Barnim - Bernauer am Sonntag zur Bürgermeisterwahl aufgerufen

Fr 17.06.22 | 19:14 Uhr
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Archiv: Blick entlang der Bürgermeisterstraße auf die im Stil der Spätgotik errichtete St.-Marien-Kirche von Bernau (Landkreis Barnim) bei Berlin. (Foto: Karlheinz Schindler/dpa)
Video: rbb24 Brandenburg Aktuell | 17.06.2022 | Helge Oelert | Bild: Karlheinz Schindler/dpa

Die Bernauer bestimmen am Sonntag über den Chefposten im Rathaus. Die Hauptaufgabe des Bürgermeisters oder der Bürgermeisterin wird die Bewältigung der Wachstumsfrage sein - die Stadt bewegt sich auf die 50.000-Einwohner-Marke zu.

Rund 35.500 Wahlberechtigte sind am Sonntag in Bernau (Barnim) bei Berlin aufgerufen, ein neues Stadtoberhaupt zu wählen. Insgesamt stehen fünf Kandidatinnen und Kandidaten zur Auswahl, die es auf den Chefsessel im Rathaus zieht.

Dabei steht Amtsinhaber André Stahl (Linke) zur Wiederwahl. Seine Konkurrenten sind Lars Stepniak-Bockelmann (SPD), Markus Brendel (Die Basis), Mario Schlauß (Die Partei) und Anette Kluth (BVB/Freie Wähler).

Einer oder eine der Fünf müssen dann Bernaus drängendstes Problem lösen - das massive Wachstum der Stadt. Seit der Wiedervereinigung hat sich die Einwohnerzahl der Stadt am nordöstlichen Stadtrand Berlins nahezu verdoppelt. Derzeit leben hier 42.000 Menschen und die 50.000-Einwohner-Marke kommt in greifbare Nähe. Mittlerweile ist Bernau die siebtgrößte Stadt in Brandenburg.

Das große Verkehrsaufkommen ist für viele Bernauer ein wichtiges Problem

So wünschen sich Anwohner, dass das Verkehrsaufkommen in der Stadt in diesem Zusammenhang besser organisiert werde. Eine Mutter berichtete im Gespräch mit dem rbb, dass es ohne Ampelanlagen mit kleinen Kindern an der Hand sehr schwierig sei, die andere Straßenseite zu erreichen. In Bernau werde so viel gebaut und so viele Menschen zögen in die Stadt, dass ein Straßenwechsel so sehr herausfordernd sei.

Eine andere Frau forderte, dass die gesamte Infrastruktur für den Auto- und den Nahverkehr überarbeitet werden müsse. Mitunter müsse man mehr als eine Stunde auf Busse nach Schönow oder Zepernick warten.

Andre Stahl (Linke). (Foto: Annette Riedl/dpa)
André Stahl | Bild: Annette Riedl/dpa

André Stahl (Linke)

Amtsinhaber Stahl will diese Probleme angehen, wie er sagt. Seit acht Jahren ist er am Ruder und will nicht aufhören. Er sagt, er glaubt, dass 90 Prozent der deutschen Kommunen Bernau um seine Probleme beneiden würden.

Auf seinen Wahlplakaten hat sich Stahl als Marke erfunden. Diese zieren zentral auf weißem Grund eine Brille und eine rote Krawatte. Dass er von der Linken kommt, geht dagegen fast unter. "Da ich immer mit einem hellen Hemd mit roter Krawatte unterwegs bin, ist das tatsächlich ein Markenzeichen von mir und die Brille ist wohl auch sehr prägnant", sagt er.

Lars Stepniak-Böckelmann (SPD) (Foto: rbb)
Lars Stepniak-Bockelmann | Bild: rbb

Lars Stepniak-Bockelmann (SPD)

Mit allzu starker Markenpositionierung hat es Lars Stepniak-Bockelmann (SPD) auf seinen Wahlplakaten nicht. Er ist der gemeinsame Kandidat von SPD und Grünen. Die Einwohnerzahl Bernaus hat sich seit der Wende verdoppelt - deshalb treibt ihn das Thema Wachstum um, wie er sagt. Es gebe viele Neubaugebiete in Bernau. Einheimische, aber auch Menschen aus der Umgebung seien dorthin gezogen.

Wenn Bernau so attraktiv für die Menschen sei, warum sollte man dann den Zuzug beschränken, gibt Steniak-Bockelmann als sein zentrales Credo aus. Man müsse dafür sorgen, dass die Straßen nicht verstopft seien, dass die Pendler ordentlich ans Ziel kämen. Denn Bernau sei noch immer eine Pendlerstadt und die meisten Pendler führen immer noch nach Berlin.

Anette Kluth tritt für BVB/Freie Wähler an. (Foto: rbb)
Anette Kluth | Bild: rbb

Anette Kluth (BVB / Freie Wähler)

Die Kandidatin von BVB/Freien Wähler, Anette Kluth, will den Zuzug radikal reduzieren, obwohl sie selbst erst vor neun Jahren nach Bernau gekommen ist. "Wir haben mittlerweile Wachstumsschmerzen", sagt sie. "Die werden auch noch stärker werden - spätestens dann, wenn alle jetzt geplanten Neubaugebiete fertig sind. Dann werden wir bei 50.000 Einwohner landen."

Das alles verursache Wachstumsschmerzen - vor allem in den infrastrukturellen Bereichen wie medizinische Versorgung, Verkehr, Soziales, sagt Kluth weiter. "Und das ist aus meiner Sicht nicht mehr verträglich."

Foto vom Wahlplakat von Markus Brendel. (Foto: rbb)
Plakat von Markus Brendel | Bild: rbb

Markus Brendel (Die Basis)

Auch der Kandidat der Partei "Die Basis", Markus Brendel - beschäftigt sich mit den Wachstumsschmerzen. Essenziell sei für ihn auch der drohende Energiekollaps, sagt er.

Es müsste in Kooperation mit den Stadtwerken und einer Bürgerversammlung ein Weg gefunden werden, wie mit zu erwartenden Gaspreissteigerungen umzugehen sei, so Brendel weiter. Es brauche sozial machbare Lösungen für die anstehende Heizsaison.

Foro vom Wahlplakat von Mario Schlauß. (Foto: rbb)
Plakat von Mario Schlauß | Bild: rbb

Mario Schlauß (Die Partei)

Die Satire-Partei "Die Partei" hat sich in Bernau mit ihrem Kandidaten Mario Schlauß auf ein herzliches "Fick dich“ reduziert. Aber das sei wenigstens "ehrlich", schreibt er auf seinem Wahlplakat.

Wahlbeteiligung könnte ein Problem werden

Nicht nur wegen des angekündigten heißen und sonnigen Wochenendes könnte die zu niedrige Wahlbeteiligung in Bernau am Sonntag ein Problem werden, im ersten Wahlgang eine Siegerin oder einen Sieger zu küren. So gab in den vergangenen acht Jahren bei Bürgermeister- oder Landratswahlen nicht einmal jeder Zweite in Brandenburg seine Stimme ab.

Wahlberechtigt ist jeder Deutsche oder EU-Bürger, der seinen Hauptwohnsitz in Bernau und das 16. Lebensjahr vollendet hat. Um die Wahl für sich zu entscheiden, muss eine Kandidatin/ ein Kandidat mehr als 50 Prozent der abgegebenen, gültigen Stimmen auf sich vereinen. Zusätzlich muss die Siegerin oder der Sieger das Quorum vom 15 Prozent erreichen - also mehr als 5.300 Stimmen.

Falls am Sonntag keiner der fünf Kandidaten die 50-Prozent-Hürde nimmt und das Quorum schafft, kommt es am 3. Juli zur Stichwahl.

Sendung: rbb24 inforadio, 17.06.2022, 12:50 Uhr

6 Kommentare

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  1. 6.

    Es geht doch nicht um die Menschen, die zuziehen. Jeder kann dort hinziehen, wo er will. Aber wenn eine Stadt Baugebiete für Tausende Menschen ausweist, dann muss sie auch die Infrastruktur mitplanen. Solange die nicht mitwächst, gibt es Probleme. Das ist normale Städteplanung. Wer das nicht versteht, kann nicht Bürgermeister bleiben. Denn kritisiert wird die Bebauung, nicht die Menschen, die zuziehen. Das sagt immer nur Stahl, um die Kritik am grenzenlosen Bauen zu diskreditieren.

  2. 5.

    Herr D.Sauer?? CDU?? Der mit den Linken Hr.Vida absäbelte um selber den Posten von Hr. Vida zu übernehmen? Der Beitrag ist Pro Stahl, leider wurde in dem Beitrag nicht erwähnt, dass er in Biesenthal wohnt, aber Fr. Kluht vor acht Jahren zu gezogen ist. Ich bin auch im Nov. 1966 zugezogen und kenne Bernau noch von früher (war nicht alles besser) aber was sich in den letzten Jahren hier abspielt/te geht gar nicht. Straßen verstopft, Stadtbus steht im Stau, so gut wie keine Radwege und und. Er möchte Bernau auf die 50.000 Einwohner bringen um mehr Förderung zu bekommen und sein Gehalt steigt. Und noch eins, wenn Bernau nicht an Berlin grenzen würde, würde sich der Ärztemangel noch gravierender auswirken, denn es fahren genügend dorthin um Termine zu bekommen.

  3. 4.

    Sie haben ja voll den Plan. Als würde Hr.Stahl alles alleine Entscheiden. Ausserdem ist er natürlich nur für schlechte Dinge zuständig gewesen. Das sich in Bernau ne Menge verbessert hat,kann man dann schonmal ausblenden. Richtig peinlich:Die freien Wähler. Da wird auf Zuzug geschimpft usw. Da kann man dann schonmal ausblenden das die Kandidatin von denen auch erst vor ein paar Jahren zugezogen ist. Und egal wer gewinnt:Es wird nicht mehr Straße und auch nicht mehr Ärzte geben. Aber, versprechen kann manns ja trotzdem,nicht?

  4. 3.

    Herr Stahl will sich dieser Probleme annehmen...er hat doch diese massive Bebauung zu verantworten. Jetzt wird erst an Verkehr und Infrastruktur gedacht, das hätte vorher passieren müssen.
    Es wird Zeit für einen Wechsel.

  5. 2.

    Es heißt Stepniak-Bockelmann, ohne die Pünktchen. Aber ja uptsache das accent bei Andre ist dabei.

  6. 1.

    Der Beitrag ist sehr Andre Stahl-lastig. Längste Sendezeit, wird am meisten hofiert, da geht es wenig um Zukunft und Ziele, als viel mehr um Markenstrategie und in die Kamera lächeln. Mäßige Berichterstattung.

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