LKW fahren in beide Richtungen auf der A12 zwischen Berlin und Polen
rbb/Eva Kirchner
Audio: Antenne Brandenburg | 20.11.2020 | Autorin: Eva Kirchner | Bild: rbb/Eva Kirchner

Fuhrunternehmen und Speditionen - Logistikbranche fährt wegen Corona Verluste ein

Nach wie vor rauschen Lkw über die Autobahnen - aber der Eindruck täuscht. Auch die in Brandenburg wirtschaftlich wichtigen Fuhrunternehmen und Speditionen kämpfen in der Coronapandemie mit einbrechenden Umsätzen und wegbleibenden Kunden. Von Eva Kirchner

Die Logistik ist ein nicht unerheblicher Wirtschaftszweig in Brandenburg. Auf dem Autobahnnetz rund um Berlin und auf den Autobahnen nach Osten, Westen, Süden und Norden sind täglich tausende Lkw unterwegs. Die weiterhin dicht an dicht auf der A12 nach Polen oder Berlin rauschenden Lkw erwecken den Eindruck, dass die Corona-Pandemie den Speditionen bisher wenig anhaben konnte.

Doch der Schein trügt: Die etwa 250 Fuhrunternehmen zwischen Angermünde, Strausberg und Eisenhüttenstadt spüren diese Krise seit Monaten, sagt Guido Noack von der IHK Ostbrandenburg. "Die Unternehmen müssen große Anstrengungen unternehmen. Das bedeutet, sie setzen auf Kurzarbeit, oder sie müssen Mitarbeiter umsetzen. Das darf aber nicht ewig so weiter gehen, denn sonst werden wir die ersten Pleiten erleben", sagt er.

Noch hilft Kurzarbeit

So weit ist es bei Ralf Weiss-Motz noch nicht. Dem 56-Jährigen gehört die Spedition CTS-Logistic in Frankfurt (Oder). Seine 15 Lkw sind deutschlandweit unterwegs und die 18 Kraftfahrer transportieren unter anderem Stahl für Arcelor Mittal, aber auch Bier für die Frankfurter Brauerei.

Nach wie vor ist es vor allem die Kurzarbeit, die dem Unternehmen hilft, sagt Ralf Weiss-Motz. "Wir haben auch weniger Lkw, demzufolge müssen wir Mitarbeiter in Kurzarbeit stecken. Aber wir haben uns das Ziel gesteckt, niemanden zu entlassen, jedenfalls nicht wegen der Corona-Krise."

Rund 600.000 Euro Umsatzeinbuße

Aktuell ist der Firmenchef mit der Auftragslage zufrieden. Geholfen hat dem Unternehmen im Frühjahr die Soforthilfe, außerdem konnte Ralf Weiss-Motz die Anschaffung neuer Lkw verschieben. Trotzdem muss die Firma in diesem Jahr etwa 600.000 Euro Umsatzeinbußen verkraften.

Inzwischen geht es wieder aufwärts, allerdings fragt sich der Unternehmer, wie lange das anhält. "Jetzt kommt das Weihnachtsgeschäft, da wird wieder etwas mehr sein. Aber wie die Monate Januar und Februar aussehen, das wissen wir nicht. Also werden wir die Kurzarbeit verlängern, mindestens bis Mitte des Jahres, um sicher zu gehen, dass wir wenigstens die Lohnkosten nicht zahlen müssen."

Leere A12 - die Autobahn zwischen Polen und Berlin ohne AutosAusnahmsweise mal komplett leer: die A12 im April 2020

IHK fordert CO2-Steuer auszusetzen

Mehr Planungssicherheit fordert auch die IHK. Spediteure und Fuhrunternehmer müssen wissen, wohin die Reise geht, sagt Ingo Noack. "Das erfordert jetzt politisch starke Signale. Das betrifft natürlich die Pandemie, aber es betrifft auch Dinge wie die CO2-Steuer, dass man sagt, jetzt in dieser schweren Phase setzen wir mal so eine Steuer aus", fordert der IHK-Chef.

Preiskampf auf der Straße

Doch nicht nur die ab 1. Januar erhöhte CO2-Steuer wird die Unternehmen finanziell mehr belasten, sondern auch ein verstärkter Preiskampf. Durch die Pandemie sind die Frachtpreise weltweit im Keller. Es gibt mehr Spediteure als Aufträge z.B. aus der Automobilbranche. Das führt zu Niedrigpreisen, sagt Ingo Noack.

"Das bedeutet, dass teilweise nur noch 50 Cent für den Kilometer gezahlt werden und das entspricht nicht mal dem, was man an Kosten hat pro Kilometer. Das ist eine große Unsicherheit und im Moment keine Perspektive für die Unternehmen, wie es denn weiter gehen soll."

1 Kommentar

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  1. 1.

    So sieht also ein Dumping Spediteur aus.
    Die LKW laufen, Auftragslage zufriedenstellend aber die Lohnkosten vom Staat bezahlen lassen.
    Na ja, so kann man dann auch Transportpreise anbieten mit denen andere Speditionen nicht zurechtkommen.
    Nicht gerade ein Aushängeschild für unser Gewerbe.

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