Gas-Notfallplan - Energieversorger EWE ruft zum Energiesparen auf – trotz gesicherter Gasversorgung

Do 23.06.22 | 18:30 Uhr | Von Juan F. Álvarez Moreno
  21
Anlagen des Erdgasspeichers Rüdersdorf vom Energieversorger EWE (Bild: picture alliance/ dpa)
Audio: Antenne Brandenburg | 23.06.2022 | Stefan Dohler | Bild: picture alliance/ dpa

Der Energieversorger EWE, großer Gasanbieter in Brandenburg, begrüßt die Entscheidung, die Alarmstufe des Gas-Notfallplans ausgerufen zu haben. Wichtig sei nun vor allem eines: sparen. Von Juan F. Álvarez Moreno

Was bereits erwartet wurde, ist seit Donnerstag klar: Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat am Donnerstag die Alarmstufe des Gas-Notfallplans ausgerufen. Laut dem Energieversorger EWE gibt es aktuell aber keine Einschränkungen bei der Versorgung von Kunden mit Erdgas. Derzeit komme mehr Gas nach Deutschland als gerade verbraucht werde, sagte der EWE-Vorstandsvorsitzende, Stefan Dohler, während einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Das Unternehmen versorgt in Brandenburg, Polen und Nordwestdeutschland rund 700.000 Kunden mit Erdgas und ist einer der wichtigsten Anbieter in der Region. In Rüdersdorf im Landkreis Märkisch-Oderland bei Berlin befindet sich ein wichtiger EWE-Gasspeicher.

"Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist heute stärker gefährdet als noch vor einigen Wochen – es ist daher richtig, dass die Bundesregierung diesen Schritt nun geht", so Dohler weiter. Als Betreiber kritischer Infrastrukturen der Daseinsvorsorge bereite sich EWE bestmöglich auf alle derzeit denkbaren Szenarien vor und stehe im Austausch mit Krisenteams in Bund, Land und Verbänden.

Sparen sei sehr wichtig, da Russland die Lieferungen über die Nord-Stream-1-Leitung auf 40 Prozent des normalen Niveaus reduziert habe. Man könne die aktuelle Lage aber managen, wenn alle mitmachen. Angst sei nicht angebracht, jedoch müsse man die Leute wachmachen, da jeder einen Beitrag leisten müsse. "Sich den Pullover überzuziehen, wenn es kühler wird, statt die Heizung hochzudrehen: Das müssen wir vielleicht üben", sagt Dohler.

"Wir können im Winter Leute den Gashahn nicht zudrehen"

Die EWE-Gasspeicher seien laut Unternehmensangaben zu 73 Prozent gefüllt. In Brandenburg sieht die Lage sogar noch besser aus: Der Speicher in Rüdersdorf bei Berlin (Landkreis Märkisch-Oderland) ist laut EWE-Daten [ewe-gasspeicher.de] zu 84 Prozent gefüllt. Bis zum 1. November müssen die Speicher einen Füllstand von 90 Prozent erreicht haben, wie das neue Gasspeichergesetz vorschreibt.

Obwohl die Gas-Alarmstufe ausgerufen wurde, will die Bundesnetzagentur die Preisanpassungsklausel noch nicht aktivieren, mit der Gasversorger höhere Preise an ihre Kunden weiterreichen könnten. Der Preis könne dabei wöchentlich angepasst werden und Kunden hätten einen Sonderkündigungsrecht, erklärt Dohler. Sollte es jedoch so weit sein, müsse man eng mit Politik und Behörden zusammenarbeiten, um den sozialen Schaden zu minimieren.

"Wir können im Winter Leute den Gashahn nicht zudrehen. Das wird nicht passieren", fasst Dohler zusammen. Den Kunden empfiehlt er jedoch, ihre Gas-Abschläge jetzt zu erhöhen. So sollen böse Überraschungen mit der Jahresabrechnung vermieden werden.

Emissionsziele temporär zurückgestellt

Die angespannte Lage verursache jedoch andere Nebeneffekte. Einerseits erhöhen manche Großkunden aus der Industrie gerade die Produktion, weil sie Zweijahresverträge mit fixen Preisen haben. Sie wollen damit sparen, bevor die teuren Gaspreise auch für sie gelten, wie Dohler sagt. Andererseits werden die Emissionsziele temporär zurückgestellt, um einen "wirtschaftlichen Kollaps" zu vermeiden, so Dohler. Das Unternehmen halte dennoch an den Emissionszielen bis 2030 fest.

Dass die nächste Stufe des Notfallplans Gas noch im Sommer ausgerufen wird, das erwartet der EWE-Vorstandsvorsitzende nicht. Erst im Herbst sei das denkbar, so Dohler.

Sendung: Antenne Brandenburg, 23.06.2022, 18 Uhr

21 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 21.

    Leider geht der Einsatz von LPG nicht so einfach. Beginnend beim chemischen Aufbau, über der daraus resultierenden Energiedichte, den notwendigen Druck im Rohrsystem und letztlich unterschiedlicher Brenner geht es nicht ad hoc. Wenn, dann müsste man ein lokal begrenztes Netz mit allen Verbrauchern komplett zu einem bestimmten Stichtag umstellen, damit es in dem Bereich flächendeckend funktioniert. Deshalb sind wenn z. B. Autos mit Gas fahren, sie nur für LPG oder CNG (Erdgas) ausgelegt.

  2. 20.

    "Kann man das nicht noch zusätzlich gewinnen und ins Netz einspeisen ? "
    Nein.
    Die Gasgeräte haben einen auf den Brennstoff abgestimmten Düsendurchmesser.
    Ein auf Erdgas eingestellter Brenner wird mit LPG zum Flammenwerfer.

    Es ist auch nicht möglich einfach mal H2 ins Erdgasnetz einzublasen. Dafür muss mittels CO2-Umsetzung CHx gewonnen und beigemischt werden.

    Abschließend noch der Hinweis: Der Brennwert liegt um die Hälfte niedriger als bei Erdgas. Schau an die Tankstelle, was LPG kostet. Ziehe 60% Steuern und Abgaben ab. Was bleibt übrig?

  3. 19.

    Als vor ein paar Jahren mein Gasherd entfernt und durch einen Elektroherd ersetzt wurde, habe ich das mit gemischten Gefühlen gesehen:
    Keine sofortige Hitze mehr, Wok und Wasserkessel wurden arbeitslos, und was kann man mit Giftgas Vernünftigeres machen als daraus Energie zu gewinnen?
    Der einzige für mich erkennbare Vorteil war ein Plus an Sicherheit, da Elektrizität m. W. nicht ganz so explosionsanfällig ist.
    Und bez. der derzeitigen Situation hoffe ich, dass man nicht so schnell vergessen wird, wer uns die Suppe eingebrockt, wer uns also von wem abhängig gemacht hat.

  4. 18.

    In Frankfurt (Oder) steht ein großes Heizkraftwerk , das aktuell mit Gas betrieben wird. Die Stadt FFO hat angeboten das Kraftwerk wie vor 2022 mit Kohlestaub zu betreiben, solange keine Förderungen dadurch wegfallen würden. Bisher ist nix passiert.
    So Schlimm kann also die Lage nicht sein, wenn man solch einen logischen Schritt nicht durchzieht.

  5. 17.

    Ukraine...? Ist Ihnen das alles gleichgültig, was Putin da veranstaltet? Ihr warmer Hintern ist Ihnen wichtiger?

    Mich gruselt, von solchen Mitmenschen vielleicht irgendwann mal abhängig und auf sie angewiesen zu sein...!

  6. 16.

    Und bitte auch kein Gas mehr für die Fernwärme … Wo es möglich ist, oder noch möglich gemacht werden kann.

  7. 15.

    LPG - Was ist eigentlich mit dem Gas aus Öl mit dem LPG hergestellt wird ? … Also das, das z.B. Kfz nutzen … Kann man das nicht noch zusätzlich gewinnen und ins Netz einspeisen ? ... Vielleicht sogar beim PCK erzeugen ? ... Oder ist das chemisch/technisch nicht möglich ?

  8. 14.

    Aus Ihrem KOmmentar wird man deshalb nicht schlau, weil Sie NICHTS vorschlagen.

  9. 13.

    Vor allem hieß es, diese Sanktionen würden Russland ruinieren.
    Nun ruinieren sie wohl eher uns selbst.
    Hat das eigentlich auch Auswirkungen auf die Politik?
    Uns wird doch immer erzählt, dass man bei neuen Erkenntnissen die Politik anpassen bzw. ändern muss.
    Warum wird Deutschland mutwillig gegen die Wand gefahren?
    Warum?

  10. 12.

    "Wir können im Winter Leute den Gashahn nicht zudrehen. Das wird nicht passieren"
    Natürlich nicht. Das machen die Leute dann schon ganz alleine, weil sie sich schon jetzt die Abschläge nicht mehr leisten können. Die Grundversorgertarife nennt EWE sogar EWE GAS comfort.
    Auf den comfort kann man verzichten. Aber ohne geht nicht.
    Ne neue Heizung kann ich bei EWE zuhause+ bestellen, was das Gas kostet, erfahre ich nicht.
    Ein Schelm der dabei böses denkt.

  11. 11.

    In vielen Haushalten wird auch mit Gas gekocht und das Bade-/Duschwasser erhitzt....

  12. 10.

    " wenn die Rüstungsfirmen weniger verdienen würden, "

    es ist die Politik, die den Rüstungsfirmen die Aufträge gibt

  13. 9.

    Mich würde eher beruhigen, wenn die Rüstungsfirmen weniger verdienen würden, die mit ihrer Produktion den Krieg verlängern und noch mehr Tote auf beiden Seiten produzieren. Viele tote Menschen zuviel !

  14. 8.

    Nein, das wäre ne Zumutung für die Oberen.
    Sparen obligt bzw. ist notwendig für Ärmere.
    Wenn ich reich wäre würde ich z.B. nicht in Kälte sitzen wollen oder kalt zu duschen oder baden.
    Da würde ich lieber auf das Rabatt-Angebot für Jahrgangs-Champangner warnehmen: 100 Flaschen zum Preis von 25.
    Dann hat das Leben einen Sinn mit dem Bewußtsein - man hab ich gespart.
    Und das gute Gewissen dem Champanger-Kelterer die Zukunft zu sichern.
    Ich hoffe, damit hätte ich ne soziale Ader gezeigt.

  15. 7.

    " "Wir können im Winter Leute den Gashahn nicht zudrehen. Das wird nicht passieren"

    sicher nicht, aber ween es kein Gas mehr gibt ?

  16. 6.

    " trotz gesicherter Gasversorgung "

    ja noch, aber wie lange ?

  17. 5.

    Alles hausgemacht durch ganzen Sanktionen warum sagt niemand die Wahrheit wir sind von Russland abhängig.
    Deutschland pennt und andere Staaten machen Geschäfte mit China und den arabischen Völkern.

  18. 4.

    Wer soll sparen? Oma im kalten Wohnzimmer oder die Armee von in großen Teilen sinnlosen Industrie-Zweigen wie: Düngerindustrie, Betonindustrie, Stahlindustrie usw usw. Es bleibt alles so wie es ist und wenn Oma sich totfriert auch gut, ein Esser weniger.

  19. 3.

    Gehen die Eliten unseres Landes sofort mit gutem Beispiel voran und drosseln ihren eigenen Fossil-Abdruck?
    Oder gilt der Aufruf nur an die Adresse der unteren 20 Millionen?

  20. 2.

    Es ist nicht die Aufgabe der verantwortlich handelnden Politik er Alarmstufen auszurufen, sondern die Probleme so zu lösen, dass keine Energiekrise entsteht und die Inflation nicht weiter angeheizt wird

Nächster Artikel

Bild in groß
Bildunterschrift