Archiv: Das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt (Oder) bei einer Probe (Quelle: dpa)
Audio: Antenne Brandenburg | 02.03.2018 | Michel Nowak | Bild: dpa-Zentralbild

Deutsch-polnische Musikfesttage 2018 - Von Blockflöten und erbosten Barbieren

Die deutsch-polnischen Musikfesttage sind das größte Klassik-Musikfestival in der Oder-Region. Bei der Veranstaltungsreihe, die seit knapp 25 Jahren besteht und stetig wächst, spielen deutsche Ensembles in Polen und polnische auf der deutschen Oderseite.

Es klingt und schallt wieder in den Konzerthäusern an der Oder und durchaus auch etwas weiter entfernt. Beethoven, Rossini oder Mozart - namhafte Orchester und Musiker spielen in den nächsten drei Wochen viele Werke großer Komponisten. Im polnischen Gorzow genauso wie im deutschen Müncheberg. "Die Musikfesttage sind ein besonderer Begegnungsort für deutsche und polnische Künstler sowie ein Publikum von beiden Seiten der Oder", sagt Peter Sauerbaum, Intendant des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt. Er sieht das Festival schlicht als unverzichtbar an. "Nach unserer Vorstellung soll es noch weiter ausgeweitet werden. Und da kommen wir jedes Jahr ein Stückchen voran."

Dass dabei nicht unbedingt ein typischer Festival-Charakter entstehen kann, ordnet Peter Sauerbaum als nachrangig ein. Auch für Czeslaw Grabowski, Chef-Dirigent der Philharmonie Zielona Gora, ist eher wichtig, möglichst viele verschiedene Besucher über die Musik für Konzertstätten im Nachbarland zu interessieren. Der Künstlerische Leiter der Festtage arbeitet seit dem Beginn im Jahr 1994 mit. Sehr viel habe er über die Jahre hinweg über Brandenburg und Frankfurt (Oder) gelernt. "Ich habe die Probleme hier miterlebt und ich glaube, für die Deutschen war es in die andere Richtung genauso", sagt Czeslaw Grabowski.

Wenn die Blockflöte überrascht

Der gegenseitige Austausch und Dialog ist nach wie vor ein Hauptanliegen des dreiwöchigen, mit öffentlichen Mitteln geförderten Festivals. Deutsche Ensembles treten dabei vor allem in Polen auf, die polnischen wiederum in Deutschland. "Alles andere würde ja auch gar keinen Sinn machen", sagt Peter Sauerbaum. Oder aber die Musiker spielen gleich in beiden Ländern: Nachdem zur Premiere im Vorjahr zahlreiche Besucher kamen, ist etwa das deutsch-polnische Jugendorchester unter der Federführung der Frankfurter Musikschule erneut dabei. Am 23. März treten die Musiker in der Philharmonie Gorzow auf, einen Tag später sind sie im Stift Neuzelle zu sehen und zu hören.

Neben den großen Sinfonie- und den bewährten Kammerkonzerten finden sich im Programm auch einige Neuerungen. So gibt es in Frankfurts Konzerthalle diesmal Blockflötenklänge zu hören. Dafür hat Florian Vogel, Künstlerischer Leiter der Messe und Veranstaltungs GmbH, den Schweizer Maurice Steger engagiert. Anfangs sei er durchaus skeptisch gewesen, ob das funktionieren könne, so Florian Vogel. Blockflötenmusik würden die meisten ja eher aus dem Schulunterricht kennen. "Dann habe ich mich aber da mal reingehört und war doch ziemlich begeistert, was aus so einer Blockflöte herausgeholt werden kann", so Florian Vogel weiter, "das ist extrem klar und virtuos." Jetzt freue er sich, dass mit Maurice Steger einer der berühmtesten Blockflötisten am 11. März bei den Musikfesttagen dabei sei.  

Boris Aljinovic © rbbSchauspieler und ehemaliger Tatort-Kommissar Boris Aljinovic

Opernstoff mit Tatort-Komissar

Auch einen bekannten Schauspieler kann Florian Vogel begrüßen. Am 13. März kommt der ehemalige Tatort-Kommissar Boris Aljinovic ins Frankfurter Kleistforum. Begleitet von einem Saxophonquartett gibt es hier die Premiere von "Will der Herr Graf" zu sehen. Die Inszenierung lehnt sich an die berühmte Oper "Der Barbier von Sevilla" an und sei durchaus Experiment, wie Florian Vogel sagt. "Wir sehen die Musikfesttage auch als Spielwiese, um neue Formen zu zeigen", so Vogel, "eigentlich ist das ein musikalisch-literarischer Abend, in dem diese Oper erzählt wird. Und da ist dann kein klassisches Orchester auf der Bühne, sondern ein Saxofon-Quartett, das Rossini spielt."

Die meisten Veranstaltungen in Neuzelle, Nowa Sol, Rzepin und sogar Cottbus sind aber dann doch eher Klassiker. So wie das Auftaktkonzert am Freitag in Zielona Gora. Hier dirigiert Czeslaw Grabowski, der Festival-Chef, persönlich. Zu hören gibt es Richard Wagner, Frederic Chopin und Sergej Rachmaninow. "Die Werke des in Deutschland eher unbekannten Rachmaninow werden von Musikern aus Polen, der Ukraine und Weißrussland gespielt", sagt Czeslaw Grabowski, "und die Kompositionen von Chopin wird dann der Künstler Takashi Yamamoto aus Japan präsentieren."

Eine würdige Eröffnung mit internationaler Besetzung sei dieses Konzert für die traditionsreichen Musikfesttage, sagen die Organisatoren. Sie hoffen nun auf möglichst viele Besucher. Denn erst durch sie lebt das deutsch-polnisches Festival.

Beitrag von Michel Nowak

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