweit das genehmigungsfreie Tierhaltung wäre, und würden die Zirkusbetreiber das in Anspruch nehmen? Ich kann mir vorstellen, ein paar Tiere durchzufüttern, je nachdem, ob groß oder klein oder wie sie zu halten wären. Standort Berlin mit Garten

  3. 1.

    Egal wie man zu einem Zirkus steht, auch denen muss man schnell und unbürokratisch helfen. Q

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