Symbolbild: Braunkohlekraftwerk Jaenschwalde, Brandenburg ist nur noch Mittelmaß bei der Energiewende. (Quelle: dpa/A. Franke)
Video: Brandenburg Aktuell | 27.11.2019 | Anja Meyer | Bild: dpa/A. Franke

Bundesländer-Vergleich - Brandenburg nur noch Mittelmaß bei der Energiewende

Jahrelang war Brandenburg beim Ausbau der Erneuerbaren Energien Nummer eins in Deutschland - nirgendwo schien die Energiewende so gut zu klappen wie hier. Ein neuer Bundesländer-Vergleich kippt nun Wasser in diesen Wein: Die Mark ist nur noch Mittelmaß.

Das Land Brandenburg ist im bundesweiten Vergleich nicht mehr führend beim Umstieg auf Erneuerbare Energien. Das geht aus der am Mittwoch veröffentlichten Bundesländer-Vergleichsstudie 2019 der Agentur für Erneuerbare Energie hervor [unendlich-viel-energie.de]. 2008 hatte das Land im ersten Bundesländervergleich noch den ersten Platz errungen und danach zweimal bestätigen können. Nun rutschte Brandenburg ins Mittelfeld auf den sechsten Platz ab.

Rückgang beim Bau von Windkraftanlagen

Brandenburg habe sich in früheren Jahren um den Ausbau erneuerbarer Energien verdient gemacht, hieß es. Die Anstrengungen zur Nutzung hätten aber deutlich nachgelassen. Künftig sollte man sich mehr dafür einsetzen.

Derzeit erzeugen mehr als 3.800 Windräder Ökostrom in Brandenburg , das reiche im Vergleich mit anderen Bundesländern nicht aus, so der Bericht. Die Genehmigungen und das Aufstellen neuer Windkraftanlagen sind demnach auf einen zweistelligen Bereich in den letzten Jahren zurückgegangen – auch auf Grund von Klagen und Bürgerprotesten.

Schleswig-Holstein ganz vorn

Der Ländervergleich ist ein Forschungsprojekt des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) im Auftrag der Agentur für Erneuerbare Energien. Das Bundeswirtschaftsministerium hat das Projekt gefördert. Für die Studie wurde 61 Kriterien wie Ökostrom-Anteil, Patente, Öko-Forschungsausgaben, Arbeitsplätze in der Branche und politische Ziele zugrunde gelegt.

Studiensieger Schleswig-Holstein schneide in der Breite aller Themen und besonders beim Windkraft-Ausbau gut ab, heißt es. Baden-Württemberg als zweitplatziertes Land punktet mit seinen Klimaschutzzielen. Brandenburgs Nachbarn Berlin und Sachsen liegen im Bundesländer-Vergleich auf hinteren Plätzen.

Im Koalitionsvertrag hat sich die neue rot-schwarz-grüne Regierung den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien zum Ziel gesetzt. Unter anderem sollen mehr Solaranlagen gebaut werden und die Akzeptanz der Windkraft erhöht werden.

Die Ergebnisse der Studie im Überblick

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11 Kommentare

  1. 11.

    Es gibt Menschen die nicht aus kosmetischen Gründen gegen die "Energiewende" sind, sondern weil sie keine Lust haben noch mehr für Strom zu bezahlen oder im Aufzug stecken zu bleiben. Es werden gigantische gesellschaftliche Ressourcen auf absolut Nutzloses vergeudet, und die geplante Abschaltung weiterer Kraftwerke birgt die reale Gefahr eines Blackouts. Nur werden Sie diese Sorte Gegner nicht vor Gericht finden, weil Allgemeinwohl keine juristische Kategorie ist und deswegen kein Gericht eine damit begründete Klage annehmen wird. Den Unfug in nettere Form zu packen löst das Problem allerdings nicht.

  2. 10.

    ... wobei der Grund für die Klage in den allermeisten Fällen nicht die finanzielle Benachteiligung ist, sondern die Empfindung, dass ein überall gleich aufgestelltes Windrad der spezifischen Landschaft all zu grob daherkomme. Eine finanzielle Köderung mag den Protest beschwichtigen, aber ihm doch nicht den eigentlichen Grund nehmen.

    Gewiss gibt es Menschen, die gegen die Windenergie überhaupt sind und seien es die Under-Cover-Agenten der Atomkraft. Das aber ist zahlenmäßig eher zu vernachlässigen.

    Also: Gebt den Windrädern endlich die Gestalt, die sie verdienen - landschaftsbezogen, so wie seinerzeit bei Einführung der Eisenbahn dieses seinerzeit neue Verkehrsmittel Furore machte und so, wie heutzutage die Straßenbahn in Frankreich wieder eingeführt wird: beileibe keine 08/15-Anlagen, sondern allerbestes Design, d. h. auf die Stadt bezogene Gestaltung.

  3. 9.

    Also von einigen WEA in meiner näheren Umgebung weiss ich das die Flächeneigner die Bürgermeister sind. Und das meine ich ernst ;-)

  4. 8.

    Nach wie vor werden die Bürger im direkten Umfeld der Windkraftanlagen in keiner Weise an den Gewinnen Beteiligt. Das Geld wandert irgendwo hin, nur nicht in die Region.

    Selbst das Ackerland auf dem die Anlagen stehen, gehört nicht mehr den Leuten vor Ort sondern Investorengruppen.

    So kann man die Leute nicht überzeugen und es wird dagegen protestiert und geklagt.

  5. 7.

    Es ist immer wieder schön, dass vor allem Berliner den Brandenburgern empfehlen die Landschaft mit Windrädern vollzustellen.
    Guckt doch mal wo Berlin in diesem Ranking steht.
    Vielleicht sollte Berlin einfach das Tempelhofer Feld mit Windrädern vollstellen, die Abstandsregel von 1000m zur Wohnbebauung kann man ja ignorieren, wird schließlich von der Landbevölkerung auch erwartet um den Ausbau der Windenergie nicht zu blockieren.

  6. 6.

    Ist doch logisch, dass beim Neuzubau die Ersten irgendwann die Letzten sind.
    Flächen und Toleranzen sind erschöpft, zumal die anderen Länder nicht annähernd so in die Vollen gegegangen sind.
    Absolut oder mit der Pro-Kopf-Erzeugung ist BRB noch ganz vorn...jedoch wird ohne die absehbar echte Speichermöglichkeit selbst eine Totalverspargelung niemals grundlastsicher sein!

  7. 5.

    Der fast völlig durch Staatsgelder forcierte Ausbau der Windkraft dürfte als einer der größeren Merkel-Flops in die Geschichte eingehen. Woidkes Brandenburg hat einfach mitgemacht und hier tauchen jetzt die Resultate auf.

    Deutschland muss ein einzigartig schief gelaufenes Experiment – die sogenannte „Energiewende“ beenden. Wir haben eine Explosion der Stromkosten, die inzwischen unser Land als Industriestandort gefährdet.

    Es ist absurdes System entstanden, welches der Umwelt so gut wie gar nicht nutzt, aber die Profitinteressen etlicher Nutznießer bedient. Denn die Wahrheit ist, dass wir für jede zugebaute Windkraft-Kapazität konventionelle Kraftwerke zur Absicherung benötigen oder Strom aus den Kernkraftwerken unserer Nachbarn beziehen.

  8. 4.

    Ich hoffe mit Bündnis 90/Die Grünen in de Landesregierung ist Brandenburg in Zukunft wieder auf den ersten Plätzen!

  9. 3.

    Eigentlich ne ganz gute Nachricht.

  10. 2.

    Das ist erst der Anfang, denn Brandenburg wird weiter verlieren. Ein Grund ist, dass Jeder, ob sinnvoll oder nicht, gegen Standorte von Windrädern oder Funkmasten klagen kann. Und von den Leuten gibt es ja reichlich.

  11. 1.

    Ein Denken, wer denn "die Nase vorn" bei etwas hat, war mir im Grunde schon immer fremd gewesen. Sowohl persönlich als auch gesellschaftlich. Und politisch insofern gleichgültig, wie es v. a. um Gestaltung geht, wer denn nun mit wem vor allem persönlich kann. Das hat mit zahlenmäßigem Gewicht nicht unbedingt etwas zu tun.

    Das Ins-Stocken-Geraten der Windenergie halte ich insgesamt bedauerlich und doch ist es gut unter dem Aspekt, wie es darum gehen könnte, Menschen auf andere Art und Weise für diese sinnvolle Energieart zu gewinnen. Die Windkraftgegner speisen sich ja "nur" zum kleinen Teil aus Menschen, die diese Energieform als solche ablehnen, vielmehr aufgrund ihrer Ungestalt.

    Ungestalt, so will ich es nennen. Das kann dieses Land besser. Jede neu eingeführte Technik hat im Prinzip durch wohltuende Ästhetik Furore gemacht. Nur bei der Windkraft legen sich 08/15-Anlagen wie eine "großindustrielle Folie" gleichförmig über die Landschaft.

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