Boris Aljinovic © rbb
Audio: Antenne Brandenburg | 13.03.2018 | Katharina Albrecht | Bild: rbb

Interview | Schauspieler Boris Aljinovic - "Ich werde eine Schere dabei haben"

Boris Aljinovic wird zum Barbier von Sevilla. In seinem Musiktheaterstück „Will der Herr Graf“ steht der Schauspieler als erboster Figaro auf der Bühne des Frankfurter Kleistforums. Und er kündigt an, dass dabei ein paar Locken fallen werden. Von Katharina Albrecht

rbb: Herr Aljinovic, Sie stehen in "Will der Herr Graf" zusammen mit dem Saxophonquartett clair obscur auf der Bühne. Wie stellt sich da die Ausgangsituation für das Publikum dar?

Boris Aljinovic: Wir haben in "Will der Herr Graf" nur vier Saxophone auf der Bühne für eine eigentlich voll besetzte Operette. Das heißt, es  beginnt damit, dass jemand auf die Bühne tritt und sagt‚ "Meine Damen und Herren wir hatten heute einen Ausfall, das große Orchester ist leider im Streik, die Sänger auch. Wir machen das so: Ich erzähl einfach die Geschichte" ...und dann fängt dieser Typ an zu schwätzen und behauptet, er sei der Barbier.

Dieser Typ, das sind dann Sie. Ist denn die Geschichte, die dann folgt auch für Opernmuffel verständlich, die die Oper von Gioacchino Rossini nicht kennen?

Das ist nicht so wie in der Oper, wo durch die Form der Inhalt manchmal nicht mehr begreifbar ist und man sich damit zufrieden gibt als Kunstprodukt. Das heißt, Sie müssen den Barbier von Sevilla nicht kennen und Sie müssen nicht wissen, was klassische Literatur ist. Es gibt eine klare lustige Geschichte zu erzählen mit toller Musik.

Ihre vier Saxophonisten von claire obscur kennen Sie schon seit 2004, als Sie zusammen den "Karneval der Tiere" inszeniert haben. Wie funktioniert das diesmal?

Die Musiker haben mit vier Instrumenten so einen orchestralen Klang und so einen Schmiss in ihrer Performance, dass es einfach ein Vergnügen ist, denen zuzuhören. Gerade, wenn sie Stücke für größere Orchester spielen. Und wir hatten durch den Karneval der Tiere sehr viel Spaß miteinander und wir mögen uns einfach auf der Bühne. Ich bin da, um eine Geschichte zu illustrieren, die sie sehr lebendig und schmissig spielen.

Den Text zu "Will der Herr Graf" haben Sie gemeinsam mit Tilmann Böttcher erarbeitet und noch bis einen Tag vor der Premiere daran gefeilt. Wie wird das Ergebnis auf der Bühne aussehen?

Ich werde sicherlich Teile vorlesen, die genau formuliert sind. Und ich werde auch eine Schere dabei haben, denn ein Barbier muss eine Schere haben. Ich werde mit den Musikern zusammen spielen und auch mal versuchen sie zu dirigieren und sicher nicht dabei einschlafen. Ich hüpfe auf der Bühne rum, und da wir uns gut kennen, reagieren wir aufeinander. Das ist sozusagen ein Dialog. Und da kann ich auch mal zu den Musikern hin gehen und ihnen die Locken abschneiden oder irgendeinen Quatsch machen. Das Ganze ist ein bisschen klassisch, literarisch, rock'n'roll-isch, blödsinnig und auch komödiantisch.

In der Oper gibt es die Figur des Dr. Bartolo, der gerne seine Ziehtochter Rosina heiraten würde. Bieten sich da auch inhaltliche Bezüge zu aktuellen gesellschaftlichen Diskussionen an?

Ja, Dr. Bartolo hat bei mir in einer Textstelle sehr gelbe fiese Haare. Aber das so kabarettistisch auf heute zu beziehen, find ich immer doof. Ich musste dennoch daran denken, dass es einen amerikanischen Präsidenten gibt, der über seine Tochter alles andere als anständig redet. In einer Zeit, wo solche Anzüglichkeiten sich überhaupt nicht gehören und es eine große Diskussion darüber gibt.

Sendung: Antenne Brandenburg, 13.03.2018 um 21 Uhr  

Beitrag von Katharina Albrecht

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