Mögliche Übernahme - Zwei Unternehmen zeigen Interesse an Raffinerie in Schwedt

Di 24.05.22 | 17:56 Uhr
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Die Produktionsanlagen der Vereinigte BioEnergie AG. (Quelle: dpa/Jan Woitas)
Video: rbb24 Brandenburg Aktuell | 24.05.2022 | Michel Nowak und Andreas Oppermann | Bild: dpa/Jan Woitas

Weiterhin wird nach Lösungen für die Raffinerie gesucht. Nun haben mögliche neue Betreiber Interesse bekundet: So könnten sich der Biokraftstoff-Hersteller Verbio und die Alcmene-Gruppe nach eigenen Angaben eine Übernahme vorstellen.

Zwei Investoren haben Interesse an einer Übernahme der PCK-Raffinerie in Schwedt (Uckermark) bekundet. Dabei handelt es sich zum einen um den Biokraftstoff-Hersteller Verbio aus Leipzig, der bereits seit 2004 auf dem Gelände von PCK einen Standort betreibt. Die andere Interessentin ist die österreichische Alcmene-Gruppe. Sie gehört zum estnischen Öl-Terminal-Betreiber Liwathon.

Verbio-Geschäftsführer kritisiert aktuellen Kurs der Politik

Verbio-Geschäftsführer Claus Sauter betonte gegenüber dem rbb, dass man die Kapazität und das Know-How habe, um mit dem Umbau zu beginnen. Doch dazu bräuchte es die Unterstützung der Politik und eine klare Kommunikation. In den letzten Wochen passiere laut Sauter allerdings genau das Gegenteil: "Wir kümmern uns im Moment gerade darum, fossiles Gas aus Katar und Fracking Gas aus den USA zu bekommen. Hallo? Ich dachte, wir wollen die Gesellschaft dekarbonisieren."

Sauter bemängelte, dass die Politik offenbar kein Interesse daran habe, die PCK-Raffinerie grün zu machen. Gleichzeitig möchte er seine Firma für eine mögliche Übernahme der PCK ins Gespräch bringen: "Ich will nur sagen: Hey, schaut’s mal her, da ist eine Verbio, die ist schon auf dem Gelände des PCK, die macht genau das, was ihr haben wollt. Denkt mal drüber nach, ob das eine Alternative sein könnte. Nicht mehr und nicht weniger."

Zurückhaltender ist das Energieunternehmen Alcemene. Eine rbb-Anfrage blieb von der Alcmene-Gruppe bislang unbeantwortet.

PCK gehört mehrheitlich Rosneft

Hintergrund der Überlegungen ist, dass PCK derzeit mehrheitlich dem russischen Staatskonzern Rosneft gehört und russisches Öl verarbeitetet. Um eine Abhängigkeit zu reduzieren und wegen eines möglichen Öl-Embargos gegen Russland hatten Bund und Land in den vergangenen Wochen nach alternativen Betriebs- und Versorgungsmöglichkeiten für die Raffinerie gesucht.

Dabei waren auch Enteignung und eine Treuhänderschaft Thema. Bundesumweltminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) hatte zudem bei einem Besuch in Schwedt auch eine Transformation zu anderen Produkten ins Gespräch gebracht.

Eine solche Transformation könnte sich zumindest Verbio als Interessent vorstellen. Das Unternehmen betreibt seit 2005 eine Anlage zur Herstellung von Bioethanol und Biomethan auf dem Gelände der PCK. Der Vorstandsvorsitzende Claus Sauter könnte sich die Raffinerie nach eigenen Angaben auch als Werk für Kraftstoffe von Biomasse vorstellen.

Alcmene-Chef Raul Riefler sagte dem "Handelsblatt", sein Unternehmen könne umgehend damit anfangen, "eine langfristige Lösung für den Fortbestand der Raffinerie" zu finden [www.handelsblatt.com]. Eine solche hatten sich vor allem PCK und die Beschäftigten sowie Politiker und Wirtschaftsverbände aus der Region gewünscht.

Weitere Optionen vorhanden

Bislang sind aber beides nur Interessensbekundungen. Ob der russische Mehrheitseigner Rosneft einer privaten Übernahme durch andere Unternehmen zustimmen würde, bleibt offen. Daher bleiben auch eine mögliche Überführungs- oder Trauhandlösung weiterhin Optionen.

Erst am Freitag (20.05.2022) hatte der Bundesrat der Novelle des Energiesicherungsgesetzes zugestimmt. Damit hat die Bunderegierung die Möglichkeit erhalten, Unternehmen wie das PCK zum Zweck der Energiesicherung unter Treuhandschaft zu stellen oder gar zu enteignen.

Die Unternehmervereinigung Uckermark kritisierte das am Dienstag. Sie befürchtet im Falle einer Enteignung oder Treuhandschaft einen sofortigen Lieferstopp des russischen Öls und somit eine weitgehende Stilllegung der PCK.

Sendung: Antenne Brandenburg, Antenne am Nachmittag, 24.05.2022, 16:10 Uhr

Mit Material von Jonas Wintermantel

12 Kommentare

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  1. 12.

    Es obliegt den Enteignungswilligen, dass rechtssicher auszuführen. Die Linke hat sich ja schon massiv mit dem Mietendeckel blamiert. Wenn man dann noch die PCK mit dem Wohnbestand vergleicht, könnte sogar eine Überversorgung herauskommen. Es sollen im Versorgungsgebiet der Raffinerie Häuser wegen sehr hoher Leerstandsquoten abgerissen werden.

  2. 11.

    Was in dieser Situation alles möglich ist: Treuhand oder Enteignung, wenn öffentliches Interesse besteht. Bei Wohnungen nicht - da besteht wohl kein öffentliches Interesse. Scheinheilig.

  3. 10.

    Wie lange hat es gebraucht, bis Rosneft zugab, dass für die jetzige Konfiguration der Raffinerie nur 60% an schwefelhaltigem Rohöl erforderlich sind? Da hatte es schon einige Panikreaktionen in Schwedt und bei PCK gegeben. Zudem gaben Sie erst nach langem Zögern zu, dass Rosneft nur dann kein Öl aus der Pipeline aus Russland beziehen, wenn ein Ölembargo beschlossen wurde. Auch wiesen sie darauf hin, dass angeblich nur bis zu 60% der Kapazität in Schwedt mit der pipeline aus Rostock betrieben werden könne, was diametral zum Notbetrieb während der Verschmutzung des Öls mit Chlor steht, wo PCK aus Rostock beliefert wurde.

  4. 9.

    Panik versuchen vor allem andere Brandenburger zu schüren. Man denke nur an die populistische Plakataktion der Linken oder die Äußerungen der AfD.

  5. 8.

    Ich nehme einmal stark an, die beiden Städte können auf ihren Besuch gern verzichten. Ihr Vokabular lässt sehr zu wünschen übrig, manchmal ist Arroganz unerträglich !

  6. 7.

    schon klar
    die Bundesregierung will die Förderung von Biokraftstoffe zurückfahren und Verbio möchte Schwedt !

  7. 6.

    Und ich hatte schon mal geschrieben, dass Rosneft kein Interesse hat anderes Öl zu verarbeiten und sich freiwillig an einem Öl-Embargo zu beteiligen. Sie unterstützen die Konzernstruktur. Es geht nicht ohne die von Habeck angekündigten Treuhänderischen Maßnahmen.

  8. 5.

    Sie vergessen, dass die Trasse von Rostock rechtzeitig für die Öllieferungen in entsprechender Höhe gesichert werden muss. Und hier hat Rosneft so wie momentan aussieht noch nichts unternommen. Das einzigste was getan wurde, ist eine Hinhaltetaktik, die in der Region Existenzängste schürt. Das könnte ggf. ausreichend sein zumindestens ein Treuhänderschaft einzurichten. Ich denke aber, dass Rosneft eher verkauft, da Übernahme der Anteile von Shell noch der Genehmigung bedarf.

  9. 4.

    Was ich damit sagen wollte: auch für das Staatsunternehmen Rosneft gilt im Endeffekt "pecunia non olet", wenn damit Geld zu machen ist für den Eigentümer Rußland, wird es jedes Öl verarbeiten und versuchen weiter im Geschäft zu bleiben. Erzwingen könnte man einen Eigentümerübergang nur mittels einer Treuhandlösung oder Enteignung.

  10. 3.

    Hallo Björn; ich habe Sie hier als Nichtträumer sehr geschätzt. Ich war mal im IPW in der Korsingstr. so oft in FF.

  11. 2.

    Solange der Eigentümer der Raffinerie nicht vorhat Anteil oder alles zu verkaufen, ist es doch irrelevant, ob es Interessenten gibt. Und wenn Rosneft auch Öl aus anderer Quelle verarbeiten würde - also de facto die Produktion auch bei einem Embargo gegen seinen Eigentümer Staat geschäftlich mittragen würde - gibt es doch auch keinen Grund für eine Übernahme.

  12. 1.

    Das Thema wird weiterhin im Focus bleiben bis wieder Weihnachten ist. Dann bleibt alles beim alten, weil es bequemer ist und es wieder andere Themen gibt, Durch diese und natürliche andere Diskussionen wird der Benzinpreis weiterhin hoch bleiben. Schwedt und Eisenhüttenstadt bleiben 2 Moskautreue Nester, die man nicht besuchen muss.

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