Regale und viel Spielzeug in der neuen Sonderausstellung über die Sammlung im Dok-Zentrum Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt (Quelle: rbb/Uta Schleiermacher)
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Audio: Antenne Brandenburg | 3.07.2018 | Autorin: Uta Schleiermacher | Bild: rbb/Uta Schleiermacher

Neue Ausstellung im Dok-Zentrum Alltagskultur - Zeitreise in die Spielstuben der DDR

Wie Brandenburgs größtes Spielzimmer wirkt die neue Sonderausstellung im Dok-Zentrum Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt - mit Regalen voller Kuscheltiere, Spielzeugautos, Puppen, Puzzlespielen. Und ja, Sie dürfen sogar alles anfassen. Von Uta Schleiermacher  

Es ist ein bisschen wie Weihnachten. Viel Spielzeug und große Augen, nicht nur bei den Kindern. "Die Kamera war eines meiner Lieblingsspielzeuge - das Gegenstück von einem Smartphone", sagt Rolf Wessollek und dreht die Kurbel am handgroßen Plastikgehäuse. "Da gibt es kleine Filme, die werden eingelegt, und dann hält man sie so gegens Licht und kann sie angucken." Für diese Filme habe er damals all sein Taschengeld ausgegeben.  

Wie die anderen erwachsenen Besucher steht Wessolleck ehrfürchtig und ein bisschen überwältigt vor den bis oben vollgestopften Regalen der neuen Sonderausstellung im Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt. Das Dok-Zentrum hat alle Spielsachen aus seinem Depot geholt, vieles doppelt und dreifach: Autos, Puppen, Kinderpost und Kinderwaschmaschine.  

Regale und viel Spielzeug in der neuen Sonderausstellung über die Sammlung im Dok-Zentrum Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt
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Selbst inventarisieren

Wer möchte, kann ein Spielzeug aus dem Regal nehmen und selbst inventarisieren, sagt Museumsmitarbeiterin Britt Scheffler. "Sie können die Karte selbst ausfüllen, und wenn Sie den Gegenstand selbst einmal besessen haben, auch ihre Erinnerungen daran eintragen."

Genau diese Geschichten und Erinnerungen, die die Besucher mit den Spielzeugen verbinden, möchte das Dok-Zentrum in der Ausstellung sammeln. Denn: Sie machen die Objekte wertvoller für die Forschung. Leider fehlt diese Geschichte bei vielen Objekten, sagt Axel Drieschner, Historiker und Kurator am Dok Zentrum. "Normalerweise müsste man mit den Schenkern Interviews führen, warum sie uns die Dinge übergeben, aber das können und konnten wir in der ganzen Breite nicht machen."  

Filme drohen zu zerfallen

Denn das Dok-Zentrum hat insgesamt 170.000 Objekte. Erst ein Viertel davon ist registriert. Weil dem Dok-Zentrum die Mittel fehlen, kann das noch Jahrzehnte dauern. In der Zwischenzeit drohen einige Objekte in den teils ungeeigneten Depots schon zu zerfallen. Auch darauf soll die Ausstellung aufmerksam machen, sagt Axel Drieschner. Verschimmeln würde bisher nichts, aber: "Ein besonderes Sorgenkind sind die Filme, die unterliegen einem Zersetzungsprozess", sagt er. "Man müsste die Filme kühlen oder sogar gefrieren", diese Möglichkeiten habe das Dok-Zentrum aber nicht.  

Regale und viel Spielzeug in der neuen Sonderausstellung über die Sammlung im Dok-Zentrum Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt
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Ein Tomahawk und die Sommerferien

Ein kleines Regal im zweiten Raum ist noch fast leer. Hier liegt nur, was schon eine Alltagsgeschichte hat. Bisher nur ein roter Tomahawk, aus Plastik. Dazu drei Karteikarten, auf die Ronald Wozniak seine Erinnerungen geschrieben hat. "Ich hatte als Kind in den Sommerferien Langeweile, und habe mich hinter Bäumen versteckt und den Tomahawk auf die Autos geworfen, die gekommen sind, auf die Windschutzscheibe", sagt er. "Einer hielt an, stieg aus, knallte mir eine, nahm den Tomahawk und fuhr wieder weg. Ich hatte Verständnis dafür."

Seiner Mutter, die nach dem Handabdruck in seinem Gesicht fragte, erzählte er, dass er in einen Ameisenhaufen gefallen sei. Als sie ihm nicht glaubte, sagte er, ein Mann sei einfach so gekommen und habe ihn geschlagen. "Ich sehe diesen Tomahawk und sofort entsteht die Zeit, ich sehe die Autos vor mir, ich sehe die kleinen Gärten. Wenn diese Geschichten erstmal weg sind, die kommen nicht mehr wieder." Neben dem Tomahawk sollen nach und nach viele andere Objekte mit den persönlichen Geschichten der Besucher im noch leeren Regal landen. Und so die Ausstellung - und auch die Sammlung des Dok-Zentrums vervollständigen.

Beitrag von Uta Schleiermacher

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Hier möchte ich Ihnen Zustimmen. Diese Austellung zeigt auch mal die Seite am Menschen, die gleichermaßen uns ALLE betrifft. Jeder hat Kindheitserinnerungen. Gute sowie schlechte. Spielzeuge aber haben wir Kinder gerne gehabt. Deshalb finde ich auch diese Ausstellung vollkommen in Ordnung.

  2. 2.

    Nicht, dass hier die harte Wirklichkeit im SED-Unrechtsstaat "DDR" nicht richtig verdeutlicht wird. Im SED-Unrechtsstaat hatte niemand was zu lachen, erst recht nicht die Kinder und Jugendlichen. Mir scheint, im Artikel wird Schönfärberei betrieben.

  3. 1.

    Ist auch ok. Wer’s mag. Soll ja Leute geben,die mit feuchten Augen durch die Austellung Wandern.

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