Rund 50 Menschen haben auf dem Areal des geplanten Tesla-Werks gegen die Rodung des dortigen Walds protestiert. (Quelle: rbb/Philip Barnstorf)
rbb/Philip Barnstorf
Video: rbb|24 | 13.01.2020 | Material: Brandenburg aktuell | Bild: rbb/Philip Barnstorf

Grünheide - Anwohner protestieren gegen Abholzung für Tesla-Werk

Das geplante Tesla-Werk in Grünheide stößt nicht überall auf Begeisterung. Vor allem die geplante Rodung eines Waldstücks ruft Kritik hervor. Anwohner haben deshalb am Sonntag protestiert und wollen - möglicherweise auch juristisch - gegen die Abholzung vorgehen.

Rund 50 Menschen haben am Sonntag gegen den geplante Bau einer Fabrik des US-Elektroautoherstellers Tesla in Grünheide (Oder-Spree) protestiert. Nach rbb-Informationen versammelten sie sich am Mittag in der Nähe des Standorts, wo die Fabrik gebaut werden soll.

Die Demonstranten, die in Anlehnung an die französische Gelbwesten-Bewegung gelbe Warnwesten trugen, kritisierten eine zu geringe Bürgerbeteiligung und forderten den Erhalt des Waldes. Außerdem gibt es Befürchtungen, dass die Trinkwasserversorgung gefährdet sein könnte.

NABU-Mitglieder und lokale Bürgerinitiative hatten zum Protest aufgerufen

Mobilisiert hatten vor allem Mitglieder des Fürstenwalder Ortsverbands des Naturschutzbundes (NABU). Eine von ihnen ist Nadine Rothmaier. "Ich glaube jeder Bürger hier hat sein eigenes Thema. Für manche ist es die Natur und der Wald oder auch der Mensch. Die Fabrik wird ja auch Schadstoffe ausstoßen, die die Region belasten", sagte Rothmaier.

Ein weiteres Thema sprach Steffen Schorcht von der Bürgerinitiative Karutzhöhe an: "Momentan hat der lokale Wasserverband eh schon Probleme, genügend Trinkwasser zur Verfügung zu stellen. Wenn jetzt noch ein Rieseverbraucher durch Tesla dazu kommt, wird es noch schwieriger."

Weitere Proteste angekündigt

Bei dem "Waldspaziergang", wie die Protestierenden ihre Demonstration an Anlehnung an die Hambacher-Forst-Proteste nannten, soll es nicht bleiben. So verabredeten sich die Teilnehmer zu einer weiteren Demonstration am kommenden Samstag in Grünheide. "Wir werden außerdem auf dem ganz normalen rechtlichen Weg Einwände gegen die Umweltverträglichkeitsprüfung von Tesla einbringen", erklärt Steffen Schorcht. Auch diskutierten Demonstranten, eine einstweilige Verfügung gegen die vorzeitige Rodung des Waldes zu beantragen.

Der Elektroautohersteller Tesla will so bald wie möglich mit der Rodung von zunächst 90 Hektar Wald beginnen. Laut Brandenburger Umweltministerium hat Tesla "beim Landesumweltamt den vorzeitigen Maßnahmenbeginn nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz beantragt". Der Antrag werde nun geprüft, sagte eine Ministeriumssprecherin am Freitag. Für Tesla drängt die Zeit, weil die Rodung vor Beginn der Vegetationsperiode Mitte März abgeschlossen sein muss. 

Kaufvertrag für Gelände noch nicht unterschrieben

Das insgesamt gut 300 Hektar große Gelände wird derzeit auf Munition aus dem Zweiten Weltkrieg abgesucht. Außerdem müsse eine jahrzehntealte Müllhalde mit Bauschutt geräumt werden, sagte die Ministeriumssprecherin.

Der Autobauer will in Grünheide eine Fabrik mit etwa 3.000 Arbeitsplätzen errichten. Bereits im kommenden Jahr sollen die ersten Elektroautos vom Band rollen. Einwände gegen das Vorhaben sind bis zum 5. März möglich. Der Kaufvertrag ist noch nicht unterschrieben, der Finanzausschuss des Brandenburger Landtags hat ihn aber bereits gebilligt

Kommentarfunktion am 12.01.2020, 22:12 Uhr geschlossen

Die Kommentare dienen zum Austausch der Nutzerinnen und Nutzer und der Redaktion über die berichteten Themen. Wir schließen die Kommentarfunktion unter anderem, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt.

Sendung: Inforadio, 12.01.2020, 15:20 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

41 Kommentare

  1. 41.

    "Waldspaziergang in Anlehnung an den Hambacher Forst". Das finde ich schon gewaltig übertrieben. Der Hambacher Forst ist ein Wald, der schon vor 1.000 Jahren existierte. Diese Plantage dagegen ist einige Jahrzehnte alt und das Gelände ist schon mindestens seit 2003 Bauland im Gewerbegebiet.

    Ich habe manchmal den Eindruck, das es einigen Menschen beim Seniorenkaffee zu langweilig wird und sie deshalb ein bisschen action machen wollen, egal was das für die Zukunft z.B. ihrer Enkel bedeutet.

  2. 40.

    Gleiche Aktion wie damals als BMW da bauen wollte. Abeit ja, aber nicht bei uns.


    Kiefer und Fichte sind nicht erhaltenswerte Monokultur.
    Wir brauchen dringend Mischwald.

  3. 39.

    Australien brennt und wir vernichten grad unsere Wälder.
    Zugegeben, anfangs dachte ich, das wäre eine tolle Sache.
    90 Hektar Wald? Die Umgebung von Grünheide wird sich grundlegend ändern. Bin immer gern an den Werlsee gefahren. So schönes klares Wasser. Welche Auswirkungen Tesla auf das Ökosystem haben wird, ist noch nicht geklärt oder etwa doch?

  4. 38.

    Ein typisches Verhalten für den Raum Berlin. Arbeit? Nein, danke. Sozialismus und Ideologie. Ja, bitte!
    Stand die alte Bundesrepublik noch für soz. Marktwirtschaft und wachsenden Wohlstand, für Technologieentwicklung, verkommt dieses Land zunehmend im vermeindlichen Idealismus weniger. Ein irre gewordenes Land, das seinen Wohlstand wegwirft und anderen Ländern leichtfertig in die Hände spielt. Dies im Glauben, es würde alles "so schön" bleiben, wie es war und man müsse alles vor dem bösen "Kapitalismus" retten. Welch fataler Irrglaube! Da wollen die Grünen und die Linken doch Elektroaustos. Nun kommt sogar ein Hersteller und will tausende Arbeitsplätze und somit Wohlstand schaffen. Nur das, will das selbe Klientel nun auch nicht vor der Haustür haben. Irre!

  5. 37.

    Also erstmal handelt es sich nicht um eine Monokultur. Waldumbau findet dort bereits statt.
    Auch über 100 Jahre alte Kiefern (die dort stehen) haben einen wichtigen Nutzen für unser Klima, die Speicherung von Grundwasser, Lebensraum für verschiedene Arten, Biotopverbund
    Und ich denke, dass alle Menschen in der Region, einschließlich Sie und Ihre Familie und Ihre Kinder, auch in Zukunft noch gerne sauberes Trinkwasser hätten, und dass eine angebliche Innovation, deren tatsächlicher Beitrag zum klimaneutralem Autofahren noch fraglich ist auf keinen Fall einen höheren Stellenwert besitzen sollte. Der Standort ist fragwürdig, es handelt sich um ein Trinkwasserschutzgebiet. Nach der dazugehörigen Verordnung ist es rechtlich VERBOTEN eine Industrie dort anzusiedeln, die gewässergefährdende Stoffe verwenden. Was dort statt finden wird!

  6. 36.

    Die Arbeitsplätze sehe ich erst einmal noch nicht, aber Naturzerstörung. Ich befürchte eher eine weitere Investitionsruine in die dann wieder reichlich Steuergelder hineinfliessen müssen. Vielleicht kommt es ja noch zu einem Wettbewerb, wo mehr Steuergelder verbrannt werden beim BER oder bei TESLA.
    Liebe Grüße aus Steglitz

  7. 35.

    Ich war heute dabei! Ich finde es wichtig gegen diesen Bau Widerstand zu leisten. Merkwürdig finde ich, das in einem Wasserschutzgebiet so eine Fabrik gebaut werden darf.
    Warum werden die Bürger nicht informiert? Das ich als Bürgerin nun die Gelegenheit habe in die Unterlagen einsehen zu dürfen, ist zumindest der erste Schritt. Aber 5 Ordner in Ruhe durchzuarbeiten ist nicht möglich. Warum wird dies nicht digital zu Verfügung gestellt?

  8. 34.

    Das ist kein Thema um Scherze zu machen. Ohne Luft und sauberes Wasser auch mit einem Arbeitsplatz ist es nicht leicht zu leben! Am besten nächste Woche werden Sie auch vor Ort ! Es gibt es nichts besseres als sich selbst einen Eindruck zu machen und nicht alles glauben was ein grosser Konzern erzählt. Ein Konzern der in seinen Kobaltminen Kinder ausbeutet.

  9. 33.

    Noch mher Holz auf dem ohnehin überschwemmten Markt. Weniger Lebensraum für die dortigen Tiere. Hoffentlich Mischwald in ca. 30-50 Jahren, wenn bei Scheitern der Pläne zügig aufgeforstet wird.

  10. 32.

    Warum muss denn das Werk dort gebaut werden, wo es den Wald gibt? In Brandenburg gibt es genug Freifläche mit der gleichen Verkehrsanbindung, so dass der Wald stehen bleiben kann. Konnten die Politiker als Verkäufer nicht so weit denken? Vielleicht findet man dort noch einen geschützten Käfer, wie in vielen anderen Fällen

  11. 31.

    Ja, so ist das! sie roden dort den Hochwald leider schon. Dort wachsen viele grosse über 100 jährige Bäume. Zusätzlich vor ein paar Jahren wurden dort Laubbäume eingepflanzt, die jetzt ungefähr 4 Meter hoch sind. Das ist auch ein Wasserschutzgebiet, Wie können wir 300 ha Wald mit neuen kleinen Bäumen ersetzen. Besonders jetzt, wenn die Wasserreserven besonders im Sommer knapper schon jetzt sind. Übrigens mit der Fabrik ziehen auch Teslas Arbeitskräfte!!hierher. dazu braucht man eine neue Infrastruktur! Ich sehe hier keinen Fortschritt. Wie Tesla selbst schreibt eine Batterie für das Model 3 ist ca.8 Jahre haltbar! und danach was? wieder eine neue oder ein neues Auto...und wo kommt Kobalt und Litium her? ist das nichts neues, dass die grossen Konzerne machen was sie wollen. Ich finde es super, dass die Anwohner um ihre Zukunft kämpfen!

  12. 30.

    Das Waldgebiet bei Grünheide ist denkbar ungeeignet für eine große Fabrik. Von einer Batteriefabrik gehen zu große Gefahren für Wasserversorgung und das nahe naturgeschützte Spreeufergelände aus! Schon in den 90iger Jahren hat das Land Brandenburg den sogenannten "Brandenburg-Park" als Industriegelände für teures Steuergeld erschlossen. Dort zwischen einigen Logistikfirmen und dem Mercedes Motorenwerk ist zwischen Großbeeren und Ludwigsfelde und Flughafennähe sehr viel Platz. Da soll Tesla mal anfangen, einen marktüblichen Gewerbegrundstückspreis zahlen und erst mal beweisen, ob Tesla überhaupt Arbeitsplätze schaffen kann...

  13. 29.

    Die Truppen formieren sich. Wird es ein zweiten Hambacher Forst geben? Scheint, der Mensch tritt an die zweite Stelle. Den Klimaschutz"aktivisten" ist es unwichtig, ob die ansässige Befvölkerung, denen die Lebensgrundlage durch den Kohleausstieg genommen wird, in Arbeit und Lohn kommt.
    E-Autos fallen eben nicht vom Himmel - das sollte auch dem dogmatischen und militanten Klima"aktivisten" klar sein.

  14. 28.

    Welchen Fortschritt?
    Ick hab lieber Bäume und Natur anstatt noch mehr versiegelte Flächen für unsinnige Autos.

  15. 27.

    Es gibt bestimmt irgendwo in Deutschland leerstehende Hallen in Städten ohne Wohnungsnotstand.
    Da ist Platz, auch für Tesla.

  16. 26.

    Was mich gewaltig stört, ist die Herabwürdigung und die faktische Denunziation der Motive eines anderen.
    Demokratie ist und sollte eine Frage der Abwägung verschiedenster Interessen und Belange sein.

    Für Arbeitsplätze zu demonstrieren ist genauso redlich, wie für den Wald zu demonstrieren.
    Nichts ist alternativlos und keine Sache hätte die Macht, Menschen zu zwingen. Sachzwängen verkörpern so gesehen nur die Bequemlichkeit, sich mit dem "Preis" einer Angelegenheit im weiteren und im übertragenen Sinne zu beschäftigen.

    Gleichschaltung können die Chinesen besser und es mag Sache in den USA sein, Institutionen mit Millionen Dollar zur geläufigeren Einsicht zu bewegen.

  17. 25.

    Wahre Worte, wie wollen wir denn in Zukunft unseren aufgeblähten Wohlfahrtsstaat ohne Ansiedlung von Arbeitsplätzen finanzieren?

  18. 24.

    So „grün „ werden wir dann ja wohl, angesichts dieses Eingriffs in die Natur, nicht regiert.Wo bleiben Greta und ihre Anhänger, wenn man die braucht?

  19. 23.

    Es gibt in Brandenburg ja sonst keine Monokultur Wälder.

  20. 22.

    Was mich gewaltig stört, ist die einseitige und denunzierende Betrachtung der Motive des anderen.
    Alles ist eine Frage der Abwägung und das ist und soll Wesensmerkmal der Demokratie sein.

    Nichts ist alternativlos und es gibt nichts, was Menschen zwingen würde, so und nicht anders zu handeln. Vielmehr sind behauptete Sachzwänge nur die Bequemlichkeit, sich mit Kritik und Alternativen zu beschäftigen.

    Also: Die Sache ist offen. Für Arbeitsplätze zu demonstrieren ist genauso redlich, wie für den Erhalt des Waldes zu demonstrieren. Gleichschaltung aller Institutionen können die Chinesen besser und in den USA werden Institutionen im Zweifelsfall mit Millionen Dollar zur geläufigerigen Einsicht bewogen.

    Es gibt hier keine Vorbilder.

Das könnte Sie auch interessieren

Bild in groß
Bildunterschrift