Zweite Auflage - Pride-Parade zieht für die Rechte von queeren Personen durch Frankfurt und Slubice

Teilnehmer an der Demonstration von Schwulen- und Lesbenvereinen der Städte Slubice (Polen) und Frankfurt (Oder) ziehen über die Oderbrücke. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Audio: Antenne Brandenburg | 03.09.2021 | Karolina Szulejewska | Bild: dpa/Paul Zinken

Verbale und körperliche Übergriffe, fehlende Beratungsstellen - queere Menschen fühlen sich in Polen diskriminiert. In Slubice und Frankfurt (Oder) wollen deshalb Demonstranten auf die Straße gehen - der Slubicer Bürgermeister will nicht teilnehmen. Von Karolina Szulejewska

LGBT-Demonstranten (Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender) wollen am Sonntag durch Frankfurt (Oder) und Slubice ziehen. Unter dem Slogan "Liebe ohne Grenzen" fordern die Veranstalter mehr politische Präsenz und eine bessere queere Infrastruktur in der Doppelstadt. Sie protestieren auch gegen zunehmende Homo- und Transfeindlichkeit in der Region. Das Organisationsteam besteht aus 25 unabhängigen Personen aus Deutschland und Polen. Sie veranstalten den Pride zum zweiten Mal.

Mehr Sicherheit und Sichtbarkeit in der Grenzregion

"Die Doppelstadt soll ein sicherer Ort für alle sein" schreiben die Veranstalterinnen und Veranstalter in ihrem Aufruf. Bisher müssten queere Menschen in Frankfurt (Oder) und Slubice mit verbalen und körperlichen Übergriffen rechnen. Um darauf aufmerksam zu machen, hat das Orgateam eine Datenbank eingerichtet. Dort sollen homo- und transfeindliche Vorfälle protokolliert und veröffentlicht werden. Außerdem beschwert sich die Organisatorin Peggy Lohse über die schwache queere Infrastruktur in der Region: "Es gibt keine Beratungsstelle für queere Menschen, die mit ihrer Identität oder an ihren zugeschriebenen Rollen hadern."

Deswegen wünscht sich Lohse einen sicheren Treffpunkt für die LGBT-Community, der doppelstädtisch ausgerichtet ist. So ein Ort könnte kommen. Dank dem Pride vom letzten Jahr gebe es eine Aussicht auf Fördermittel des Landes Brandenburg. Dieser Pride habe weitere spürbare Fortschritte gebracht. Das Orgateam sei in der Doppelstadt politisch präsenter und wird zu Fraktionssitzungen eingeladen. Das Team organisiert auch Ende September einen Workshop für das diesjährige Bildungsforum zu queeren Themen. An dem Workshop nehmen deutsche und polnische Lehrer teil.

Solidarität mit queeren Personen in Polen

Das deutsch-polnische Team will sich mit der Community in Polen solidarisch zeigen, weil sie einer besonders starken homo- und transfeindlichen Stimmung ausgesetzt sei. Trotz Strafandrohung der Europäischen Union werden in Polen sexuelle Minderheiten diskriminiert. Gerade im Südosten von Polen gibt es ganze Gemeinden, die sich vor zwei Jahren zu sogenannten "LGBT-freie Zonen" erklärt haben. Die regierende konservative PiS-Partei richtet sich "gegen die Einführung der 'LGBT'-Ideologie". Diese sei an der "Vernichtung der christlichen Werte orientiert". LGBT-Propaganda bedrohe die traditionelle Familie und "die Entwicklung der jungen Generation".

Slubice ist zwar keine LGBT-freie Zone, aber die diskriminierte Community in Polen kann mit keiner Unterstützung des Bürgermeisters rechnen. Wie im letzten Jahr hat Amtsträger Mariusz Olejniczak auch dieses Jahr die Einladung zum Pride nicht angenommen. Seine Begründung dafür: Slubice sei eine offene Stadt ohne Homofeindlichkeit.

Einer ganz anderen Meinung sind die Pride Organisatoren. Sie wiederholen ihre Forderung aus der Vergangenheit: "Wir möchten, dass Frankfurt und Slubice Stellung nehmen und sich als LGBT-freundliche 'Zone der Vielfalt' erklären", sagt Nikita Filipiak, eine nicht binäre Person aus Rzepin.

Marsch über die Grenze

Die grenzüberschreitende Pride-Demo beginnt am Sonntag um 12 Uhr in Plac Bohaterow im polnischen Slubice. Nach den ersten Redebeiträgen zieht die Parade Richtung Frankfurt (Oder) und macht an der Brücke Halt. Dort wollen Lokalpolitiker das Wort ergreifen, unter anderem der Oberbürgermeister von Frankfurt Rene Wilke (Linke). Die letzte Station ist der Brunnenplatz in Frankfurt. Im Anschluss an die Demo ist ein Konzert und eine Drag-Performance geplant.

In beiden Ländern müssen Teilnehmer*innen einen Mund-Nasen-Schutz tragen und einen Abstand von 1,50 Metern einhalten. Beim Grenzübergang gelten die 3G-Regeln - das heißt, Teilnehmende müssen eine vollständige Corona-Schutzimpfung oder Genesung oder einen aktuellen negativen Covid-19-Test vorweisen können. Wegen des Bahnstreiks fallen viele Regionalzüge aus. Der Berliner Ableger der polnischen, feministischen Organisation Dziewuchy [Deutsch: Mädchen/Mädels] organisiert einen kostenfreien Bus-Transfer aus Berlin.

Sendung: Antenne Brandenburg, 03.09.2021, 15:40 Uhr

25 Kommentare

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  1. 25.

    Ich weiß jetzt garnicht, ob dass NUR dem Vatikan zugeschrieben werden könnte. Immerhin gibt es ja spezfische Differenzen zwischen Jose Mario Bergoglio, mit selbstgewähltem Namen Franziskus, und dem Umfeld, das in diesem Kontext sogar konservativer ist.

    Manchmal habe ich den Eindruck, dass die "hohe Geistlichkeit" auch in Polen als intellektuelle Gruppe weiter ist als die Unzahl vorhandener Ortspfarrer, Bischöfe und Kardinäle vor dem Hintergrund eingeschliffener Verhältnisse. Deutschland ist nicht unbedingt traditionell papsthörig, doch in bayerischen Bergdörfern sieht die Lebensrealität für gleich- und transsexueller Menschen nicht unbedingt sehr viel anders aus als in den beschriebenen Gebieten Polens.

    Bloß dass Aufkleber gedruckt und Zeitungen beigelegt werden, das ist hier definitiv ausgeschlossen.

  2. 24.

    Sie schrieben schon sehr oft homophobe Kommentare, da scheint das Wort Toleranz tatsächlich für Sie einen anderen Wert zu haben. Wahrscheinlich sind Sie ein Opfer derer, die nun tatsächlich einen humanen Verstand von Ihnen verlangen. Das wäre tatsächlich zuviel verlangt, da sind wir tolerant.

  3. 23.

    Der Beitrag gibt das leider nicht her, organisieren Sie doch einfach mal eine Demo für Vielfalt und gleichgeschlechtliche Liebe an der Grenze, vielleicht in Frankfurt. Für Eltern und Kinder und für den Wert des Menschen, der durch nichts, auch nicht durch dumme Kommentare, angegriffen werden darf. Fangen Sie an und sagen Sie Bescheid, wenn es losgeht. Viel Glück.

  4. 22.

    Wann wird denn endlich für die normale Familie (Mann, Frau und Kind) demonstriert?

  5. 21.

    Zitat: "Ja, das ist das typische Denken der "Zeichensetzer". Wer nicht mitläuft, muss dagegen sein. Wer sind jetzt eigentlich die Intoleranten?"

    Mal davon abgesehen, dass Politik machen zu einem (nicht geringen) Teil aus "Zeichensetzen" besteht, haben Sie offenbar meinen Beitrag nicht verstanden. Der BM hat sich mit der Behauptung: "Slubice sei eine offene Stadt ohne Homofeindlichkeit." und deshalb müsse er sich nicht Aktion beteiligen aus der 'Affäre' zu ziehen versucht, einen Standpunkt einnehmen zu müssen. Und dies ganz offensichtlich deshalb, weil er weder der in diesem Punkt m. E. menschenfeindlichen PiS Politik noch den Städtepartnern aus Frankfurt gegenüber anecken wollte.

    Dafür nun Respekt auszusprechen, wie der User "Jan" es tat, schient mir nicht wirklich angebracht, Steffen.

  6. 20.

    John Cleese: (Monty Python)"...ich denke nicht, dass wir eine Gesellschaft anhand der Empfindungen der am leichtesten zu verstörenden Menschen organisieren sollten, denn dann hat man eine sehr neurotische Gesellschaft…. "

  7. 19.

    Ja leider drehen einige gleich durch, nur weil man anderer Meinung ist. Gerade da fängt ja die Toleranz an auch Meinung zuzulassen.

  8. 18.

    Da haben Sie völlig Recht. Mich interessieren nicht die Belange .
    Ich bringe genug Toleranz und Verständnis dafür auf, aber das war es auch.
    Das Sie sich selbst als " Minderheit " bezeichnen sagt alles.
    Wie schon geschrieben, ich bin froh das der rbb24 ein Auge auf die Kommentare hat.

  9. 16.

    Schon lustig, wie man hier angegriffen wird, ohne den Beitrag offensichtlich gelesen oder verstanden zu haben. Meine Meinung zu dieser Veranstaltung können sie doch gar nicht kennen, dazu habe ich mich nicht ansatzweise geäußert. Nur die Meinung des Bürgermeisters verdient meinen Respekt weil er, der anderer Meinung ist, eben nicht wie andere Politiker an der Spitze läuft und sich feiern lässt. Beiträge zu lesen und zu verstehen ist bei ihnen offensichtlich noch schwieriger als Toleranz zu üben, macht aber nichts, da steh ich weit drüber.

  10. 15.

    Schon Ihre Ausdrucksweise läßt darauf schließen, dass Sie null Verständnis zeigen für die Belange von queere Menschen. Denn darum geht es. Und da ich nun mal dieser Minderheit angehöre, werde ich mich auch weiterhin hier zum Thema äußern. Ob es Ihnen passt oder nicht.

  11. 14.

    Es ist ganz gut dass der rbb24 manche Kommentare nicht freischaltet.
    Vieles ist einfach nur persönlich und interessiert keinen Menschen.
    Jeder soll machen wie er will aber mir nicht mit sein Geschquatsche belästigen.
    Schreiben Sie einfach zu Thema und nicht zu Ihrer Lebensform.

  12. 13.

    Ach Sie schon wieder. Auch wenn es um das konservative Polen geht, lassen Sie jegliche Kritik daran nicht zu. Dabei hat Motte alles sehr wohlweislich hier richtig kommentiert. Dem habe ich nichts hinzuzufügen, außer dass Sie immer wieder hier versuchen rechtes Gedankengut zu verteidigen.

  13. 12.

    Dass die "Mehrheit der Polen" für eine Gleichberechtigung gleich- und andersgeschlechtlicher Menschen eintreten, halte ich augenblicklich noch für zu optimistisch gedacht. Auf intellektueller Ebene mag dies zutreffen. Ansonsten ist eine Homophobie vor allem in ländlichen Gebieten und im Süden und Osten Polens sehr stark verbreitet. Das Menschenbild wird so interpretiert, dass allein die Fortpflanzungsfähigkeit und der Fortpflanzungswillen das einzig wahrhafte Menschsein kennzeichne. Daraus abgeleitet sind dann alle, die dies nicht können oder wollen, von Krankheit befallen wären und gefälligst zu heilen.

    Das westliche Polen befindet sich mehr im Umbruch als das östliche Polen. Zweites ist es, das Propaganda gegenüber dem überfälligen Wandel macht und auch die Engstirnigkeit der nationalen Regierung speist.

  14. 11.

    Auch wenn ich mich jetzt in die Nesseln setze, aber solange es Menschen gibt, die der Meinung sind, dass solche Demos nicht notwendig sind, muss es diese Demos geben. Queer zu sein, ist normal. Man kann sich nicht aussuchen, wen man liebt, oder mit welchem biologischen Geschlecht man geboren wird. Vielleicht sollten wir langsam begreifen, dass nicht das Äußerliche oder die sexuelle Orientierung wichtig sind, sondern der Charakter. Happy Pride.

  15. 10.

    Bestimmt, oder nur 3G muss nicht. Einreise ist nach Polen ist ja auch 3G oder das schon wieder nicht aktuell?

  16. 9.

    Es gibt auch in Polen diese Organisation: Dziewuchy Dziewuchom mit Sitz in Warschau. In diesem Kontext ist aber in der Tat die Berliner Gruppierung gemeint, die die Fahrten organisiert. Wir haben das präzisiert. Vielen Dank für Ihren Hinweis

  17. 8.

    Ja, das ist das typische Denken der "Zeichensetzer". Wer nicht mitläuft, muss dagegen sein. Wer sind jetzt eigentlich die Intoleranten?

  18. 7.

    Ihre ständigen Beleidigungen und Angriffe sind Substanz-und niveaulos. Nur der geringste Teil derer, die eine solche Demo nicht notwendig erachten oder aus anderen berechtigten Gründen ablehnen, ist auch homophob. Es gibt einen Unterschied zwischen Akzeptanz und Toleranz und beides genügt den Menschenrechten und dem Grundgesetz. Ihr Schwarz-Weiß-Denken ist aus der Zeit gefallen.

  19. 6.

    Danke für diesen überaus wichtigen Kommentar. Ebenso gilt mein Dank an Gerd Glaudino. rbb24 läßt meinen vom Inhalt ähnlich aufrichtigen kleinen Beitrag hier nicht zu.

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