Bis Ende September - Arcelor Mittal schickt Teil der Mitarbeiter in Eisenhüttenstadt in Kurzarbeit

Mo 01.08.22 | 10:31 Uhr
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Der Hochofen und das Hüttenwerk der Firma Arcelor Mittal in Eisenhüttenstadt (Bild: dpa/Schoening)
Audio: rbb24 Brandenburg Aktuell | 01.08.2022| Michael Lietz | Bild: dpa/Schoening

Für rund ein Drittel der Mitarbeiter von Arcelor Mittal heißt es nun Kurzarbeit. Unternehmen und Betriebsrat haben sich aber auf eine Aufstockung der Zahlungen geeinigt. Doch bleibt die Zukunft ungewiss - vor allem wegen der Abhängigkeit vom russischem Gas.

Im Stahlwerk von Arcelor Mittal in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) gibt es seit Montag Kurzarbeit. Bis Ende September soll in ausgewählten Bereichen die Arbeit reduziert werden, teilte das Unternehmen am Freitag auf Anfrage dem rbb mit. Grund sei demnach die schwache Nachfrage infolge der angespannten Wirtschaftslage. "Aktuell erkennen wir vor allem eine stark reduzierte Nachfrage nach gewalzten Produkten, weshalb wir in den Walzwerken unsere Anlagen nicht mehr voll auslasten können", sagte Michael Bach, Arbeitsdirektor bei Arcelor Mittal in Eisenhüttenstadt.

Flachstahlprodukte für Ost- und Mitteleuropa

In Eisenhüttenstadt wird unter anderem hochwertige Flachstahlprodukte für Kunden der Haushalts-, Automobil- und Bauindustrie vor allem aus Ost- und Mitteleuropa hergestellt. Im vergangenen Jahr wurden nach dpa-Angaben am Standort 1,6 Millionen Tonnen Flachstahl produziert. Doch derzeit sei die Nachfrage geringer, sagte Michael Bach.

"Zum einen schwächelt die Konjunktur merklich und zum anderen kommt jetzt die saisonale Sommerpause dazu", sagte Bach am Montag dem rbb. Das Unternehmen hoffe, dass die Situation nach der Sommerpause anders aussehe und noch so viele Aufträge übrig sein werden, dass die Produktion wieder ausgelastet werden kann. "Garantieren können wir es aber nicht", so der Arbeitsdirektor.

Rund ein Drittel der Belegschaft des Stahlwerks sei von der Kurzarbeit betroffen, teilte das Unternehmen am Montag auf einer Pressekonferenz mit. Die Regelung betreffe knapp 1.000 Mitarbeiter. Jedoch gelte die Kurzarbeit für die einzelnen Beschäftigten nicht zwei Monate lang, sondern vielmehr nur über wenige Tage. Betriebsrat und Geschäftsführung hatten zudem vereinbart, dass das Kurzarbeitergelt teils auf 90 Prozent aufgestockt werden soll.

Normalerweise erhalten Beschäftige nur 60 Prozent ihres Netto-Entgelts, wie es auf der Internetseite der Arbeitsagentur heißt [www.arbeitsagentur.de]. Beschäftigte mit mindestens einem Kind demnach 67 Prozent. Trotz der vereinbarten Aufstockung auf 90 Prozent scheint die Verunsicherung in der Belegschaft dennoch groß, wie die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Pia Hink sagte.

Sorgen um die Zukunft

"Wir hoffen, dass es mit August und September vielleicht ausreichend ist, aber sicher können wir uns da nicht sein", sagte Hink Die große Unbekannte sei, dass die Produktion bei Arcelor Mittal stark von russischem Gas abhängig sei. Kommt das nicht ausreichend, könnten sogar Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen, sagte auch Arbeitsdirektor Bach.

"Unsere Produktionsvolumen würden in etwa linear zur Gaseinschränkung sinken", so der Arbeitsdirektor. Das Unternehmen müsse es zwar nehmen wie es komme, aber gleichtzeitig warb er bei den Angestellten um Zuversicht: "Wir sind einige Krisen gewohnt und wir gehen davon aus, dass wir auch durch diese Krise gut durchkommen werden."

Dennoch scheint die Situation die Belegschaft zu bedrücken. Vor allem jetzt: "Wir haben uns so gefreut, dass wir den Tarifabschluss hinbekommen haben und dann fällt man jetzt gleich wieder ins Bodenlose und muss in Kurzarbeit gehen", sagte Pia Hink.

Erst Mitte Juni hatten die Beschäftigten der Stahlindustrie noch die höchste prozentuale Lohnerhöhung seit drei Jahrzehnten erhalten. Nach wochenlangen Warnstreiks konnte die IG-Metall einen Durchbruch bei den Tarifverhandlungen erreichen. Demnach erhalten seit Montag auch die Mitarbeiter in Eisenhüttenstadt 6,5 Prozent mehr Gehalt. Hinzu kam eine Einmalzahlungen von 500 Euro.

Unternehmen wie klimaneutral produzieren

Das Unternehmen will zum Vorreiter bei klimaneutraler Produktion werden. ArcelorMittal hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 Stahl weltweit klimaneutral zu produzieren. Dazu sollen bis 2026 an den Standorten Bremen und Eisenhüttenstadt zwei Hochöfen durch modernere Technologien ersetzt werden. Die Anlagen sollen zunächst mit Erdgas anstatt Kohle, später mit klimaneutralem Wasserstoff betrieben werden. Mehr als eine Milliarde Euro soll der Umbau nach Unternehmensangaben kosten.

Sendung: rbb24 Brandenburg Aktuell, 01.08.2022, 19:30 Uhr

Mit Material von Michael Lietz

21 Kommentare

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  1. 20.

    Rohstoffe für den Hochofenprozess sind in Europa vorhanden, werden aber aus Kostengründen auch außerhalb bezogen. Den Strom für die Anlagen erzeugt AMEH weitestgehend selbst und muss nur in Ausnahmefällen extern bezogen werden. Auch Technische Gase werden durch den Hochofenprozess erzeugt, die sich nutzen lassen. Das Hauptproblem welches besteht ist der hohe CO2 Ausstoß und Wasserverbrauch. Die kosten für die CO2 Emissionen machen die Erzeugung unrentabel, diese werden ja am Markt frei gehandelt. Wenn jetzt die Kohle mehr ausstößt muss an anderen Stelle CO2 eingespart werden. Da die Menge an Zertifikaten begrenzt ist, wo die Landesregierung spart hat sich bisher nicht gesagt. Das blöde daran ist das sich durch Erdgas CO2 einsparen lässt und diese Anlage auch fertig ist. Nur sie kann nicht betrieben werden,da die kosten zu hoch sind und 15% Gas eingespart werden sollen. Man hat sich auf Erdgas als Brückentechnologie verlassen. Nun steht man ganz dumm da.

  2. 19.

    Alles richtig, aber die USA wollte/will NordStream2 stoppen, um russichen Einfluss in einen amerikanischen "umzuändern".

  3. 18.

    In Energiefragen könnten wir durchaus weitgehend unabhängig sein, wenn wir mit der Energiewende nicht schlafen würden. Die Momentane Krise allerdings kommt vom Einmarsch Putins in die Ukraine. Die USA sind nicht in Russland einmarschiert und hatten das auch nicht vor.

  4. 17.

    Weil das, was Sie zum Besten geben nichtmal die Halbe Wahrheit ist. Da wir kein Erdöl und Erdgas noch sonst welche Rohstoffe selber haben, sind wir immer von irgendwem Abhängig. Sei es von Russland, von China oder der USA mit ihrem Frackinggas. Die Momantane Kriese ist nicht die Kriese von 16 Jahren Merkel sondern von den Natoosterweiterungsphantasien der USA, die Sicherheitsgarantien für Russland verweigern und Russlands Nachbarländer aufrüsten. Nicht Merkel oder Altmaier haben diese Sanktionen eingeleiert sondern die jetzige Ampel zu forderst der grüne Wirtschaftsminister Habeck. Nord Stream 2 Hat nicht Merkel stillgelegt sondern die Ampel. Ein Ölembargo hat nicht Merkel gemacht sondern die Ampel. Nicht Merkel liefert Waffen mit denen die Söhne unserer Geschäftsparner getötet werden es ist die Ampel. Merkel war Minsker Abkommen. Nicht Merkel pöbelt durch die Welt Russland wirtschaftlich zu zerstören, es ist die grüne Außenministerin Baerbock. Sanktionen weg, NS2 auf = Kriese weg.

  5. 16.

    Verstehe immer nicht weshalb man die Problem den grünen unterschiebt? Es sind die Ursache einer Politik die sich in die Abhängigkeiten begeben hat, um den Umbau der erneuerbaren Energien zu verzögern. Es ist die Politik der Altparteien von CDU/CSU,FDP und teile der SPD die dieses Problem verursacht haben. Jene versuchen mit aller Macht ihre Fehler zu verschleiern. Die Diskussionen im die Kohle und Atomkraft kommt gerade zu aus diesen Lagern. Immer weiter zukünftige Generationen belasten um sein Klientel zu bedienen. Offenbar gelingt es ihnen gut das Wähler nicht erkennen wem sie das ganze Debakel zu verdanken haben. Welches durch den Krieg und Covid-19 nur beschleunigt wurde, der Betrieb das Hochofens wäre bis 2050 sowie so kaum möglich gewesen. Das die Stahlerzeugung Klima schädlich ist und jede Menge Wasser braucht weiß man nicht seit heute. Verschieben führt zum Versagen und um Ende gefährdet dies das Unternehmen.

  6. 15.

    Danke Ampel, danke Herr Habeck. Bin gespannt wie lange es noch dauert und was noch passieren muss, bis insbesondere die Grünen vom Souverän entlassen werden.

  7. 13.

    Und Arcelor in Duisburg kann sich vor Arbeit kaum retten.

  8. 12.

    Der Förderantrag wurde laut meinen Erkenntnissen abgelehnt. Die Gründe müssen nicht bei der Bundesregierung zu suchen sein. Der Standort steht ja im Wettbewerb mit Bremen und hier beginnt wieder das Spiel das die Landesfürsten ihre Interessen gegeneinander ausspielen. Die Brandenburger Landesregierung schläft noch und wacht erst auf wenn der Ofen aus ist. Die Fragen sich auftun werden immer größer. Zumal auch weil die Industrie mit ihrem Interessen die Politik ja dazu getrieben hat den Umbau so weit wie möglich zu verschieben. Verschieben führt zum Versagen und nun ruft Sie nach dem Staat. Den gerade Großkonzerne mit ihrer Steuerspar- und Steuervermeidung Mittel gegeben haben um ihnen beim Umbau behilflich zu sein. Eins ist doch klar das wir in Europa Stahl produzieren der von der Qualität und von den Umweltbelastungen auf hohen Technischen Standard beruht. Wenn er nicht hier Produziert wird, dann woanders zu viel schlechteren Bedingungen produziert.

  9. 11.

    Im Stahlwerk macht das Gerücht die Runde, dass der Bund die Förderung für den Umbau für die grüne Stahlproduktion mit Wasserstoff gestrichen hat. @rbb24 bitte das Thema verfolgen. Ohne Investitionen ist der Hochofen in Hütte 2032 aus!

  10. 10.

    weil nicht in 1000 Zeilen passt.
    Ohne Erdgas lässt sich der HO weiter betreiben mit hohen CO2 Ausstoß aber die Weiterverarbeitung wird schwierig. Es führt dazu das man die Produkte quer durch Europa fahren muss, um Sie da weiterzubearbeiten wo Erdgas zur Verfügung steht. Da kann man gespannt sein, ob die Trassen überhaupt dies zulassen, nachdem auch die Kohle quer durchs Land gefahren wird. Zumal rund um AMEH ab Oktober bis Dezember lange Sperrzeiten der Strecke Frankfurt/Cottbus geben wird. Der Landesregierung ist überhaupt nicht klar das AMEH auf dem Spiel steht. Das CO2 was in Jänschwalde in die Luft geblasen wird muss irgendwo eingespart werden. Es steht der Industrie nicht mehr zur Verfügung. Jetzt möchte einer mal erklären wenn die Bundesregierung die Förderung zum Umbau ablehnt und ohne Erdgas wie sicher der Standort ist? Ich bin gespannt liebe Landesregierung ! Wird die Produktion zu teuer macht der Eigentümer die Bude einfach zu!

  11. 9.

    Erstmal ist die Kurzarbeit ein Teil der Arbeitslosenversicherung und somit zahlen dies die Beschäftigten aus ihrer Versicherungsleistung. Die 60 bzw. 67% stockt das Unternehmen auf. Aber die kürzlich beschossen Lohnerhöhung,Einmalzahlung und der Energiebonus fällt den beschäftigten dank dem gerechten Steuersystem auf die Füße. Dadurch erhöht sich das Jahreseinkommen und die Beschäftigen können die Gelder aus der Kurzarbeit zurückzahlen. So läuft das und während der Eigentümer sich auf kosten der Beschäftigten kosten senkt und Gewinne in die Steueroasen verschiebt. Aber vom Steuerzahler Unterstützung für den Umbau zum grünen Stahl verlangt, der Antrag ist übrigens von der Bundesregierung abgelehnt worden! Offenbar hat die Landesregierung nicht begriffen das dieser Standort massive Probleme hat und gegen die Kohle ausgespielt wird. AMEH ist nach dem Kraftwerken die größte CO2 Schleuder und Wasserverbraucher. Mit Erdgas könnte der CO2 Ausstoß gesenkt werden, lohnt sich aber nicht..

  12. 8.

    Auf der Webseite des NDR wird von Seiten des Bürgermeisters von Lubmin darauf hingewiesen dass die Gewässer vor Lubmin und Greifswalder Bodden zu Flach um dort LNG-Tanker zu entladen. Der geplante Pendelverkehr wäre zu aufwendig, wenn dass LNG-Terminal zwischen Rügen und Usedom verankert würde.
    In Wilhelmshaven wird ein 2. LNG-Terminal gebaut, bindet von dort über eine neue Pipeline schleunigst den Nordosten an. Das spart Kosten!

  13. 7.

    Bitte Mal NACHDENKEN!
    Monatelang Gewinne machen (und so auch Rücklagen haben!!!!) aber beim ersten Zeichen müssen alle (Steuerzahler!!!) bezahlen! Wieso nicht die Aktionäre und co?

  14. 6.

    Geld für Geflüchtete und humanitäre Hilfe im Rahmen der Außenpolitik wird immer da sein und es wird da auch nicht gespart. Eher kommen neue Abgaben oder Wegfall von Vergünstigungen. Weiterhin wird dann auch eher im Inland massiv gespart. Seien es die Schulen oder andere öffentliche Einrichtungen wie zB Schwimmbäder. Es wäre schließlich unmenschlich und moralisch völlig das verkehrte Signal wenn man die eigenen Menschen im Land bevorzugen würde.

  15. 5.

    Es ist zwar für die Beschäftigten bitter, aber das Werk ist, ähnlich wie Schwedt, unrentabel. In Deutschlad gibt es für Beides Überkapazitäten.

  16. 4.

    Das hat sich in 15bJahren vermutlich eh erledigt. Dann geht die Industrie dorthin wo wirtschaftlich produziert werden kann. Aber es gibt dann genug hippe Startups welche die zehnte Datin App erfinden. Da findet man immer Arbeit für 1300 Netto

  17. 3.

    Die Anlagen sollen zunächst mit Erdgas... betrieben werden.
    Kommt jetzt bald ein Erdgastransportschiff nach dem anderen, oder kommt Nordstream 2. Regiert nach der emotionalen Solidarität mit der Ukraine die praktische mit den Stahlarbeitern und der Umwelt.
    Nicht vergessen, wenn es Deutschland wirtschaftlich schlecht geht, ist auch weniger Geld für Umwelt, Europa, Geflüchtete...da.

  18. 2.

    Ohne Kurzarbeit wäre die Konsequenz Massenentlassungen. Käme für den Steuerzahler noch teurer.

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