Eimer mit glyphosatbelastetem Honig steht vor dem Landwirtschaftsministerium in Berlin
Sendung: Antenne Brandenburg |30.03.2021 | Autorin: Larissa Mass | Bild: dpa

Zu viel Glyphosat - Imker zieht wegen vier Tonnen verunreinigten Honigs vor Gericht

Wegen zu hoher Glyphosatbelastung musste eine Imkerei aus dem Barnim tonnenweise Honig entsorgen und den Betrieb schließen. Der Imker protestierte vor dem Bundesministerium für Landwirtschaft. Nun verklagt er einen Landwirt wegen der Verunreinigung. Von Larissa Mass

Sebastian Seusing zieht vor Gericht: Der Imker aus Biesenthal (Barnim) fordert Schadensersatz, nachdem er im vergangenen Jahr mehr als vier Tonnen seines 2019 erwirtschafteten Honigs wegwerfen musste. Das Lebensmittelamt hatte in dem Honig bis zu 152-fach höhere Glyphosatrückstände als erlaubt festgestellt. Seusing macht gegenüber einem landwirtschaftlichen Unternehmen nun Schadensersatz geltend. Der Prozess um den glyphosatbelasteten Nektar sollte eigentlich am Dienstag am Landgericht Frankfurt (Oder) beginnen. Kurzfristig wurde er aber am Dienstagmorgen ohne Angaben von Gründen auf den 27. Juli verschoben.

Ende April 2019 hatte der Landwirt seine Fläche mit glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln behandelt. Die belasteten Pollen trugen die Bienen in den Bienenstock. Das Wachs sowie der entstandene Honig wurden damit kontaminiert und mussten vernichtet werden. Der Schaden für das Unternehmen beläuft sich nach Seusings Angaben auf etwa 70.000 Euro.

Demonstration während der Grünen Woche

Das Imkerpaar Seusing hatte im Januar vergangenen Jahres während der Grünen Woche gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung demonstriert. Öffentlichkeitswirksam luden sie zwei Tonnen ihres verseuchten Honigs vor dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ab - und verschütteten einen Teil der klebrigen Masse auf der Treppe.

Die Protestaktion wurde auch von der Aurelia Stiftung unterstützt - einer gemeinnützigen Umweltstiftung, die sich speziell für Bienen, bestäubende Insekten und den Erhalt der Artenvielfalt einsetzt. Die Protestaktion richtete sich direkt an die Bundesregierung: Diese solle die Verwendung von Glyphosat und anderer Pestizide in blühenden Pflanzenbeständen untersagen.

152-fache Konzentration des Glyphosats

Das Paar aus Barnim wirft Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) vor, zu wenig für den Schutz von Bienen und der ökologischen Artenvielfalt zu tun. In einer Pressemitteilung des Ministeriums hieß es, dass es sich bei den bislang aus Brandenburg bekannten Höchstgehaltsüberschreitungen von Glyphosat in Honig um Einzelfälle handle.

Der Einsatz von Glyphosat ist in Deutschland eigentlich nicht verboten. Doch in der Honigernte von der Imkerei Seusing wurde eine unzulässig hohe Konzentration festgestellt. Der Unkrautvernichter Glyphosat steht im Verdacht krebserregend zu sein. Mit dem Glyphosateinsatz in der Landwirtschaft soll am 31. Dezember 2023 Schluss sein, dann läuft die Zulassung in der EU aus [tagesschau.de].

Bio-Imker musste Betrieb aufgeben

Sebastian Seusing betrieb die 2009 von ihm gegründete Imkerei mit seiner Frau, seit 2014 gemeinsam mit zwei bis drei Mitarbeitern im Vollerwerb. Gut 200 Bienenvölker betreute das Paar. Das Naturprodukt verkaufte sich gut an eine Bio-Supermarkt-Kette sowie an Reformhäuser. Die belastete Ernte 2019 bedeutete eine starke Einbuße.

Die beiden blieben nach eigenen Angaben auf einem Schaden von rund 70.000 Euro sitzen. Der benachbarte Landwirt als Verursacher entschuldigte sich zwar, zahlen wollte er jedoch nicht. Das Paar entschied sich dazu, den Imkereibetrieb im Vollerwerb aufzugeben.

Mustergültiges Urteil angestrebt

Der Berufsverband der Imker unterstützt Seusing ebenso wie die Aurelia Stiftung. Zuletzt wurde Sebastian Seusing für sein Engagement mit dem "Goldenen Stachel" geehrt [Aurelia Stiftung], einer Auszeichnung des Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbunds (DBIB).

Auf der Webseite der Imkerei Seusing führen die Kläger aus, dass sie gemeinsam mit der Aurelia Stiftung anstreben, in dem Gerichtsstreit "ein mustergültiges Urteil zu erwirken, das künftig zu einem angemessenen Schutz vor Pestizideinträgen möglichst für alle – Verbraucher, Produzenten, Bienen und Umwelt – führen soll." [Imkerei Seusing]. Zur Schadenskompensation und Deckung der Prozesskosten sammeln sie auch Spenden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 30.03.2021, 10 Uhr

Die Kommentarfunktion wurde am30.03.2021 um 20:26 Uhr geschlossen

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20 Kommentare

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  1. 20.

    Was Sie schreiben ist falsch. Es ist eben nicht bewiesen das Pestizide, für weniger Insekten an der Windschutzscheibe ursächlich sind. Wie Sie selber schreiben gibt es einige Studien welche zum Schluss Glyphosat könnte Krebs fördern- Warum ignorieren Sie gegenteilige Studien? Bio-Sprit verursacht Krebs dennoch ist dieser nicht verboten. Bitte erklären Sie diesen Widerspruch. Sie schreiben " Deshalb darf Gift weiter auf die Felder, zum Nachteil der gesamten Natur. " Sie verschweigen das auch Bio-Bauern Pestuide nutzen. Aber dies sind Fakten welche nicht in ihre heile Bio-Ideologie passen. Nichts auch dazu von ihnen: Wer heute ein Glyphosat-Verbot einfordert, der solle bitte auch immer dazu schreiben, dass es ihm egal ist wenn dadurch Menschen hungern müssen. Alles andere ist unehrlich.

  2. 19.

    Achso ihnen stört der Kupfereinsatz. Dann muss ich ihnen eine traurige Nachricht überbringen, im konventionellen Anbau, wird es auch benutzt.
    Menschen müssen dadurch nicht hungern, geht locker ohne Glyphosat. Für die Erkenntnis reicht schon einfache nachhaltige Gartenarbeit.

  3. 18.

    "Gegen welches Gesetz" ist doch ganz einfach, der Bauer versprühte sein Glyphosat und eine Schaden ist beim Imker entstanden. Wusste nicht, dass man dort Straffrei davon kommt. Und es spielt keine Rolle ob er Glyphosat nutzen darf, er muss es so anwenden, dass andere nicht davon Schaden erhalten.
    "polemisches undifferenziertes Bauernbasching" geht nur gegen die, die ihren Dreck überall hinspritzen, es gibt viele Bauern die ohne auskommen.
    "trägt die Biene immer Umweltgifte in die Beute" naja ist schwer zu erklären, da sie den Unterschied zwischen viel und wenig nicht verstehen. Bio Honig hat einen Grenzwert in Bezug auf Glyphosat-Rückstände, das bedeutet, er darf nicht darüber sein. Aber gut die Erkenntnis von ihnen, dass Glyphosat schon überall herum schwirrt. Dann ist ihnen das Problem ja auch bewusst.

  4. 17.

    Da kann ich Ihnen in allen Punkten nur zustimmen.

    Leider ist der vorliegende Fall ein rein zivilrechtlicher, aber er sollte ein öffentlich-rechtlicher sein. Denn die Bauern und Bäuerinnen vor Ort machen vermutlich noch nichtmal etwas, laut Gesetzen, Unrechtes. Der Staat, konkreter, das Bundesumwelt- sowie -landwirtschaftsministerium müssten verklagt werden, sie tragen die Hauptverantwortung für die Bedingungen und Umstände, die diesen Herbizid- und Pestizideinsatz in diesem Umfang erst ermöglicht haben. Die Regierung und auch die Behörden haben qua Verfassung die Umwelt nach bestem Wissen und Gewissen zu schützen und nicht kritik- und distanzlos der Agrarlobby nachzulaufen.

  5. 16.

    Das Glyphosat Krebs fördern kann ist in einigen Studien belegt, diese werden aber von Bundesbehörden nicht anerkannt. Deshalb darf Gift weiter auf die Felder, zum Nachteil der gesamten Natur. Es ist bewiesen, dass die Anzahl der Insekten stark reduziert ist, was jeder
    Autofahrer auf seiner Windschutzschribe sehen kann.

  6. 15.

    Es war der Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt von der CSU, der entgegen den Absprachen der weiteren Verwendung von Glyphosat zugestimmt hat. Dann kam die ewig lächelnde Lobbyistin, die ganz offen zeigt wie man den Industrievertretern alle Türen öffnet.

  7. 14.

    @Preuße, oder Sie gehen gerade der Chemie-Lobby so richtig auf den Leim.
    Es ist inzwischen bekannt, wie das Geschäft der Agrarindustrie funktioniert. Erst wird, besonders in armen Gegenden, Hybrid-Samen verkauft. Der braucht die Giftspritze, um sich gegen Fraßfeinde zu schützen und dann ist er noch nicht einmal wie früher Samenspender. Und am Ende sind Bauern verschuldet.
    Das, was auf den Böden landet, ist giftig, sonst würde es ja nicht benutzt werden.
    Und! Inzwischen haben viele Landwirte von den guten alten Anbauverfahren gelernt. Es gab früher die Mehrfelderwirtschaft und ein Abstimmen auf die Bodenverhältnisse.
    Das Scheinargument mit den hungernden Menschen ist für mich zynisch, solange wir Nutztiere mit Soja und Mais füttern und dafür große Flächen verschwenden.
    Nicht Gift, sondern maßvoller Fleischkonsum hilft gegen den Hunger in der Welt. Immer mehr Gift ist nicht die Lösung sondern ein Problem.

  8. 13.

    Und wer war u.a. Bundesministerin für Landwirtschaft? Renate Künast. Und hat sie, als Grüne was unternommen? NEIN!
    Also nicht schön bei der Realität bleiben

  9. 12.

    nichts desto trotz dürfte es im Honig nach allen Regeln der korrekten Anwendung von RoundUp kein Glyphosat geben...tut es aber...also läuft was schief im Land...
    -ob das nun giftig ist oder nicht ist irrelevant...das Zeug hat im Honig genauso wenig zu suchen wie leckere gesunde Bananenmilch im Benzin fürs Auto!

  10. 11.

    Das Eigentor des Sebastian Seusing. Hat er mit seiner Medien-Kampagne doch nun jedem klar gemacht das Glyphosat nicht so Bienengefährlich sein kann, da die Erträge sonst nicht erklärlich sind. Die Ökos werden von diese Breitseite nicht begeistert sein. Es gibt keinen Beweis das Glyphosat Krebs verursacht ! Wer heute ein Glyphosat-Verbot einfordert, der solle bitte auch immer dazu schreiben, dass es ihm egal ist wenn dadurch Menschen hungern müssen. Alles andere ist unehrlich.

  11. 10.

    Komisch ist doch, bis heute kann ich keinen Beleg für die Vernichtung des Honigs finden. Ich für meinen Teil mache einen großen Bogen um die Bio-Produkte, da diese vielfach mit giftigen Kupfer gespritzt wurden. Kupfer einen giftigen Schwermetall und sehr schädlich für die Umwelt. Wer heute ein Glyphosat-Verbot einfordert, der solle bitte auch immer dazu schreiben, dass es ihm egal ist wenn dadurch Menschen hungern müssen. Alles andere ist unehrlich.

  12. 9.

    @MECKERSACK
    Nach ihrer Logik ist jede Sauerei ok, solange sie nicht verboten ist oder im Rahmen gesetzlicher Regelungen erfolgt. Egal ob sie ethisch, gesundheitlich oder ölkologisch verwerflich ist.
    Nach dieser Logik, verfahren auch Steuerhinterzieher, Bankster, Lebensmittelpanscher, Investmentheuschrecken, aber auch korrupte Politiker und sogenannte "Wirtschaftseliten".
    Ich gratuliere Ihnen zu so wenig Verantwortungsbewusstsein.

  13. 8.

    Bin gespannt auf das Urteil bzw. den Beschluss des Gerichtes. Klingt alles ein bisschen komisch. Der Landwirt hat ein zugelassenes Pflanzenschutzmittel angewendet. Ihm müßte erst einmal Fehlverhalten nachgewiesen werden! Hat der Pflanzenschutzdienst Brandenburgs hierzu ermittelt? Die Hohe Konzentration im Honig ist auch extrem! Bei uns haben die Imker auch ihre Bienen am Rand der Felder stehen und der honig ist nicht verseucht. Die Imker reden im Vorfeld mit den Bauern.

  14. 7.

    Es ist die Lobbypolitik der Union, Klöckner und ihre Vorgänger haben das zu verantworten. Das gleiche Schauspiel sieht man im Verkehrs und Wirtschaftsministerium.
    Wer verstanden hat das sich grundsätzlich etwas ändern muss wählt im September Grün......
    @Grünen Basher.....,hab extra geschrieben " wer verstanden hat......."

  15. 6.

    Der Bauer hat ein glyphosathaltiges Herbizid in blühenden Löwenzahn gespritzt, um sämtliche Pflanzen auf dem Acker abzutöten, um dort anschließend Mais auszusäen.

  16. 5.

    Hallo Karl!

    Waeren Sie so nett und wuerden mir ein peer-reviewtes wissenschaftliches Paper verlinken, welches die von Ihnen behaupteten Krebserkrankungen durch Glyphosat belegt?

    Ich bedanke mich im vorraus.

    Maik Kretschmar

  17. 4.

    Genau den letzten beiden Absätzen kann ich nur vollends zustimmen, vor allem wenn man selbst die Erfahrungen in der öffentlichen Verwaltung gemacht hat.

  18. 3.

    Richtig so. Es ist einfach eine Schweinerei, was die Menschen sich rausnehmen. Unsere Nahrungsmittel werden stets und ständig vergiftet und dann wundert man sich, dass heutzutage unzählige Menschen an Krebs erkranken. Schön, dass der Landwirt sich entschuldigt hat, aber damit ist niemandem geholfen.

  19. 2.

    Fakt ist, Glyphosat ist und bleibt ein Gift zur Unkraut/ Ungeziefer Vernichtung auf den Feldern. Und es ist bis 2023 nicht verboten es dort anzuwenden.
    Hier müsste der Staat Schadenersatz dem Imker leisten - sofern der Landwirt
    dieses Mittel "vorschriftsgenäß" anwendete.

    Es geht ja wohl nicht an, dass ein Bauer ein vom Landwirtschaftsministerium empfohlenes Mittel benutzt, die Aufsichtsbehörde des Ministeriums den Honig dann vernichten lässt, weil er die Grenze des Erlaubten überschreitet.

    Man sieht hier also, wie giftig dieses Mittel generell ist. Man sieht hier aber auch die Ohnmacht und Unfähigkeit der Behörden, Entscheidungen für einen ökologisch einwandfreien Anbau zu treffen.

    Und weil diese Behördenmitglieder mit einem fast unkündbaren Job fest im Sattel ihres von jedem Steuerzahler bezahlten Einkommens sitzen, müssen sie sich keine Sorgen um ihre finanzielle Zukunft machen.

    Und genau das ist das größte Problem bei uns.

  20. 1.

    Gegen welches Gesetz ,gegen welche Auflage ,gegen welche gute fachliche Praxis hat der Landwirt eigentlich verstoßen.
    Die Aussage dazu fehlt mir hier völlig. Bei der Rückstandsanalytik müssen die Bienen entweder aus dem Spritzfass gesoffen haben , weil es zu Hause an der Tränke fehlt, oder es wurde eine Blühende Tracht sickiert , was ich auch für sinnfrei erachte.
    Ohne diese Fakten ist das hier nur ein weiteres polemisches undifferenziertes Bauernbasching.
    Mal ganz fundamental gesehen , kann es Bio Honig , nur von den Galapagos Inseln oder vom Berg im Altai geben. Ansonsten trägt die Biene immer Umweltgifte in die Beute.
    Also liebe Protagonisten der Weltverbesserer und Spätaufsteher gebt mir Antworten!

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