Verhandlungen mit VBB - Studierende wollen für günstiges Semesterticket auf die Straße gehen

Fahrgäste warten im Berliner Hauptbahnhof auf die S-Bahn. (Quelle: Carsten Koall/dpa)
Bild: Carsten Koall/dpa

Die Verhandlungen mit dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg für ein neues Semsterticket sind nach Ansicht von Studierendenvertretern ins Stocken geraten. Nach einigen Gesprächsanläufen wollen sie jetzt demonstrieren. Von Georg-Stefan Russew

Studierendenvertreter wollen im Kampf um ein preisgünstiges Semsterticket mit dem Verkehrsverbund Berlin Brandenburg (VBB) jetzt auf die Straße gehen. Daher ruft die Interessengemeinschaft Semesterticket Berlin-Brandenburg (IGSemTix) für Donnerstag alle 210.000 Studierenden in der Hauptstadtregion zu Protesten auf.

"In der jetzigen Situation der Verhandlungen braucht es ein öffentlichkeitswirksames Zeichen, dass wir unser Semesterticket retten wollen", erklärte am Dienstag der IGSemTix-Verhandlungsführer Matthias Weingärtner. "Die aktuell geplanten Erhöhungen von bis zu 75 Euro pro Semester halten wir für unverschämt. Wir befürchten damit ein Ende des solidarisch finanzierten Semestertickets", so Weingärtner weiter.

75 Euro mehr auf drei Jahre gerechnet, nicht pro Semester

Der VBB reagierte gelassen. "Zu demonstrieren ist das gute Recht der Studierenden", erklärte Sprecher Joachim Radünz. Man werde sie selbstverständlich empfangen. Allerdings, das stellte Radünz im Gespräch mit dem rbb heraus, hätte die Studierendenschaft etwas nicht richtig verstanden. "Die kolportierte Erhöhung von 75 Euro gilt nicht pro Semester, sondern ist auf einen dreijährigen Vertragsabschluss ausgelegt", betonte der VBB-Sprecher.

Das entspräche lediglich der Erhöhung von 12,50 Euro pro Semester. Im Übrigen bestimme nicht der VBB die Preise, letztlich stünden hier die Länder in der Verantwortung. Radünz zufolge müsse man einen guten Öffentlichen Personennahverkehr finanziert bekommen. Zudem sei das Semesterticket in den vergangenen fünf Jahren nicht erhöht worden.

Studierendenvertreter widersprechen VBB

Die Studierendenvertreter reagierten verhalten auf die VBB-Reaktion. Co-Verhandlungsführer Tilman Kolbe erklärte mit Blick auf Studierende in Frankfurt (Oder), dass diese aktuell 170 Euro für das Semesterticket zahlten. "Nach der Erhöhung sollen es nach unserer Liste, die wir vom VBB erhalten haben, 245 Euro sein. Ergo: 75 Euro je Semester Erhöhung", betonte Kolbe gegenüber dem rbb.

Daher verlangte Kolbe, dass der VBB an den Verhandlungstisch zurückkehre. Denn nur im Austausch könnten Lösungen gefunden werden. Zuletzt sei der VBB nach Kolbes Angaben mehrfach nicht zu den gemeinsam vereinbarten Gesprächen erschienen. Zudem müsse eine Preiserhöhung um mindestens ein weiteres Jahr in der Hauptstadtregion ausgesetzt werden. Mittelfristig müsse ein einheitliches Jahres-Semesterticket in Berlin und Brandenburg für 365 Euro analog zum Azubi-Ticket eingeführt werden, dass das gesamte Verkehrsgebiet des VBB umfasst.

In Berlin zeichne sich nach Kolbes Angaben eine kurzfristige Lösung ab, sofern das Abgeordnetenhaus den Antrag für ein Semesterticketpreis-Moratorium denn tatsächlich beschließt. "In Brandenburg appellieren wir insbesondere an das Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung (MIL) und die Abgeordneten des Landtages, entsprechende Gelder bereitzustellen", so Kolbe weiter.

Die Demonstration soll am Donnerstag vor dem VBB-Hauptsitz am Berliner Ostbahnhof stattfinden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 14.09.2021, 13:30 Uhr

14 Kommentare

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  1. 14.

    Sie haben aber sehr viel zur Verteidigung angebracht, hat Berta dann vielleicht doch Recht? Ich bin jedenfalls ihrer Meinung. Dann kann sich Berlin die POP-Up-Wege ja sparen.

  2. 12.

    Liebe*r Gerdi,
    Natürlich müssen auch Studierende für Ihren eigenen Unterhalt sorgen. Das tun die meisten auch. Wer jedoch in Vollzeit studiert, den Höchstsatz Bafög erhält und zusätzlich einen 450-Euro-Job hat, schwimmt jedoch nicht gerade in Geld, vor allem nicht angesichts der Mieten, die viele von uns zahlen müssen. Dennoch sind wir beispielsweise seit Jahren bereit, einen etwas höheren Preis für unser Ticket zu zahlen, um etwa Kommiliton*innen, die keine Nebenjobs haben können, da sie sich um Kinder oder Angehörige kümmern, die Befreiung von dieser finanziellen Belastung zu ermöglichen. Dies gilt zumindest in meinem Umfeld selbst für die Personen, die sich grundsätzlich nur mit dem Fahrrad von À nach B bewegen. Dennoch stellt ein so stark erhöhter Ticketpreis eine extreme Belastung für viele von uns dar, vor allem, nachdem im Zuge der Pandemie viele ihre Nebenjobs verloren haben und ihre Tickets über ein Jahr lang so gut wie gar nicht genutzt haben. Natürlich bilden die Unis und Hochschulen die Führungskräfte von morgen aus, aber auch die Fachkräfte. Wer vom Elternhaus nicht umfangreich finanziell unterstützt wird, muss nunmal etwas mehr aufs Geld achten. Diejenigen, die hart arbeiten, um aufzusteigen, werden hier wieder einmal am schwersten getroffen werden.

  3. 11.

    ich habe als Schüler 1972 auch geglaubt im Jahr 2000 werden wir das Wohnungsproblem gelöst haben. Alle haben ein Auto und der Hunger in der Welt ist gegessen. Es sah fast so aus aber nun .......

  4. 10.

    Nicht streiken , macht doch nen Hungerstreik … grins !

  5. 9.

    Mit dem Studium ist es wie mit Autos, man muss es sich leisten können und darf nicht jammern wenn man es sich nicht leisten kann.

  6. 7.

    Wer bis 0 Uhr im Szene-Cafe sitzen kann, kann auch laufen. Studierende haben zu viel Zeit, sollten Nebenjobs machen, dann klappt auch mit dem Ticket-Preis. Ich bin gegen Subvention der Führungskräften von Morgen. Sollen sich alles selbst erarbeiten.

  7. 6.

    Günstige Fahrscheine während des Semesters fordern, aber wenn dann das Studium mal beendet ist, den Finanzies einen gerechten Lohn Gehalt Rente verweigern. Nein Danke!
    Im übrigen streikt doch, es fällt in dieser Stadt niemandem auf. Oder besserNoch geht einfach zu Fuß. Dann bleibt für die Versehrten ein Sitzplatz im ÖPNV.

  8. 5.

    Hauptsache, autoritär und adultistisch pöbeln, aber zu sagen haben Sie außer heißer Luft nichts.

    Die finanzielle Situation von Studierenden ist grds. schlecht. Arbeiten können sie nur prekär und auch das nur sehr begrenzt. Sie können also keine "Marktanpassungen" mitgehen, weil sie vom Markt als Arbeitskräfte ausgeschlossen sind. Mit gutem Grund, denn ich würde gern mal die Gesichter derjenigen sehen, die sich über Studierende aufregen, wenn diese wie vollwertige Arbeitnehmer*innen behandelt werden müssten.

    Die konstruktiven Vorschläge, berlin- und brandenburgweit einheitliche Semestertarife festzulegen, halte ich für angebracht, die Selbstständigmachung des teilstaatlichen Betriebs des Verkehrsbundes für absolut unangemessen.

    Was passiert denn, wenn die VBB-Forderungen durchkommen? Dann wird das Semesterticket boykottiert, flächendeckend wenn mögl. Ökonomisch, politisch u. rechtlich durchdacht ist das nicht vom VBB.

  9. 4.

    Das Fahrrad ist das Verkehrsmittel der Zukunft.

  10. 3.

    Allmählich reicht dieses Gejammer. Dann sollten die bisherigen Ermäßigungen für Studenten abgeschafft werden.

  11. 2.

    Die Sudenten gehn mir mit ihren Forderungen auf die Nerven. Lehrjahre sind nun mal keine Herrenjahre.

  12. 1.

    Verstehe ich nicht ganz, wollten die Studierenden nicht Fahradfahren? Wenn nicht könnten dann doch die parallel zu den öffentlichen wie U-Bahn Tempelhofer Damm die Fahradstreifen wegfallen. Vielleicht ist es denen aber dann doch zu kalt im Winter.

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