Bernau: Erster Funkmast für den neuen 5G-Mobilfunkstandard in Brandenburg (Quelle: rbb/Thomas Rautenberg)
Video: Brandenburg aktuell | 14.10.2019 | Mark Albrecht | Bild: rbb/Thomas Rautenberg

Erster 5G-Sendemast in Bernau - In Brandenburg bricht ein neues Internet-Zeitalter an

Seine Reichweite beträgt nur 800 Meter, doch dafür soll der 5G-Sendemast in Bernau, der erste in Brandenburg, mobiles Surfen in neuer Dimension ermöglichen. Betreiber der neuen Funkzelle ist Vodafone. Kunden sollen 5G vorerst kostenlos nutzen können.

Nun hat auch Brandenburg seinen ersten 5G-Mobilfunkmast. Die neue Funkzelle ist am Montagmorgen in Bernau in Betrieb genommen worden - in Anwesenheit von Staatssekretär Thomas Kralinski (SPD) und André Göbel, Geschäftsführer der landeseigenen DigitalAgentur Brandenburg. Betreiber der neuen Funkzelle ist Vodafone.

Vodafone will Livebetrieb bundesweit testen

Für den Telekommunikationkonzern ist der neue Funkmast Bestandteil eines bundesweiten 5G-Probetriebs, für den inzwischen 80 Sendemasten installiert wurden. Dabei sollen unterschiedliche topographischen Bedingungen und verschiedene Anwendungsszenarien "im Livebetrieb" getestet werden, sagte Vodafone-Sprecher Volker Petendorf rbb|24 am Montag.

So seien Sendemasten im Gebirge, in mittleren Lagen und auch im Flachland errichtet worden. Ballungszentren würden ebenso abgedeckt wie ländliche Gebiete. Ab 2020 solle 5G flächendeckend ausgebaut werden. Im letzten Ausbaustadium sei vorgesehen, "den Großteil unserer 25.000 Sendemasten mit 5G auszurüsten", sagte Petendorf.

Full-HD-Film in unter 90 Sekunden herunterladen

Der Standort in Bernau sei gewählt worden, weil die Breitband-Versorgung in Brandenburg grundsätzlich noch ausbaufähig sein. Daher wolle Vodafone seinen Kunden nun "schnelles Internet aus der Luft" bringen, sagte Petendorf - mit einer Datenrate von bis zu 20 Gigabit pro Sekunde, Echtzeitübertragung großer Datenmengen, größerer Verbindungsstabilität und kürzere Reaktionszeiten.

Als Anwendungsbeispiel nannte Vodafone am Montag die Download-Zeit für einen Full-HD-Kinfilm mit acht Gigabyte. Mit einem 3G-fähigen Endgerät dauere das derzeit etwa 30 Minuten, mit 4G rund zehn Minuten und mit 5G eine Minute und 20 Sekunden. Künftig werde es noch schneller gehen, denn die Bandbreite betrage anfangs "nur" 800 Mbit/Sekunde. Kunden von Vodafone könnten den 5G-Standard vorerst ohne zusätzliche Kosten nutzen, sagte der Sprecher.

Reichweite der 5G-Sendemasten beträgt nur 800 Meter

Doch eine flächendeckende Versorgung mit dem neuen 5G-Standard ist noch Zukunftsmusik - nochzumal die Reichweite der Funkzellen vergleichsweise gering ist. Für interessierte Vodafone-Kunden in Bernau dürfte es dabei in den kommenden Monaten wichtig sein, den genauen Standort der Sendeanlage, die Hausnummer 46 in der Oranienburger Straße, zu kennen - denn wer die neue superschnelle Mobilfunk-Technologie nutzen will, braucht nicht nur ein 5G-fähiges Smartphone, sondern muss sich auch in umittelbarer Nähe des Sendemastes aufhalten. Anders als bei LTE (rund drei Kilometer), beträgt die Reichweite von 5G-Funkzellen nämlich nur rund 800 Meter.

Für das Land Brandenburg bedeutet die Inbetriebnahme des ersten 5G-Mobilfunkmastes den Start in ein neues Internet-Zeitalter - denn die superschnelle neue Mobilfunk-Technologie soll vor allem neue Anwendungsmöglichkeiten in der Wirtschaft unterstützen, zum Beispiel im Bereich des autonomen Fahrens oder in der Industrieproduktion. Im Privatkundenbereich dürfte 4G (LTE) aber weiterhin völlig ausreichend bleiben.

Huawei soll bei Netzausbau doch zum Zuge kommen

Umstritten bei der Einführung der neuen 5G-Technologie sind vor allem zwei Punkte: die Rolle des chinesischen Netz-Ausrüsters Huawei und mögliche Gesundheitsgefahren durch die 5G-Frequenzen.

Huawei ist nach Samsung zweitgrößter Handyhersteller der Welt. Daher soll sein Einfluss auf die Netz-Technologie möglichst unterbunden werden - das meinen jedenfalls die USA, die EU und viele deutsche Sicherheitsexperten. Kritiker werfen Huawei eine allzu große Nähe zur chinesischen Regierung vor und befürchten Spionage. Der SPD-Außenpolitiker Nils Schmid sagte dem "Handelsblatt", es sei ein schwerer Fehler, Huawei ins 5G-Netz zu integrieren.

Wie die Zeitung am Montag schreibt, hat die Bundesnetzagentur ihre Sicherheitsanforderungen inzwischen so formuliert, dass Huawei bei der Belieferung der deutschen Netzbetreiber nun doch zum Zuge kommen kann. Vor allem das Kanzleramt habe eine schärfere Fassung verhindert, die dem chinesischen Unternehmen den Zugang verwehrt hätte, hieß es.

Gesundheitsexperten befürchten Risiken durch hochfrequente 5G-Strahlung

Auch mögliche Gesundheitsgefahren durch die 5G-Emissionen sind noch nicht ausgeräumt. Bereits im September 2017 hatten 180 Wissenschaftler aus 36 Ländern vor gesundheitlichen Gefahren durch das 5G-Netz gewarnt. "Die 5G-Technik funktioniert nur über kurze Entfernungen. Durch festes Material werden die Signale nur schlecht übertragen. Viele neuen Antennen werden benötigt, und die vollständige Einführung wird in städtischen Gebieten zu Antennen im Abstand von 10 bis 12 Häusern führen", heißt es in einem weltweit publizierten offenen Brief. Daher werde die Zwangsexposition durch 5G-Funkzellen stark erhöht. Bemängelt wird vor allem, dass die kabellose Kommunikation immer weiter um sich greife und die Auswirkungen nicht gründlich genug erforscht seien.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) war dem Verdacht, dass hochfrequente elektromagnetische Felder, etwa aus dem Mobilfunk, eine krebserregende Wirkung haben könnten, nachgegangen und hatte eigene Studien in Auftrag gegeben. Im August 2018 stellte die Bundesbehörde auf Grundlage dieser Studien fest, "dass nach dem wissenschaftlichen Kenntnisstand keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch hochfrequente Felder - etwa aus dem Mobilfunk - zu erwarten sind, wenn die Grenzwerte eingehalten werden".

Sendung: Inforadio, 14.10.2019, 12.35 Uhr 

Kommentar

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21 Kommentare

  1. 21.

    Warum wurden die BürgerInnen in Bernau eigentlich nicht über die gesundheitlichen Risiken aufgeklärt, bevor man Ihnen einen 5G-Mast vor die Haustür setzt? Und wer jetzt sagt, dass gesundheitliche Bedenken nicht bewiesen sind, der sollte sich nur mal die Technologie ansehen, die dahinter steckt und die viele Fragen aufwirft. Ich frage mich, warum die PolitikerInnen in Brandenburg und Bernau so etwas zulassen??? Wer ist dort eigentlich Bürgermeister, scheint ja keinerlei Widerstand gegeben zu haben und jetzt steht das Ding da und keiner weiß, was die Folgen davon sein werden. Traurig und peinlich.

  2. 20.

    3G wird bald abgeschaltet, veraltet:

    "Anfang Juli 2019 kündigten Telekom, Vodafone und O2 an[15], dass UMTS abgeschaltet wird, damit Frequenzen für 5G frei werden. Bei Telekom und Vodafone[16] soll das bis 2021 passieren, bei O2 ist es noch unklar, wann 3G abgeschaltet wird. " (wiki)

  3. 19.

    Ich habe mir gerade die Lachtränen wegwischen müssen. Aber seien sie versichert, ins Carport passt nur mein Auto und mein altes R75/5 Gespann - und die funktionieren hier besser wie der Handyempfang. Brüllen brauche ich, so bezogen auf 3 qm nicht. Wehe ich verlasse diesen Bereich. Dann ist Ende im Gelände. Beste Grüße.

  4. 18.

    Ausgerechnet Brandenburg, wo sich wahrscheinlich so gut wie keiner ein 5 G Fähiges Telefon leisten kann....
    Statt in Hamburg mal loszulegen wo die Technik über Jahre erforscht wurde, stattdessen in den Strukturärmsten Gebiet. Hallelujah.....

  5. 17.

    5G Standard unter weglassen der Sicherheitsstandards, damit der Staat schön mitlesen hören und gucken kann, was der Bürger so treibt. NAAtürlich ist das Terrorabwehr.. NAAtürlich
    Wie bei der Titanic.. ohh das Wasser glitzert so schön und die Kapelle spielt so tolle Musik, alles ist so herrlich

  6. 16.

    Also bei 800m Reichweite ist der Standort ja wirklich klasse gewählt. Mitten im Nirgendwo umringt von Feld, Wald und Lagerhallen. Da schöpft man doch die 800m so richtig gut aus.
    Da wäre doch die Aufstellung in Bahnhofsnähe sinnvoller gewesen. Dann hätten wenigstens ein paar Anwohner und wartende Reisende was davon.

  7. 15.

    Breitbandausbau in Deutschland ist Aufgabe des Verkehrsministeriums, das seit Menschengedenken von der CSU geführt wird. Vielleicht mal einen E-Postbrief an Andreas "Andi" Scheuer schicken, werte Kommentarspaltennutzer.

  8. 14.

    Pssst, noch schneller als 5G ist Glasfaser. Und ist auch energiesparender und höchstwahrscheinlich auch gesundheitlich unbedenklicher (es gibt übrigens derzeit keine einzige wissenschaftliche Methode, die weder Unschädlichkeit noch Unbedenklichkeit von 5G beweisen kann). Die Sicherheitsbedenken, die mit 5G einhergehen lasse ich auch mal unerwähnt.
    Ich halte 5G für nicht erstrebenswert, vor allem weil ich mir dann erstmal neue Hardware zulegen muss, um das überhaupt nutzen zu können.

  9. 13.

    "Auf anderen Kontinenten und in vielen Ländern ist das schon Standart."

    Sehr spannend. Wo denn? Dass 5G längst noch kein Standard ist, lässt sich bereits daran ablesen, dass es derzeit knapp eine handvoll Smartphones mit passendem Modem gibt. Zeitlich ist Deutschland dieses Mal sogar noch unter den ersten. In vielen Ländern laufen noch die 5G-Auktionen bzw. Ausschreibungen für die Netzwerkausrüster oder man hat, wie in Deutschland, 2019 mit der Inbetriebnahme erster Anlagen begonnen.

    Das einzige große Land auf der Welt, das eine nennenswerte 5G-Infrastruktur in der Fläche aufweist, ist Südkorea. Dort ist die Förderung des Netzausbaus wirtschaftlich von Interesse, da LG und Samsung für das BIP so wichtig sind wie bei uns die Autohersteller. China hat auch erst dieses Jahr die Frequenzen verteilt, Japan startet das öffentliche 5G-Netz planmäßig 2022, in Taiwan 2020, die USA haben Ende Juli mit ersten Anlagen begonnen...

  10. 11.

    Oh, wir scheinen Nachbarn oder schlimmer noch, eineiige Zwillinge zu sein - vermutlich nutzten wir einen gemeinsamen Carport! Lange habe ich gedacht, mein bescheuerter Nachbar möchte mir seine Handytelefonate aufdrücken - weil er so wichtig ist.. neee - er musste immer ins letzte Eck seines Gartens, angrenzend an meinen Garten, um überhaupt Handyempfang zu haben, und sein Brüllen ist auf die mangelnde Qualität der Übertragung zurückzuführen... naja, hier trommelt man halt noch. Während in Albanien oder Burkina Faso alles übers mobile Datennetz abgekaspert wird...

  11. 10.

    Bitte surfen sie weiter, es gibt nichts zu Downloaden.

  12. 9.

    Ich wohne am Berliner Stadtrand. Versorgung via "Strippe" - kann echt nicht meckern - aber wenn das Handy bimmelt, gehe ich in den Carport - der liegt vermutlich nicht im "Funkschatten".
    Ein Vergleich dazu <https://www.welt.de/politik/deutschland/article186160422/Mobilfunk-Studie-Deutsches-Netz-schlechter-als-das-in-Albanien.html>

  13. 8.

    Oh bitte wie peinlich ist das denn. Da wird ein 5G Mast zelebriert als wäre es die Mars Landung. Hallo geht's noch? Auf anderen Kontinenten und in vielen Ländern ist das schon Standart. Welch Armutszeugnis für Deutschland... so etwas auch noch zu hofieren. Peinlich peinlich... schämt euch!!!!!!

  14. 7.

    ...und wieder wird gebaut ohne vorher nachzudenken, 5G braucht hier keiner, 3G wuerde vollkommen ausreichen... wie sieht es denn mit der Gefaehrlichkeit der Strahlung aus, die Intensitaet duerfte ja um Einiges hoeher liegen als bei 3G zB....? :/

  15. 6.

    5G na toll .Hier bei uns an der Grenze zu Polen geht nicht mal 4 G . So wie immer Hauptsache BERLIN. Aber solche Investitionen bezahlen die die es nicht haben. Für mich NIE wieder Vodafone

  16. 5.

    "5G-Standart"

    Echt jetzt? Für einen rbb-Artikel enthält der Text darüber hinaus aber verhältnismäßig wenige Fehler. Immerhin...

  17. 4.

    Die versprechen uns doch nur das Blaue vom Himmel ! Erst mal die Leute ruhig stellen.

  18. 3.

    "In Brandenburg bricht ein neues Internet-Zeitalter an "
    Und das soll ich glauben? Bekommt der Spreewald nun endlich Mobilfunk? Oder bleibt es bei den "Brieftauben" im 3G?
    Ful-HD Filme, streamen? Im Spreewald kann man aktuell nicht mal nen komprimiertes WhatsApp Bild senden oder emfpfangen. (explizit: Burg / Spreewald)

  19. 2.

    "Neues Internetzeitalter" - - ob ich das im Flächenland Brandenburg jemals erleben werde. Wie schädlich ist die Strahlung? DSL wäre ja sicherer, aber Kabel will keiner verlegen.
    Ich halte diese Meldung für eine neue Luftblasen.

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