Das Logo eines Real-Supermarktes in Berlin (Bild: imago images/Emmanuele Contini)
Bild: imago images/Emmanuele Contini

Metro will noch im Januar verkaufen - Real-Supermärkte in Berlin und Brandenburg vor dem Aus

Von rund 300 Real-Supermärkten in Deutschland sind 13 in Brandenburg und sechs in Berlin. Sie alle stehen vor dem Aus. Denn der Metro-Konzern, dem sie gehören, will sie jetzt abstoßen. Der neue Eigentümer will nur wenige Märkte selbst betreiben.

277 Kaufhäuser betreibt die Einzelhandelskette Real deutschlandweit. 13 sind es in Brandenburg, sechs in Berlin. Sie stehen allesamt vor dem Aus. Die Märkte gehören der Metro AG, die bereits Mitte September 2018 angab, die Märkte verkaufen zu wollen. Doch erwies sich der Verkaufsprozess als deutlich mühsamer als erwartet. Nun steht die SB-Warenhauskette vor der Zerschlagung - und viele Mitarbeiter womöglich vor der Kündigung.

Denn die Metro will alle Real-Märkte in Deutschland und den Online-Shop real.de möglichst noch im Januar an ein Investoren-Konsortium aus X-Bricks und SCP Group verkaufen.

Betriebsrat warnt vor massivem Stellenabbau

Die künftigen Eigentümer wollen aber nach den bisher bekanntgewordenen Plänen nur einen kleinen Teil der Märkte selbst weiter betreiben. Der Großteil der Standorte soll an andere Händler wie Edeka oder Kaufland weiterverkauft werden.

Einigen Standorten droht offenbar auch die Schließung. Der Betriebsrat von Metro warnte vor massivem Stellenabbau. Man rechne mit der Schließung von 50 oder mehr Märkten. Außerdem werde es wohl auch in den an Wettbewerber verkauften Filialen zu sehr vielen betriebsbedingten Kündigungen kommen, wird befürchtet. Vor dem Aus stehen nach Angaben des Betriebsrats auch die Zentralverwaltung in Düsseldorf, die Logistik, Werbung und IT-Abteilung.

Bundesweit sollen 34.000 Mitarbeiter von dem geplanten Verkauf betroffen sein.  Etwa ein Drittel davon, nämlich rund 10.000 Stellen sollen nach den Befürchtungen des Betriebsrats abgebaut werden. Etwa 120 Mitarbeiter soll es nach Angaben des Betriebsrats in etwa pro Real-Filiale geben. Somit müssten über 2.000 Real-Beschäftigte in der Region Berlin und Brandenburg um ihre Arbeitsplätze bangen.

Metro-Chef Olaf Koch hält die vom Betriebsrat aufgebrachte Schätzung der vom Stellenabbau betroffenen Mitarbeiter für zu hoch. Er betonte, der Konzern habe für alle von einer betriebsbedingten Kündigung betroffenen Mitarbeiter bereits soziale Absicherungen vereinbart.

Metro will reiner Großhändler sein

Metro ist im Umbau zu einem reinen Großhändler und hat sich deshalb bereits von zahlreichen Tochterunternehmen getrennt. Neben Real wird aktuell auch das China-Geschäft verkauft. Getrennt hat sich der Konzern bereits von Kaufhof, Media Markt und Saturn.

In einer ersten Version dieses Artikels war davon die Rede, dass es in Berlin und Brandenburg 18 Real-Märkte gebe; tatsächlich sind es aber 19 (davon 13 in Brandenburg und sechs in Berlin). Wir haben die Angaben entsprechend korrigiert.

Sendung:  Antenne Brandenburg, 14.01.2020, 17 Uhr

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39 Kommentare

  1. 37.

    Dann fragen Sie mal die Mitarbeiter in Neukölln und wedding wie Ihre Märkte erhalten bleiben. Nämlich gar nicht, vielleicht sollte man mal in den Märkten nachfragen

  2. 36.

    Verstaatlichung hat erstmal nichts mit Planwirtschaft zu tun. Viele Vergleiche mit der DDR zeugen nur von Unkenntnis und sind geradezu haarsträubend.

  3. 35.

    Teil 2: Was bitteschön hat denn die Gesellschaft davon, wenn sich der Gewinn bei einzelnen Leuten konzentriert? Werden davon mehr Kindergärten gebaut, Schulen repariert, Lehrer und Pflegekräfte bezahlt? Oder wird das Geld eher für Luxusyachten, Villen und teure Autos ausgegeben und als Kapitakl dazu benutzt, noch mehr Geld zu scheffeln, während andere Menschen Flaschen sammeln müssen?

  4. 34.

    Sie vergessen dabei 1. daß die Marktwirtschaft permanent zwischen Boom und Krise abwechselt. Boom bis hin zur überproduktion und anschließend Absatzflaute mit Crash und Dominoeffekt, der diverse Firmen in den Abgrund reißt - hatten wir zuletzt 2008. Nennt sich "zyklische Krise". Was daran vorteilhaft sein soll, bleibt unklar. Etwas mehr Planung könnte das verhindern. Bevor ich ein Haus baue, plane ich ja auch - und baue nicht einfach wild drauflos.
    2. Sie vergessen, daß der Osten auf Initiative der Westmächte die Reparationen für Gesamtdeutschland zahlen mußte. Man hat den Osten solange ausbluten lassen, bis die Leute 1953 auf die Straße gingen. Derart unterschiedliche Anfangsbedingungen konnte man mit KEINEM Wirtschaftssystem ausgleichen. Teil 2

  5. 33.

    Was reden Sie denn da? Metro verkauft real. Die Supermärkte bleiben erhalten. Ob das der in Rede stehende Käufer der meisten real-Märkte ist oder Edeka oder Rewe... völlig schnurz. Metro ist Großhändler und die Einzelhändler kaufen dort ein. D.h. da ändert sich in der Warenmenge nicht viel. Betriebswirtschaftlich löst sich Metro damit nur vom Handel mit dem normalen Endverbraucher. Metro wird auch weiterhin Geschäfte mit den Einzelhändlern und Weiterverkäufern machen. Der Einzelhandel ist kostenintensiv.

  6. 32.

    Wenn Metro jetzt die real-Märkte verkaufen will, dann ist das Einkaufsvolumen der verbleibenden Metromärkte erheblich niedriger. D.h. auch die Marktposition ist erheblich geschwächt . D.h . wiederum , dass Metro selbst nur wesentlich geringere Rabatte und WKZ (Werbekostenzuschüsse) der Industrie erhält. Ich als Metro-Kunde kann dann nur sagen, dass die Preise der Metro jetzt schon sehr hoch sind. Und Metro will GROSSHANDEL sein, also für WIEDERverkäufer. Meistens gilt : kauflandpreis (INCL.MwSt.) = Metro-Preis (OHNE MwSt.) So meine Erfahrung.

    Man merkte aber, dass mal in der real-Führungsetagen recht keine Lust mehr hat. Wenn ich zu real Lichtenberg gehe, werde ich seit Jahren schon mit dem Gestank nach Fett und Öl am Eingang durch die "heiße Theke" empfangen.

  7. 31.

    Leider zeigt die Erfahrung aber, dass es bei "gesellschaftlichem Eigentum" (also Staatsbetrieben) mit dem Gewinn oft nicht mehr so dolle aussieht, wenn nicht auch dort nach ökonomischen Kriterien gewirtschaftet wird, sondern dauernd die Politik reinquatscht. Das war auch in der DDR ein wesentliches Problem, das selbst von klugen Kommunisten schon Anfang der 60er Jahre erkannt wurde - aber nicht gelöst werden konnte, weil das "Primat der Politik" nicht gebrochen werden durfte, man nicht zugeben konnte, dass die Markt- der Zwangs- und Kommandowirtschaft stets überlegen ist und sich am Ende die marxistischen Dogmatiker durchsetzten. Wie die so entstandene Misswirtschaft endete, ist bekannt.

  8. 29.

    Es ist scheisse fuer die Mitarbeiter, aber ich will sowieso nicht mehr bei Real,a..i usw einkaufen,denn ich sehe es nicht ein das ich als gehandicapter Mensch dort Einkäufe die aber solche Leute nicht einstellen.
    Es reicht mir und ich hoffe viele folgen meinem Beispiel

  9. 28.

    Ja, überhaupt alles verstaatlichen! Wer erinnert sich nicht gern an die stets üppige Auswahl, das hochwertige Angebot und den vorbildlichen Service der durchschnittlichen HO-Kaufhalle! Ein kulinarisches Paradies, von dem wir bei der heutigen Mangel- und Minimalversorgung zu völlig überhöhten Preisen (die aber, wie auch hier einige fordern, dringend weiter erhöht werden müssen) nur träumen kann.

    Der Planwirtschaft gehört die Zukunft! Der Sozialismus siegt!

  10. 27.

    Der Markt in der Müllerstr schließt zum Ende des Jahres

  11. 26.

    Ihnen kann geholfen werden. Der Unterschied sind die Eigentumsverhältnisse - ergo, WER den Gewinn kassiert. Ist eigentlich ganz einfach: Privateigentum vs. gesellschaftliches Eigentum. Dh. auf der einen Seite füllt sich jemand privat die Taschen (in der Regel Leute, die schon mehr als genug haben) und auf der anderen Seite eben nicht. Klar soweit?

  12. 25.

    @alle: Niemand schließt ein stabil laufendes Geschäft, weil der Gewinn ein paar Prozent niedriger ist, als man gierig erwartet. Man schließt es, wenn es dauerhaft oder absehbar Verlust macht, oder das Risiko für Verlust oder Insolvenz zu hoch wird. Alle von Ihnen, die beim Einkaufen auch auf den Preis achten, handeln übrigens nach demselben Prinzip.

  13. 24.

    Mitbewerber übernehmen Märkte gerne, wenn sie rentabel zu betreiben sind, also nicht nur Geld verbrennen, das ist überall in der Wirtschaft so. Zur Zeit der Vorgänger Wertkauf und Wal-Mart war das Preisgefüge im Lebensmittelmarkt anders. Bei Wertkauf (und Metro) konnte man Standardprodukte im Durchschnitt erheblich günstiger einkaufen, da lohnten dann auch Anfahrt und große Märkte. Heute haben fast alle Märkte, von Aldi über Edeka/Tengelmann bis Metro einen Preis- und Artikelmix, der sich im Durchschnitt kaum unterscheidet, nur in der Non-food-Aktionsware. Und der Nimbus, dass man billiger und besser sei als der Mitbewerb, ist nach ein paar Jahren eben verbraucht.

  14. 23.

    @RBB: 120 Mitarbeiter pro Markt?! Haben Sie hier mal nachgerechnet und nachgehakt, wie diese Behauptung zustande kommt? Und wie viele echte, eigene, sozialversicherungspflichtige Angestellte (nicht: Minijobs, Angestellte von Dienstleistern und Zulieferern, die die Regale selbst bestücken, geliehene Zeitarbeiter) mit welchem Vollzeit-Äquivalent (!) bei Real (!) durchschnittlich pro Markt in Berlin/Brandenburg angestellt sind?

  15. 22.

    Um beim Thema zu bleiben : ich denke mal, dass die Größe der Märkte real das Genick bricht. Die Stärke ist das Vollsortiment und wenn der Markt allein steht, passt auch alles. Wenn man aber einen Standort wie der im A10 hat, nutzt es nichts. Mit Ausnahme der Lebensmittel hast du Alternativen, sowohl günstiger als auch teurer. Und das Einkaufen der Lebensmittel macht nicht so viel Spaß, weil zum einen der Preis und zum anderen die langen Wege (innerhalb des Marktes und dann erst recht zum Parkplatz) Ist also bestenfalls für den großen Wochenenendeinkauf geeignet, wobei der wohl aus dem Trend kommt, weil man immer und fast jederzeit einkaufen kann...

  16. 21.

    Das kommt mir bei unserem örtlichen Edeka auch so vor : Ware kommt Montag und Donnerstag, wenn dann zwischendurch was knapp wird, wird es finster... Komischerweise ist das Veganerzeug und die teure Schokolade nie knapp - liegt aber dann gern beim abgelaufenen Zeug herum. woran das wohl liegen könnte...

  17. 20.

    Im Braunkohlebergbau arbeiten noch rund 20.000 Menschen. Um ihnen den Übergang zu einer anderen Beschäftigung zu erleichtern, wird die klimaschädliche Barunkohleförderung noch weitere zwanzig Jahre betrieben. Bei den 30.000 Menschen, die hier dem Mammon einzelner Konzerne geopfert werden, wird man wohl einfach nur zuschauen, wie diese ins Jobcenter wandern und schon nach kurzer Zeit vom Existenzminimum leben müssen.

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