Ein vom Biber gefällter Baum
Audio: Antenne Brandenburg | 14.05.2020 | Autor: Michel Nowak | Bild: rbb/Michel Nowak

Ärger für Bauern und Jäger - Die neue Biberverordnung ist schon in der Kritik

Brandenburgs neue Biberverordnung ist gerade erst in Kraft getreten, doch bei Jägern und Bauern stößt sie bereits auf Widerstand. Das Forum Natur Brandenburg spricht angesichts der Neuerungen sogar von einem "Dokument des Misstrauens". Von Michel Nowak

Wolf, Elch oder Kormoran - es gibt so einige Tiere in Brandenburg, an denen sich die Geister scheiden. Aktuell im Fokus steht vor allem der Biber. Denn die bis zu 30 Kilogramm schweren Nagetiere fällen Bäume, wühlen sich durch Dämme und Deiche und stauen kleine Fließe zu nennenswerten Teichen an.

Noch vor zwei Jahrzehnten war der Biber eine echte Rarität, inzwischen hat er sich rasant ausgebreitet. Die im April neu aufgelegte Biberverordnung versucht das laut Umweltministerium zu berücksichtigen. Denn fast alle möglichen Reviere im Land sind besetzt. Umsiedlungen von Tieren, die sich beispielsweise in Deiche graben, sind damit nahezu aussichtlos.

Biber darf nun auch getötet werden

Das sieht auch der zuständige Minister Axel Vogel von den Grünen so. "Einfangen macht keinen Sinn mehr", sagte er. Daher auch die Neuerung in der Biberverordnung, in der das  mildere Mittel der Umsiedlung aufgeweicht wurde: "Wenn ein Biber tatsächlich aus einem Deich vertrieben werden muss, dann würde er nicht mehr umgesiedelt, sondern es kann tatsächlich zu einer Tötung des Bibers kommen."  

Der Biber hält nicht nur die Brandenburger Bauern in Atem, sondern auch die Behörden. Im April hat das Umweltministerium die Biberverordnung neu aufgelegt. Sie soll den Umgang mit den Bibern regeln. Waldnutzer und Bauern sehen die Inhalte aber kritisch. Außerdem fühlten sie sich beim Entstehungsprozess der neuen Verordnung nicht ausreichend beteiligt.

Biberdamm am Herthafließ bei Eberswalde
Bild: rbb/Michel Nowak

Bauern, Jäger und Landnutzer unzufrieden

Der Umweltminister steht vor einem Dilemma: Der strenge Schutz des Bibers setzt enge Grenzen. Trotz teils erheblicher Schäden die das größte Nagetier Europas verursacht, etwa überschwemmter Felder. Gregor Beyer vom Forum Natur, warnt vor zusätzlichem Bürokratie-Aufwand. Er vertritt die Landnutzer und von denen sind viele unzufrieden.

"Was uns sehr misstrauisch macht, ist der Umstand, dass man jetzt alles bei der Behörde anmelden muss, bevor man eine Maßnahme durchführt", sagt er. "Das ist so ein Element des Misstrauens, das allein schon deshalb nicht gerechtfertigt ist, weil es in den letzten fünf Jahren relativ gut gelaufen ist mit der Brandenburgischen Biberverordnung - trotz schlechter Bundesgesetzgebung."

Gilt nicht in Schutzgebieten

Beyer kritisiert, dass die Verordnung nicht in Schutzgebieten gilt. Außerdem sei die Region um die Schwarze Elster in Südbrandenburg fast gänzlich davon ausgenommen.  

Auch Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbands und selbst Landwirt bei Seelow, kritisiert, dass Bürokratie, Einschränkungen und Verwaltungsaufwand zugenommen haben. "Wir hätten uns gewünscht, dass unsere Vorschläge Einzug in die Verordnung finden", sagt er. "Für Problem-Regionen, zu denen ich auch Märkisch-Oderland zähle, wird sie nicht ihre volle Kraft entfalten."  

Das Umweltministerium weist diese Vorwürfe zurück. Da Biber immer noch streng geschützte Tiere seien, gebe es auch in der Verordnung nur wenig Spielräume.

Nabu will Biber weiterhin schonen

Die bis zu 30 Kilo schweren Nager sind an sensiblen Punkten wie Deichen längst unerwünscht. Da gehen auch die Naturschützer mit. Aber eine einfachere Jagd lehnen sie ab, so Christiane Schröder, Brandenburger Nabu-Geschäftsführerin.

"Der Biber hat sich in Brandenburg in seiner Poulation wieder erholt, aber dennoch besteht die Gefahr, dass er wieder ausgerottet wird", sagt sie. "Deshalb ist es wichtig, dass er weiterhin unter Schutz steht. Abschuss und Jagdrecht ist aus unserer Sicht auf gar keinen Fall eine Lösung."

Der Biber soll weiterhin geschont werden, das wünscht sich die Nabu-Geschäftsführerin. Die Landnutzer wollen dagegen mehr Freiheit zur Jagd von Tieren, die Schäden verursachen. Das bedeutet: Trotz neuer Verordnung weiter viel Vermittlungs-Arbeit für Umweltminister Vogel.

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3 Kommentare

  1. 3.

    Da sich der NABU so stark gegen eine einfache Lösung stämmt, würde ich vorschlagen dass er der Einfachheit halber alle Kosten für resultierende Schäden durch die Biber direkt tragen sollte. Das umfasst auch wieder Aufforstung abgenagter Bäume. Betroffene Bauern und anderweitige Landnutzer wären mit einer solchen Lösung sicherlich auch zufrieden. Die Schadensübernahme sollte so lange fortgesetzt werden, wie der Schaden vorhanden ist. Bei überschwemmten Feldern also jährlich.

  2. 2.

    Also mir hat die "Alte Spree" z.B. zwischen Große Tränke und Dämeritzsee vor 20 Jahren mit Bäumen deutlich besser gefallen. Wer´s nicht versteht: Bei Google Earth gibt es einen Schieberegler wo man auch alte Luftbilder einblenden kann. Seit 2000 sind dort (eigene Schätzung) über 95% aller Bäume gefallen.
    Ähnlich sieht es übrigens auch im Havelland aus. Mir erschließt sich der ökologische Sinn des Bibers an solchen Flüssen nicht. Mir reicht es zu wissen dass er dort leben könnte, d.h. noch lange nicht dass er dort auch geduldet werden muss. Wenn ich überlege was sonst alles für ein Gewese gemacht wird wenn mal ein Baum gefällt werde soll.
    Die Biber dürften auch den ganze Tiergarten schreddern,sogar während der (Vogel-) Brutsaison, und NABU und co würden Beifall klatschen.

  3. 1.

    Hier im Südosten Berlins, am Teltow-Kanal, gibt's auch Biber.
    Nur werden dort mehr Bäume durch sie gefällt, als nachwachsen können. Einige wenige wurden mittlerweile durch Zäune geschützt. Der noch stehende Rest ist dann wohl abzuschreiben.
    Soll das die Lösung sein?

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