RE 3, 4 und 5 - Bahn kündigt Ausbau mehrerer RE-Strecken an

Di 20.09.22 | 16:50 Uhr
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Zahlreiche Menschen, zum Teil mit Fahrrädern, steigen am Hauptbahnhof Berlin in einen Regionalzug der Linie RE5 nach Rostock. (Quelle: dpa/Monika Skolimowska)
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Audio: rbb 88.8 | 21.09.2022 | Kerstin Topp | Bild: dpa/Monika Skolimowska

Mehr Züge, dichtere Taktungen, mehr Sitzplätze, mehr Komfort: Die Deutsche Bahn will den regionalen Schienenverkehr auf drei Regionalexpress-Strecken spürbar aufwerten. Profitieren sollen davon vor allem Pendler - und Ostsee-Urlauber.

Der Regionalbahnverkehr in Brandenburg soll ab Ende 2026 auf drei Linien ausgebaut werden, darunter die stark genutzten Strecken von Berlin an die Ostsee. Das teilte die Bahn am Dienstag mit. Konkret geht es um das "Netz Nord-Süd" mit den Linien RE3, RE4 und RE5.

Ab Dezember 2026 solle auf diesen Verbindungen mehr Kapazität und Qualität geschaffen werden - mit mehr Fahrten, dichteren Takten, schnelleren Verbindungen, modernen Zügen mit 20 Prozent mehr Sitzplätzen und deutlich mehr Fahrradstellplätzen, so die Bahn.

Im Detail kündigte die Bahn an:

"Anhalter Bahn": Berlin – Ludwigsfelde – Luckenwalde – Jüterbog – Lutherstadt Wittenberg/ Falkenberg (Elster)

Auf der "Anhalter Bahn" (Berlin – Ludwigsfelde – Luckenwalde – Jüterbog – Lutherstadt Wittenberg/ Falkenberg (Elster)) fährt laut Bahn ab Dezember 2026 neben den Linien RE3 und RE4 künftig auch die Linie RE5. Die Linie RE3 fährt dann von Berlin kommend Montag bis Freitag stündlich und mit allen Zügen, am Wochenende weiterhin zweistündlich, nach Lutherstadt Wittenberg. Die Linie RE4 soll dann täglich stündlich nach Falkenberg (Elster) fahren. Zwischen Jüterbog und Berlin ergänzen sich beide Linien ganztags an sieben Tagen in der Woche auf zwei Züge pro Stunde und Richtung.

Da auf der Strecke zukünftig noch mehr Fernzüge unterwegs sein sollen, müsse das Halte- und Linienkonzept im Netz Nord-Süd anders strukturiert werden, heißt es von der Bahn. Der RE3 wird dann stündlich an allen Bahnhöfen zwischen Lutherstadt Wittenberg, Jüterbog und Berlin halten. Im Gegenzug wird der RE4 ab Jüterbog beschleunigt und hält nur in Luckenwalde, Ludwigsfelde, Berlin Lichterfelde Ost und Berlin-Südkreuz.

Für die berlinferneren Stationen gebe es so spürbare Fahrzeitverkürzungen, heißt es. So verringere sich zum Beispiel die Fahrzeit zwischen der Kreisstadt Herzberg (Elster) und Berlin teilweise um etwa 15 Minuten.

Geplante Regionalstrecken der Deutschen Bahn in Brandenburg, Stand September 2022. (Quelle: rbb/OpenStreetMap contributors/Deutsche Bahn)Geplanter Ausbau der Strecken von RE3, RE4 und RE5.

Lehrter Bahn (Berlin – Rathenow – Stendal)

Ab Dezember 2026 fährt die Linie RE4 von Berlin kommend zunächst alle zwei Stunden über Rathenow hinaus bis nach Stendal. Sie ergänzt damit die ebenfalls zweistündlich fahrende Linie RB34 zu einem insgesamt stündlichen Angebot.

Zwischen Berlin und Rathenow wird das Angebot ebenfalls ausgeweitet. Hierzu sind in den Spitzenzeiten zusätzliche Züge zwischen Berlin und der Havelstadt unterwegs. Insgesamt gibt es dann täglich in den besonders nachgefragten Zeiten ein Angebot von zwei Zügen pro Stunde auf diesem Linienabschnitt.

Berlin – Eberswalde – Stralsund bzw. Schwedt und Berlin – Neustrelitz – Rostock bzw. Stralsund

Auch auf den Linienästen in Richtung Norden wird das Angebot ausgebaut. Während der Hauptreisezeit im Sommer wird das Angebot zwischen Rostock und Neustrelitz ausgebaut, indem zusätzliche Ausflugszüge eingesetzt werden.

Im Berufsverkehr unter der Woche sind zusätzliche Entlastungszüge zwischen Neubrandenburg und Berlin sowie zusätzliche Früh- und Spätverbindungen zwischen Neustrelitz und Rostock vorgesehen. Auf der Achse Stralsund – Neubrandenburg – Neustrelitz – Berlin wird das Angebot im Abend- und Spätverkehr verbessert.

Neue moderne Züge und mehr Sitzplätze

Die Regionalzug-Flotte wird um 15 Neufahrzeuge des Herstellers Stadler erweitert, zudem werden 110 Doppelstockwagen und 22 Lokomotiven umfangreich modernisiert, kündigte die Bahn an.

RE3 Stralsund bzw. Schwedt (Oder) – Berlin– Lutherstadt Wittenberg/Halle (Saale)

Hier sollen zwölf doppelstöckige Triebfahrzeuge des Herstellers Stadler zum Einsatz kommen. Diese verfügen über fünf doppelstöckige Wagen mit 579 Sitzplätzen. Das wären im Winterhalbjahr 159 Sitzplätze und im Sommerhalbjahr 79 Sitzplätze mehr als derzeit. Die neuen Fahrzeuge bieten dann ganzjährig 72 Fahrradstellplätze.

RE4 Stendal – Rathenow – Berlin– Falkenberg (Elster)

Für die Linie RE4 werden fünfteilige Doppelstockzüge zum Einsatz kommen. Sie bieten auf allen Fahrten 503 Sitz- und 72 Fahrradstellplätze. Im Vergleich zum heutigen Betrieb sind das 75 Sitzplätze und 42 Fahrradstellplätze zusätzlich.

RE5 Rostock bzw. Stralsund– Berlin – Ludwigsfelde/RE5C Rostock Hbf – Neustrelitz - Berlin

Hier werden fünfteilige modernisierte Doppelstockzüge ganzjährig 503 Sitzplätze und 72 Fahrradstellplätze zur Verfügung stellen können. Auf der RE5C zwischen Neustrelitz und Stralsund werden zusätzlich vierteilige Fahrzeuge von Stadler zum Einsatz kommen. Das einstöckige Triebfahrzeug bietet 275 Sitzplätze.Auf allen drei Linien soll kostenloses WLAN angeboten werden, daneben ein modernen Design in den Zügen, Steckdosen in allen Sitzplatzbereichen und ein modernes Innenraumkonzept, kündigt die Bahn an. Mit an Bord sind auch weiterhin Kundenbetreuer.

Beermann und Jarasch sehen Qualitätssprung

Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg hatte gemeinsam mit den Verkehrsgesellschaften von Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt die Linien RE3, RE4 und RE5 ausgeschrieben und der Deutschen Bahn nun den Zuschlag erteilt. Der bisherige Vertrag mit der Bahn läuft Ende 2026 nach zwölf Jahren aus. Nun konnte sich der Konzern den Auftrag für das "Netz Nord-Süd" weitere zwölf Jahre sichern.

Seitens der Politik gab es Lob für die Planungen. Brandenburgs Verkehrsminister Guido Beermann (CDU) sprach von einem "Meilenstein hin zur mehr Schiene, insbesondere für den ländlichen Raum."

Berlins Verkehrssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) bezeichnete das Vorhaben als "spürbaren Qualitätssprung im Regionalverkehr". Gerade Pendlerinnen und Pendler profitierten von Taktverdichtungen, komfortableren und längeren Zügen.

Sendung: rbb24 Brandenburg aktuell, 20. September 2022, 19:30 Uhr

33 Kommentare

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  1. 33.

    Das ist auch meine persönliche Befürchtung: Hoffentlich erlebe Ich das noch !!! Sehr guter Kommentar von Ihnen, zu dem Thema - ,,schneller Ausbau der Schiene,,.

  2. 31.

    Könnte der rbb auch öfter darüber berichten wie unzuverlässig der VBB und die Bahn ist? Und rücksichtslos? Gibt es eigentlich einen Algorithmus, der die erfundenen Entschuldigungen für Totalausfall, Verspätungen bis zu Stunden und für die Profallawende usw.auswählt? Die Ukrainerinnen, die gerade neben mir warten fassen es nicht .

  3. 30.

    Alles müssen sparen und die Bahn plant den Ausbau. Das nennt man dann wohl antizykkisches Handeln.

  4. 29.

    Das liest sich im ersten Moment gut. Im zweiten Moment, ohje, vorher stehen auf den besagten Strecken umfangreiche Baumaßnahmen wohl an, um die Strecken und Bahnhöfe zu fit zu machen für den Mehr-Verkehr.

  5. 28.

    Leider gibt es offenbar bleibend eine tiefe Kluft zwischen ambitionierten (Fahr-)Plänen und den Niederungen der Realität, die jeder Fahrgast an nahezu jedem zweiten Tag zu Gesicht bekommt. Das soll kein Mosern sein, nur ein Hinweis darauf, dass der "Unterbau" fehlt: Das wäre

    1. ein besseres Umgangsklima als zurzeit, als dass alles Mögliche auf dem Rücken der Bahnbeschäftigen ausgetragen wird, auch die Jubelmeldungen über das 9 Euro-Ticket künden davon,
    2. eine vorsorgliche, vorausschauende Instandhaltung auf Herz & Nieren bei den Anlagen, anstatt außerhalb des sicherheitsrelevanten Bereiches nur ein grobe Sicht zu praktizieren und Teile erst dann auszutauschen, wenn diese völlig verschlissen sind. Dadurch werden Fahrpläne zur Makulatur, der Mehreinsatz von Zügen übrigens auch.

    Neben vermehrten Investitionen braucht es also einen Paradigmenwechsel seitens des Bahn-Managements und das ehrliche Eingeständnis, dass die Mehdorn-Politik in eine Sackgasse lief.

  6. 27.

    Die S - Bahnstecke von Adlershof nach Schönefeld wurde 1962 gebaut. Neu war damals allerdings nur die Kurve im Bereich Grünauer Kreuz. Von Grünau über Altglienicke nach Schönefeld gab es schon immer eine Bahnanbindung. Ohne diese Kurve wäre es für die Altglienicker noch schwieriger gewesen in die Innenstadt zu kommen. Die S - Bahnstrecke zerschneidet nicht ein einigen Ortsteil. Die Fernbahn schon.

  7. 26.

    Wer eine Rrennung von Betrieb und Bau fordert hat einfach keine Ahnung. Es ist so schon schwer genug bei den ganzen Sicherheitsvorschriften und Regelungen das alles am laufen zu halten wenn die Bahnteile noch weiter zerrupft werden, verschlechtert sich die interne Kommunikation noch weiter und es gibt noch viel schlimmere Verzögerungen und endlose andere Probleme, umso mehr player auf der schiene ihr Unwesen treiben umso komplizierter und damit langsamer wird das ganze, das kann sich doch jeder an 2 fingern ausrechnen. Ich will mir keine Welt vorstellen in der unternehmen wie flixtrain und Co die auf Profit angewiesen sind, die Leute transportieren, das würde so schnell in die Hose gehen.

  8. 25.

    Die Straßenbahn nach Altglienicke wurde nach der Wende aufgrund maroder Infrastruktur stillgelegt, trotz recht voller Züge. Haben die meisten lange vergessen.

  9. 23.

    DANKE!

  10. 22.

    Es sollte mal eine Straßenbahn von Rudow durch Altglienicke bis nach Adlershof gebaut werden. Man hat das aber leider nie verwirklicht. Stattdessen stapeln sich die Buslinien. Zudem hat Altglienicke an jeder Ecke nen Autobahnanschluss und 2 S-Bahnhöfe. Kein andere Stadtteil ist aufgrund von der umgebenden Infrastruktur so eingekesselt.

    Die Bahnstrecke durch Altglienicke ist ein Relikt des kalten Krieges, führt mitten durch Wohngebiete und teilt den Ort massiv. Ich bin sonst nicht für Stillegungen, aber über diese Strecke kann man diskutieren, insbesondere da es keinen Bahnhof (mehr) gibt und die Alternative durch den BER geschaffen wurde.

    Hoffnung gibt es durch die Verlängerung der U7.

  11. 21.

    "Die "Aufwertung" der Verbindungen ist vom VBB gewollt, nicht von "der Bahn""
    "Jeder anderer Teilnehmer an der Ausschreibung musste dieselben Leistungen kalkulieren."
    Richtige Feststellung. Falsche Schlußfolgerung.
    Genau aus diesem Grund sollen Betrieb und Netz getrennt sein.
    Hinweis: Schauen Sie mal in den Bereich Sachsen, wo Abellio die Leistung nicht erbringen kann, weil "die Bahn" einfach mal Steckenteile stilllegt, weil für deren alten mechanischen Stellwerke kein Personal mehr vorhanden ist!
    Das sich auf veraltete Strecken kein weiterer Anbieter bewirbt, ist ja wohl klar. Dafür lässt sich "die Bahn" jetzt feiern. Sie ist Betreiber und Nutzer zugleich.
    Sie haben oben Satz 3 gelesen?

  12. 20.

    Es dürfte vergaberechtlich äußerst schwierig sein eine öffentlich ausgeschriebene Leistung nach Vergabe drastisch zu ändern. Das hat also nix mit Lahmarschigkeit zu tun, sondern dem europäischen Vergaberecht.
    Alles was bis 2026 auf diesen Strecken läuft, ist lange her ausgeschrieben und vergeben. Da kann man also nix einfach so ändern.

  13. 19.

    Genau so. Alles richtig. Ich versteh die Aufregung hier nicht!? Wer von den Kommentatoren, die sich hier echauffieren kann denn nicht lesen?
    https://mil.brandenburg.de/sixcms/media.php/9/Landesnahverkehrsplan-2023-2027-Pr%C3%A4sentation.pdf
    Seite 5.
    Fertig.
    Ich bin ja schon froh darüber, das es tatsächlich in der zeitlichen Planung (noch) passt.

  14. 18.

    Eigentlich ein Witz.
    Der Bahnhof Terminal 5 (früher Berlin-Schönefeld)
    liegt komplett brach.
    Versuchen Sie mal von Altglienicke in die Innenstadt
    mit dem Regio zu fahren.
    Völlig abgehängt-als Ortsteil von Berlin.

  15. 17.

    In ca. 4 Jahren wird das Angebot auf der Schiene verbesser - Dann fahren manchmal sogar 2 Züge in der Stunde nach Rathenow - Und das schon Ende des Jahres 2026. Da finde Ich gar keine Worte mehr. Es könnten aber auch mal wieder, Strecken reaktiviert werden, das wäre dann eine schöne Meldung wert.

  16. 16.

    Sollen lieber mal das was da ist richtig organisieren ! Flughafen BER … mit der Bahn die reinste Zumutung ! Die die dort arbeiten kommen oft zu spät weil die Anbindung Interirdisch miserabel is

  17. 15.

    Entschuldigung aber ich kann nur noch lachen, auch wenn es traurig ist
    Vor ein paar Tage war die Schlagzeile
    ......der Bahn fehlen ..... Lokführer..... Züge fallen wegen hohem Krankenstand aus u.s.w.

  18. 14.

    Die Züge von Siemens, due demnächst auf den RE1 fahren, haben den Vorteil, auch an Bahnsteigen mit Standard-Höhe barriefrei zu sein. Dabei bringen die viel Technik auf dem Dach unter und haben zusammen mit dem Entfall der Treppen in den einstöckigen Wagen ähnlich viel Platz für Passagiere wie ein vergleichbar langer Doppelstock-Triebzug.

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