Glas wird teurer - Brauereien bitten um Rückgabe leerer Flaschen

Do 19.05.22 | 17:04 Uhr | Von Sebastian Schneider, rbb|24
  25
Symbolbild: Flaschen werden auf einem Fließband in einer Brauerei abgefüllt. (Quelle: imago images/V. Isore)
Video: rbb24 Abendschau | 18.05.2022 | Anna-Maria Deutschmann | Bild: imago images/V. Isore

Die Energiekosten sind im letzten Jahr um fast 500 Prozent gestiegen, klagt die Glasindustrie. Das hat auch Folgen für die Brauereien in der Region: Weil sie neue Flaschen immer teurer zu stehen kommen, bitten sie die Verbraucher, ihr Leergut zurückzubringen. Von Sebastian Schneider

Wenn es warm wird, beginnt das Dilemma jedes Jahr von Neuem: Die Biertrinker horten zuhause ihre Flaschen, vielleicht aus Bequemlichkeit, vielleicht aus Vergesslichkeit, und so kommt es, dass bei den Brauereien etwas ins Stocken gerät. Im Sommer wird traditionell das meiste Bier getrunken und ebenso traditionell mehr gekauft als zurückgegeben, bestätigt Stefan Fritsche, Geschäftsführer der Klosterbrauerei Neuzelle im Kreis Oder-Spree.

Weil das Mehrwegsystem weniger Rücklauf ausspuckt, wird die Angelegenheit für die Brauereien teurer. Denn sie müssen mehr neues Glas dazukaufen. Immer zu der Zeit, in der die Grills ausgepackt werden und der Bierdurst steigt, rufen die Hersteller die Hopfenfreunde öffentlich dazu auf, ihr Leergut doch bitte wieder einzureichen. Neu ist in diesem Jahr aber: Die Flaschen sind so teuer wie noch nie - und es sind weniger auf dem Markt.

"Was gerade passiert, das sprengt wirklich alle Dimensionen. Wir sehen gerade bei Verpackungen und Energie nie gekannte Preiserhöhungen. Gerade bei Neuglas gehen die Preise durch die Decke. Das hat damit zu tun, dass sich die Herstellungskosten für Glas so dramatisch verteuert haben", sagt Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bunds in Berlin, dem rbb.

Ein Teil des Neuglases wurde bisher in der Ukraine hergestellt

Der Bundesverband Glasindustrie berichtet, dass die Energiekosten für die Herstellung im Vergleich zum Vorjahr um bis zu 500 Prozent gestiegen seien. Für die Glasherstellung sind Temperaturen von mehr als 1.300 Grad nötig - noch mehr als bei vielen anderen Produkten momentan schlägt hier der Faktor Strom und Gas auf den Preis. Was ebenfalls eine Rolle spielt: gestörte Lieferketten und ein Mangel an Fahrerinnen und Fahrer für die Lkw.

Ein weiterer Grund für den Anstieg sei, dass ein wesentlicher Teil des Glases in der Ukraine produziert werde, sagt Götz Ziaja, Marketingchef des Frankfurter Brauhauses in Frankfurt (Oder). Er schätzt den Anteil im Gespräch mit dem rbb auf etwa 30 Prozent. Durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine fallen diese Kapazitäten gerade weg. "In Deutschland ist die Situation so, dass es in den letzten Jahren nicht wirtschaftlich war, hier neue Kapazitäten aufzubauen, weil man in Osteuropa deutlich günstiger produzieren lassen konnte", sagt Ziaja.

Eine Flasche kostet im Einkauf bis zu 16 Cent

Eine Bierflasche koste die Brauer im Einkauf heute zwischen 14 und 16 Cent, sagt Eichele. Aber sie bringt laut Gesetz nur 8 Cent Pfand und dieser Wert ist seit 20 Jahren nicht erhöht worden [blogs.faz.net]. Neuglas müssen die Brauereien selber kaufen, auch wenn das bis jetzt laut Eichele nur wenige Prozent der Flaschen ausmacht - erst nach etwa 40 Umläufen müsse eine Flasche ausgetauscht werden. Je niedriger der Anteil der Mehrwegflaschen, desto mehr Kosten haben die Anbieter.

Dazu kommt: Das Mehrwegsystem für Bierflaschen ist vergleichsweise ineffizient. Anders als beispielsweise bei Mineralwasser gibt es zig verschiedene Flaschentypen und wenige Vorgaben. Jede Brauerei kann ihre eigene Form wählen, Marken wie Veltins oder Hasseröder prägen ihre Namen auch noch ins Glas - also kann dieses von anderen Firmen nicht einfach benutzt werden. Die abgegebenen Kästen bei Brauereien wie der in Neuzelle zeigen das - mit einer bunten Pullen-Vielfalt. Der Betriebsleiter Stefan Fritsche führt den Beweis an und nimmt eine Kiste in die Hand: Von allen 20 Flaschen könne sein Betrieb nur eine einzige wieder benutzen. "Der Rest ist für uns Schrott", sagt Fritsche.

Bis zu 30 Prozent Preissteigerungen erwartet

Die Fummelei war auch vorher lästig. Aber nun geht dieser Aufwand für Sortieren und Transport stärker ins Geld. Wer keine langfristigen Verträge abgeschlossen habe, müsse nun bis zu 80 Prozent mehr pro Flasche zahlen, sagte Holger Eichele. Dazu kommt: Viele Brauereien leiden noch unter den Nachwirkungen der Corona-Lockdowns. Der Ausfall der Gastronomie hat sie angeschlagen, die Umsätze im Handel konnten das wichtigere Geschäft an den Tresen nicht ausgleichen. "Wir kommen von der einen Krise und gehen in die nächste", sagt Stefan Fritsche, der auch für den Brauereiverband Berlin-Brandenburg spricht.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ging der Bier-Absatz 2021 im Vergleich zum Rekordminus im Vorjahr nochmal um 3,4 Prozent zurück. Seit Jahren zeigt der Trend beim Verkauf alkoholhaltiger Biere nach unten, das war auch vor Corona schon so.

Die Folge: Wie die meisten anderen Konsumgüter wird auch Bier teurer, mit bis zu 30 Prozent Preissteigerungen rechnen Brauereien wie die in Neuzelle, sagt Fritsche. Christoph Flessa, der Inhaber von "Flessa Bräu", betreibt seit zehn Jahren seine kleine Brauerei in Berlin-Friedrichshain. Er habe seine Bierpreise seit 2019 nicht mehr erhöht, weil er der Gastronomie in Corona-Zeiten habe entgegenkommen wollen, sagt er. Das gehe nun nicht mehr. "Es gibt eine relativ hohe Preiserhöhung bei mir. Ich habe Angst, dass ich meine Kunden verliere, dass die nicht mehr bereit oder in der Lage sind, so viel Geld auszugeben. Wenn das Craft Beer, das handwerklich hergestellte Bier, zu teuer wird, dann werden die Leute vielleicht sagen: Ich kauf's nicht mehr", sagt Flessa.

Wirklicher Mangel an Flaschen: eher unwahrscheinlich

Dass aber den Brauern im Spätsommer leere und damit den Kunden volle Bierflaschen fehlen könnten, wie der Brauer-Bund-Geschäftsführer Eichele am Mittwoch spekulierte, erscheint gerade lediglich wie der "Worst Case". Sowohl Glashändler als auch mehrere Brauereien und Getränkehändler äußern sich weniger pessimistisch. "Aktuell gibt es keine Erkenntnisse, dass es schon eng ist, die Märkte sind voll mit Ware", sagte ein Veltins-Unternehmenssprecher der dpa. "Getränke Hoffmann" in Berlin sagt auf rbb-Nachfrage: Dass ernsthaft Flaschen fehlten und kein Bier mehr abgefüllt werden könne, sei sehr unrealistisch.

Der Brauerei-Chef Stefan Fritsche aus Neuzelle berichtet, noch laufe die Produktion in seiner Brauerei rund. Ob in den nächsten Monaten tatsächlich Glas fehlen werden, sei noch nicht absehbar. Aber erstmal wünschten sie sich in Neuzelle, Frankfurt (Oder) und Friedrichshain dasselbe wie vor jedem Sommer: möglichst viele leere Flaschen.

25 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 25.

    Nur blöd, wenn der Supermarkt die Flaschen zwar verkauft aber nicht zurück nimmt. Viele Nachbarn hauen die Pfandflaschen in den Müll, weil der einzige "Leergutautomat" (da gibt es auch nach der Renovierung nur einen) im Supermarkt am Kotti andauernd "defekt" ist.
    Offenbar auch eine Möglichkeit für den Einzelhandel die aufwändige Rücknahme von Leergut zu vermeiden ;)
    Ähnlich bei vielen "Spätis" im Kiez, die geben massenhaft leere Kästen (ohne Flaschen) an die Spediteure zurück. Wer nach einer größeren Party viele leere Kästen z.B. bei Getränke Hoffmann zurückgeben will, bekommt auch schnell zu hören: "Das geht leider nicht, ich hab keinen Lagerplatz mehr. Komm bitte Mittwoch oder Freitag nochmal..."
    @rbb & Brauereien: Also der Verkauf läuft, aber die Rücknahme von Leergut ist unbeliebt.

  2. 24.

    Was ist jetzt daran Blödsinn? Artikel nicht gelesen oder nur nicht verstanden?

  3. 23.

    Was hat der Mann, recht hat er! Zukunftsorientierte Sekundärrohstoffe - bereits vor einem halben Jahrhundert in der DDR erfunden. Und in den 90ern und heute - kaufen die Grünen lieber richtig teure Einwegprodukte ... bei Rheinmetall (mit unser aller Schulgeld).

  4. 22.

    Was für ein Blödsinn. Oder haben Sie bereits diverse Flaschen gelehrt, um sie der Glasindustrie wieder zuzuführen?

  5. 21.

    Oh Gott, was für ein Schwachfug. Hab selten so was blödes gelesen.

  6. 20.

    Pünktlich vor Beginn des Sommers die gleiche Schlagzeile, nur das in diesem Jahr der Krieg in der Ukraine Schuld ist.

  7. 18.

    Ich werde jetzt mal einen anderen Blick auf das Flaschen Problem werfen.
    Ich beliefere regelmäßig im Ruhrgebiet Grossläger der allgemein bekannten Lebensmittelmärkte (aber nicht mit Getränken).
    Dort komme ich auch an den Lehrgutlägern vorbei. Bei jedem stehen Berge, aber wirklich Berge von Lehrgut unter freiem Himmel. Wo ich gestern war schätze ich die Menge mal auf 40 bis 50 LKW-Ladungen. Ich kann mir das nur so vorstellen, dass es an Transportraum mangelt. Oder diese Transporte werden so schlecht Bezahlt, daß sich kein Unternehmer (bei den hohen Treibstoffkosten)das antut. Wahrscheinlich nicht mal die Osteuropäer. Zumal bei den Bergen auch ein Anteil nicht Sortiertes Lehrgut dabei ist, was erst noch Sortenrein gemacht werden muss, bevor es Abtransportiert werden kann.
    Vielleicht sollte man dort erstmal über Veränderungen nachdenken,bevor man dem Konsumenten den Schwarzen Peter zuschiebt.

  8. 17.

    Die Höhe des Mehrwegpfandes ist nicht gesetzlich geregelt. Jeder Abfüller kann das Pfand frei bestimmen.
    Wenn eine Brauerei also Flaschen zurück braucht, dann könnte sie einfach ein höheres Pfand bei der Rückgabe auszahlen. Ich glaube, solche Aktionen gab es in der Vergangenheit schon mal.
    Gerade die besonderen Flaschenformen würde es einzelnen Brauereien praktisch möglich machen.

    Wenn der Glaspreis steigt, könnte sie ein höheres Pfand beim Verkauf verlangen ohne das Produkt zu verteuern.

  9. 16.

    Wie alle? Die Flaschen werden erhitzt nur so glänzen sie wieder. Auf YT gibt es jede Mende Bildungsprogramm.

  10. 15.

    Glas wird teurer??? Dann schafft es ab! Sowieso viel zu schwer die Pullen.

  11. 14.

    Vor kurzem hatte ich geschrieben:
    "Wir werden der DDR immer ähnlicher......"
    Falls sie das jetzt nicht verstehen, es war gemeint, "das gab es alles schon mal und es war sinnvoll".

  12. 13.

    Auch das ist ein schwerer Logikfehler! Die Stabilität der Flaschen ist völlig unabhängig von der Pfandhöhe. Sie gehen für 8 Cent genau so kaputt, wie für jeden anderen Betrag.
    Die Illusion, dass für ein höheres Pfand weniger Flaschen absichtlich zerstört werden, klappt auch nur in der grauen Theorie. Realistisch gesehen, sind es doch (zumindest aus meiner Erfahrung) zumeist Leute, die augenscheinlich zu viele Flaschen in zu kurzer Zeit geleert haben und evtl. zusätzlich noch andere Substanzen konsumiert haben. In diesem Zustand ist es diesen Leuten schlicht egal, wieviel Pfand die Flasche kostet.
    Würde die Pfandsumme so weit steigen, dass sich diese Leute den Konsum vorher überlegen, greifen sie eher zu anderen höherprozentigen pfandfreien Getränken, was das Problem der Brauereien eher verstärkt, denn löst.

    Beste Grüße

  13. 12.

    Wie genau löst der Pfandpreis das von Brauereien selbst erzeugte Problem, dass sie schlicht keine neuen Flaschen beschaffen wollen?
    Die Gesamtanzahl der in Umlauf befindlichen Flaschen dürfte rel. konstant sein. Einen gewissen "Schwund" (durch Bruch usw. gibts immer, zusätzlich lassen sich die "gebrauchten" Flaschen nicht beliebig oft nutzen.
    Und genau diese "Schwund-Zahlen" kennen die Brauereien/Abfüller sehr, sehr gut, denn um den auszugleichen, mussten schon immer neue Flaschen beschafft werden. Das kostet natürlich. Und hier nähern wir uns des Pudels Kern! Es geht schlicht um die Kosten der Brauereien, nicht mehr, nicht weniger.
    Zumindest in Großstädten dürfte die Menge der zu Bruch gehenden Flaschen weit höher sein, als die, die irgendwo herum liegen. Schauen Sie sich mal um, welche Heerscharen an Menschen mit geringem Einkommen/Rente durch die Straßen laufen und auch die letzte intakte Flasche aus dem Müll/Gebüsch sammeln (weil sie es leider müssen).
    Beste Grüße

  14. 11.

    Bestenfalls landen die leeren Flaschen im Müll. Neuerdings werden die Flaschen einfach auf der Straße oder auf dem Bürgersteig zerdeppert. Da hilft nur eine ordentliche Erhöhung des Pfands.

  15. 10.

    Die Pfanderhöhung bei Bier wird wohl nie kommen. Einfach weil die Flaschen niemanden gehören. Bei Wasser gibts ne Holding, den deutschen Brau und Brunnen, bei Bier nicht. Selbst die Standardflaschen werden bei den Brauereien nur bei Bedarf neu zugekauft. Und dass unwillig, weil man die neue Flasche dann einmal nutzen kann und dann war sie weg. Weshalb auch viele Brauereien auf eigene Flaschen setzen, was aber die Wiederverwendung begrenzt.

    Würde man den Pfand erhöhen, würden Firmen anfangen mit den Flaschen zu handeln. Oder es versuchen, weil im zweifel würden die Brauerein sie nicht kaufen, weil die Neuflaschen billiger sind. Die Lösung wird wohl eine Systemflasche sein, da gibts wohl bei Drittelliterflaschen eine Initiative die das Brau und Brunnen Modell nacheifern will.

  16. 9.

    Standardflaschen und -gläser einführen und SERO revivaln. Das würde Arbeitsplätze schaffen und die Energiekosten enorm senken. Auch Konservengläser müssen für neue nicht eingeschmolzen werden.

  17. 8.

    Bier abschaffen! Cola trinken! Das ist noch wirtschaftlicher, falls die Friedhöfe das packen sollten…

  18. 7.

    Zwar bin ich Generation X, also nach den Babyboomern, aber ich achte sehr auf Umwelt und wäre niemals auf die Idee gekommen, eine Pfandflasche wegzuwerfen!! Wer kommt denn auf diese Idee? Die neureiche F4F-Generation? Ich kenne den Trend zu gut, seit einigen Jahren, einfach die Pfandflaschen, gut gemeint, für Obdachtlose, zurückzulassen, wo sie dann im Müll landen. Pervers

  19. 6.

    Also rechnerisch 0,4 Cent pro Flasche, pro Verkauf. Da sind der sechsfache Preis bereits einberechnet. Tipps an die Shareholder-Brauereien: Weniger an Aktionäre ausschütten, dann bleibt mehr für Bierqualität. Da lobe ich mir Deutschlands größte Brauerei, die keinerlei Werbung benötigt!

Nächster Artikel

Bild in groß
Bildunterschrift